Freitag, 21. Oktober 2016

Rezension: Basiswissen BWL

Schultz, Basiswissen BWL, 3. Auflage, C.H. Beck 2016

Von stud. iur. Maren Wöbbeking, Göttingen



Man nehme 6,90 €, 3 Stunden seiner Zeit, befasse sich mit circa 120 Seiten im Kleinformat und erhalte ein umfängliches Basiswissen in der Betriebswirtschaftslehre! Dies zumindest scheint Volker Schultz „Basiswissen BWL“, erschienen in der nunmehr dritten Auflage, zu versprechen.

Das Buch ist Teil der Reihe „Beck Kompakt“, die neben einer bunten Mischung aus Ratgebern zu Themen wie Konzentration, Karriere und Yoga auch einige ausgewählte Bereiche der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften abdeckt. Zu nennen wären neben Basiswissen BWL zum Beispiel Bücher zum HGB, Vereinsrecht oder Controlling.

Wie die Reihe und das sehr kleine Format unschwer erkennen lassen, geht es bei diesen Büchern primär um praktische Begleiter für fachexterne Leser. Diese sollen sich, so erklärt Schultz im Vorwort zu seinem Werk, einen Überblick verschaffen können, der – wenn gewünscht – einen Einstieg für die weitergehende Auseinandersetzung mit der Thematik bieten kann.

Einen solchen Überblick erwartet einen dann auch bereits beim Aufklappen des Buchdeckels, der mit einer übersichtlichen und fachwortbespickten Darstellung des Gebiets bereits den Charakter des gesamten Buches erkennen lässt. Denn man kann bereits vorab sagen, dass es sich bei Basiswissen BWL um ein übersichtliches und angenehm kurz gehaltenes Buch handelt, das alle wichtigen Gebiete der Betriebswirtschaftslehre beleuchtet.

Seine Vorzüge sind dabei definitiv die farblichen Markierungen und die stark untergliederte Struktur, die auf den ersten Seiten im Rahmen eines Verwendungshinweises erklärt wird und das Buch in seinem Aufbau bestimmt.

Die zehn enthaltenen Kapitel sind in sich abgeschlossen, sodass auch ein unabhängiges, interessengeleitetes Lesen der verschiedenen Abschnitte möglich ist. Generell ist dieses Buch sowohl in seiner Machart als auch inhaltlich sehr auf den privat interessierten und weniger auf den fachlich verpflichteten Leser ausgelegt. Insbesondere sprachlich, wird viel Wert darauf gelegt praktische und nicht notwendigerweise wissenschaftliche Bezüge zu vermitteln.

Schultz‘ Tipp, das Buch während einer Zugfahrt oder vor dem Einschlafen zu Lesen, kann dennoch nur bedingt gefolgt werden. Denn die von Schultz wirklich gut beherrschte und grundsätzlich wünschenswerte Kunst, sich auf das Wesentliche zu beschränken und keine überflüssigen Informationen zu geben, ist in diesem Fall zugleich auch ein „Nachteil“. So verlangt die thematisch bedingte Menge an Informationen, untergebracht in wenigen Worten, vom Leser ein gewisses Mindestmaß an Konzentration. Diese bringt man jedoch in den eben genannten Situationen gerade eher nicht auf. Daher müssen, vornehmlich bei einer ersten Auseinandersetzung mit dem Thema, Passagen häufig mehrfach gelesen werden. Die angedachte Zeit von drei Stunden ist dementsprechend nicht zu unterschätzen.

Beachtet man dies, eignet sich das Buch jedoch sehr gut als erster Einstieg in die Materie. Maßgeblich bestimmt wird der Inhalt von der Definierung von Fachbegriffen, die dem Laien zwar bekannt sind aber mit deren Umgang man in der Regel nicht vertraut ist. Darüber hinaus erleichtern die benannten Übersichten und praktischen Bezüge die Herangehensweise für fachfremde Leser. Diese Praxisbezüge setzen sich auch in den juristischen Bereichen fort, die typischerweise im Rahmen der Betriebswirtschaftslehre erwähnt werden. Beispielsweise wird bei Erläuterung der Formfreiheit eines Gesellschaftsvertrages bei der GbR eindringlich empfohlen eine schriftliche Form dennoch zu wahren. Ähnliche Hinweise ziehen sich durch andere Bereiche des Buches.

Während von Schultz grundsätzlich die meisten Gebiete ausgesprochen schön kompakt auf den Punkt gebracht werden, wäre in manchen Bereichen eine differenzierte Darstellung für Nicht-Betriebswirte durchaus hilfreich. Zu nennen sei hier unter anderem die Erklärung der Bilanzierung auf nur circa drei Seiten, die ohne Vorwissen oder weitere Lektüre durchaus mehr Erläuterungen gebraucht hätte. Im Rahmen der selbstgesetzten Anforderungen an einen Schnellkurs und den ausdrücklichen Hinweis, bei Interesse weitere Literatur zurate zu ziehen, kann dies Schultz jedoch eigentlich nicht zum Vorwurf gemacht werden.


Insgesamt hat der Autor aus dem schönen Darmstadt mit „Basiswissen BWL – Ein Schnellkurs für Nicht-Betriebswirte“ ein Buch geschaffen, welches vielleicht nicht dem (heimlichen) Wunsch vieler Leser entspricht, sich nach drei Stunden mit der gesamten Betriebswirtschaftslehre auszukennen. Was es erreicht, ist aber dafür ein guter Grobüberblick insbesondere über die Begrifflichkeiten und die Erlangung eines – im positivsten Sinne des Wortes – gesunden Halbwissens, auf das gegebenenfalls aufgebaut werden kann. Gerade hinsichtlich des Preises, Umfangs und der guten Zusammenfassungen kann ich dieses Buch guten Gewissens empfehlen.