Sonntag, 23. Oktober 2016

Rezension: Internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht

Hay / Rösler, Internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht, 5. Auflage, C.H. Beck 2016

Von stud. iur. Annelie Siemsen, Hamburg



Internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht aus der Reihe „Prüfe dein Wissen – Rechtsfälle in Fragen und Antworten“ ist von zwei Professoren verfasst worden und umfasst 310 Seiten. Das Werk beschäftigt sich mit dem Wahlschwerpunktfach des juristischen Studiums „Internationales Privatrecht“ und dessen prozessualer Einbindung, dem internationalen Zivilverfahrensrecht. Es richtet sich an Jurastudenten, Rechtsreferendare sowie Praktiker, die sich in der Anfangsphase dieses bereichsübergreifenden Rechtsgebiets befinden.

Grenzüberschreitende Sachverhalte begegnen uns heute in unserer wirtschaftlich global vernetzen Welt täglich: im Kauf- und Dienstleistungsrecht, Familien- und Erbrecht, aber auch in Strafsachen und bei Ordnungswidrigkeiten, wenn wir uns im Ausland aufhalten. Dem grenzüberschreitend anzuwendenden Recht sowie dem diesbezüglichen Verfahrensrecht kommt deshalb eine herausragende Bedeutung zu. Das Werk stellt an sich selber den Anspruch, dem Leser und Anwender einen Zugang zu diesen komplexen Zusammenhängen zu vermitteln und durch Verknüpfungen der verschiedenen zu beachtenden Aspekte, ein Verständnis für Zusammenhänge und weitere Anwendungsfälle zu ermöglichen. Zwar ist eines der Hauptanliegen der Autoren, die Zusammenhänge zwischen dem Internationalen Zivilverfahrensrecht und dem Internationalen Privatrecht darzustellen, doch trennt das Werk eben jene zwei Teile bereits im Aufbau.

Insgesamt vollzieht sich bereits seit geraumer Zeit ein Strukturwandel, weg vom nationalen Recht, hin zum europäischen Recht. Der große Einfluss des Europarechts wird durch Erfassung der jüngsten Änderungen dieses Rechtsbereiches gebührend beachtet, wie etwa durch die Berücksichtigung der Rom III-VO, der EuUntVO, der EuErbVO und der EuGVO-Reform, des Inkrafttretens des Haager Kinderschutzübereinkommens sowie der Rechtsprechung des EuGH insgesamt.


Didaktisch ist das Werk so aufgebaut, dass es sich durchweg an der Lösung konkreter Fälle orientiert, wie in der Reihe „Prüfe dein Wissen“ üblich. Dies hat den Vorteil, dass theoretische Abschweifungen vermieden werden und der Leser bzw. Anwender sofort mit der praktischen Bearbeitung von Fällen vertraut gemacht wird. Dieser zweite Punkt kommt im Studium häufig zu kurz. Nachteilig ist dabei, dass sich der Umfang der behandelten Fragen auf die Sachverhalte dieser Fälle beschränkt. Allerdings wird diesem Nachteil durch eine knappe theoretische Einleitung zu jeder Falllösung entgegengewirkt (siehe beispielsweise S. 94). Die beiden Hauptteile - Internationales Zivilverfahrensrecht und Internationales Privatrecht – leiten durch die Definition der Schlüsselbegriffe in die Thematik ein (S. 1-8 und S. 107-115), um anschließend die Beantwortung der Fälle zu ermöglichen. Diese didaktisch wertvolle Aufarbeitung, in Kombination mit der Auswahl relevanter Fallkonstellation gestaltet das Werk zu einem interessanten und kurzweiligen Begleiter, der wärmstens weiterempfohlen werden kann.