Donnerstag, 27. Oktober 2016

Rezension: Das verkehrsrechtliche Mandat - Verkehrszivilrecht

Hillmann / Schneider, Das verkehrsrechtliche Mandat, Band 2: Verkehrszivilrecht, 7. Auflage, Anwaltverlag 2016

Von RA und FA für Verkehsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt



Vier Jahre nach der Vorauflage erscheint das bewährte Werk „Verkehrszivilrecht“ aus der Reihe „Das verkehrsrechtliche Mandat“ vollständig überarbeitet. Vier Jahre sind im Verkehrsrecht eine lange Zeit, in der es eine Vielzahl wichtiger Entscheidungen und neuer Entwicklungen im Verkehrsrecht gab. Eine Neuauflage war daher sinnvoll. Die aktuelle Auflage hat den Stand Juni 2016.

Wichtigste Neuerung ist, dass Hillmann aus der Bearbeitung ausgeschieden ist und das Werk nunmehr alleine von Schneider bearbeitet wird. Das ist auf der einen Seite ein Verlust, auf der anderen Seite ist Schneider seinerseits aber ein ganz hervorragender Verkehrsrechtler. Die Qualität des Werkes wird durch das Ausscheiden von Hillmann daher nicht leiden.

Schneider hat die wichtigsten Entscheidungen zum Sachschaden eingearbeitet, etwa zu steuerlichen Fragen, zum aktuellen „Dauerbrenner“ Sachverständigenkosten und natürlich zu den beliebten Mietwagenkosten. Neu eingearbeitet wurden Themen wie „Dashcams“, die aktuell die Gerichte beschäftigen, gleichfalls wie Fragen zur Abgrenzung des Unfallschadens von Vorschäden.

Das Kompendium richtet sich an die Anwaltschaft, und hierbei im besonderen Maße an die Vertreter der Geschädigten, was zu begrüßen ist. Dies wird bereits beim Lesen des Vorwortes, vor allem aber in § 1 (Beginn des Verkehrsrechtsmandates) sehr deutlich. Es wird ausführlich auf die Schadenssteuerung der Versicherer (S. 2 ff.) eingegangen, die, so Schneider vollkommen berechtigt, wesentlich nur dem wirtschaftlichen Interesse des Versicherers dient und klar nachteilig für den Geschädigten ist, ohne dass er dies bemerken könnte. Zu dieser Situation tragen Abkommen der Versicherer mit Werkstätten und Sachverständigen (z.B. Control-Expert) bei. Hieran wird sich in naher Zukunft nichts ändern, im Gegenteil: Das „Fair-Play-Konzept“ eines großen Versicherers zeigt deutlich auf, dass die Versicherer auch künftig darauf aus sein werden, z.B. freie Sachverständige und die Anwaltschaft gänzlich aus der Schadensregulierung herauszuhalten. 

Letztlich sind diese Ausführungen der vor allem und insbesondere jüngeren Verkehrsrechtlern ans Herz zu legen, damit diese sich ein Bild davon machen können, welcher Situation sie sich auf dem Markt ausgesetzt sehen und worauf sie sich einzustellen haben.

Thematisch enthält das Werk alles, was man von einem verkehrszivilrechtlichem Handbuch erwarten darf, und zwar ausgerichtet an der Bearbeitung des „typischen“ verkehrsrechtlichen Mandats: In 14 Kapiteln (inklusive Anhang) behandeln die Autoren u.a. Haftungsgrundlagen und -begrenzungen, das Quotenvorrecht, dem sogar ein eigenes Kapitel gewidmet wurde (§ 6), die einzelnen materiellen Schadenspositionen, Personenschäden und auszugsweise das für das Verkehrsrecht relevante Versicherungsrecht. Im Anhang (§ 14) findet der Leser noch einige Schreiben, etwa gebührenrechtliche Regulierungsabkommen mit den Versicherern, Erfassungsbögen zur Mandatsbearbeitung sowie einzelne Tabellen zur Arbeitserleichterung.

Inhaltlich weiß das Werk gänzlich zu überzeugen, was bei der Kompetenz des Autors auch nicht zu anders zu erwarten war. Dies betrifft nicht allein die Abhandlung der Themen. Auch die zahlreich angeführten, vertiefenden Literatur- und Rechtsprechungshinweise sind ein Segen für die Praxis und eine hervorragende Quelle, um weitere Argumente an die Hand zu bekommen.

Wenn man überhaupt unter den vielen lesenswerten Kapiteln ein Kapitel besonders hervorheben möchte, dann ist dies dasjenige zum Sachschaden (§ 7). Hier gilt es für den Verkehrsrechtler gewappnet zu sein und dem Sachbearbeiter des Versicherers auf Augenhöhe zu begegnen, um unberechtigte Kürzungen zu Ungunsten des Mandanten zu vermeiden. Ob Verbringungskosten, UPE-Aufschläge, Sachverständigenkosten - der Leser erhält von Schneider einen überaus gelungenen Leitfaden, um entsprechend gegenüber dem Versicherer argumentieren und von Beginn an zielführend in das Regulierungsverhalten eingreifen zu können. Prozessuale Probleme, die sich häufiger stellen, werden ebenfalls behandelt. Als Beispiel genannt werden soll hier die Feststellungsklage, die im Verkehrsrecht ein gängiges Mittel ist, um die Haftung dem Grunde nach zu klären. Gleichwohl ist zu erkennen, dass sich die Gerichte hiermit nach wie vor schwer tun und zur Umstellung auf eine Leistungsklage auffordern – in der Regel zu Unrecht.


Das verkehrsrechtliche Mandat ist und bleibt ein Muss für jeden Verkehrsrechtler!