Dienstag, 4. Oktober 2016

Rezension: Handbuch des Adhäsionsverfahrens

Weiner / Ferber, Handbuch des Adhäsionsverfahrens, 2. Auflage, Nomos 2016

Von RAG Dr. Benjamin Krenberger, Landstuhl



Das Adhäsionsverfahren verlangt vom Verteidiger fundierte strafrechtliche und zivilrechtliche Kenntnisse. Natürlich sind entsprechende Informationen zu den in der StPO relevanten Normen in jedem einschlägigen Kommentar vorhanden. Aber für viele praktische und taktische Feinheiten bleibt eben in einem Kommentar doch zu wenig Raum, sodass ein Handbuch zu diesem Thema für den strafrechtlichen Bereich unerlässlich ist, gerade weil dieser Verfahrenstyp vom Gesetzgeber immer wieder gefördert wird und Literatur zum Thema rar ist. Das vorliegende Werk erscheint bereits in zweiter Auflage und bietet dem Leser auf weniger als 200 Seiten einen breit angelegten und an der höchstrichterlichen Rechtsprechung orientierten Blick auf das Adhäsionsverfahren. Das Autorenteam setzt sich dabei ausgewogen aus Vertretern der Justiz, Staatsanwaltschaft und der Anwaltschaft zusammen.

Die Gestaltung des Werks ist deutlich textlastig, wenngleich das Layout mit Randnummern, Zwischenüberschriften, echten Fußnoten, Aufzählungen Beispielen und Mustern zur durchgehenden Lektüre einlädt. Im Text sparen die Autoren nie mit eigenen Stellungnahmen und Wertungen, was den Leser bzw. Rechtsanwender in seiner eigenen Argumentation schult. Im Musterverzeichnis wird zudem unterschieden zwischen Mustern für Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter, was die hohe Praktikabilität des Buches noch unterstreicht.

Die inhaltlichen Darstellungen beginnen – ganz klassisch – mit einem Abschnitt zu Grundlagen und Verfahrensgrundsätzen, wobei schon hier die Ambivalenz des Verfahrenstyps herausgearbeitet wird (S. 29) und die hohe Verantwortung des Anwalts beschrieben wird, der für den Mandanten verschiedenste Aspekte in die Abwägung einstellen muss. Schön wird auch die Melange zwischen zivilprozessualen und strafprozessualen Grundsätzen aufgedeckt, etwa wenn § 139 ZPO und die aktuelle Debatte um die Reichweite der Norm im Adhäsionsrecht thematisiert wird (S. 37).

Praktische Fragen werden dann in Abschnitt B. gestellt und beantwortet, etwa zur Zulässigkeit des Verfahrens, zum ordnungsgemäßen Antrag oder zur Zustellung des Antrags. Zugleich werden wieder praktische und taktische Probleme aufgezeigt, die die Verfahrensbeteiligten kennen und berücksichtigen müssen, etwa das klassische Dilemma zwischen Kooperation und Konfrontation (S. 73), mögliche Inhalte eines Vergleichs (S. 90), aber auch Haftungsfragen bei Pflichtverteidigung und der damit mglw. verbundenen Erstreckung auf das Adhäsionsverfahren (S. 102). Auch wenn manche Aspekte nur kurz angerissen werden, spricht doch die Summe der einzelnen Unterpunkte für die schon oben genannte Varianz der Thematik, die die Autoren akribisch nachzeichnen. Zudem werden einzelne Aspekte auch später noch einmal abrundend aus der Perspektive des Beschuldigten zusammengefasst, da es einen Schlussabschnitt zur „Verteidigung im Adhäsionsverfahren“ gibt, auch dies ein Kennzeichen für die Umsicht, die bei der Zusammenstellung dieses Buches waltete.

Positiv ist auch hervorzuheben, dass dem praktischsten aller Aspekte, den Gebühren, ausreichend Beachtung geschenkt wird. Dies betrifft nicht nur den Anspruch auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe (S. 145), sondern auch Abrechnungsfragen, wo z.B. sehr schön das Adhäsionsverfahren der Nebenklage gegenüber gestellt wird (S. 162).


Mir gefällt das Handbuch sehr gut, da es auf engem Raum eine auf die verschiedenen Verfahrensbeteiligten abgestimmte Perspektive auf ein höchst komplexes Verfahren ermöglicht. Die Aktualität der Fundstellen ist erfreulich und auch die Aufnahme der verschiedenen Argumentationsansätze bei Streitfragen ist hilfreich. Insgesamt also eine klare Empfehlung für den strafrechtlichen Praktiker.