Montag, 21. November 2016

Rezension: Die Haftung bei Kapitalanlagen


Zoller, Die Haftung bei Kapitalanlagen – Die wichtigsten Entscheidungen zu Anlageberatung, Vermögensverwaltung und Prospekthaftung, 3. Auflage, C.H. Beck 2016

Von cand. iur. Andreas Seidel, Göttingen



Der Münchener Rechtsanwalt Dr. Michael Zoller hat nunmehr die dritte Auflage seines Handbuchs zur Haftung bei Kapitalanlagen herausgebracht – seit 2011! Anhand dieser Zahlen wird schon auf den ersten Blick deutlich, wie schnelllebig das Thema ist und wie aktuell die Literatur hierzu demnach gehalten werden muss. Doch nicht bloß dem Credo der Aktualität hat sich der Autor verschrieben. Wie er schreibt, ist dies ein Buch, das „vom Praktiker für Praktiker geschrieben“ (S. XI) wurde, trotzdem erstaunt die Anzahl ausgewerteter und analysierter Urteile. Die meisten von ihnen wurden dabei in die Ausführungen eingearbeitet, nur wenige konnten nicht detailliert rezipiert werden.

Trotzdem war dem Autor daran gelegen, die Wichtigkeit weiterer Urteile mitzuteilen, sodass er im Anhang ab Seite 391 weitere 64 Entscheidungen kurz dargestellt und sie dabei nach den Kapiteln im Handbuch sortiert hat. Ebenfalls im Anhang befindet sich ein zweiseitiges Personenverzeichnis, dass bedeutende, aber nicht immer ruhmreiche Namen biographiert, die im engen Zusammenhang mit dem Thema des Buches stehen, unter ihnen Lehman Brothers, der ehemalige Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, der ehemalige geschäftsführende Gesellschafter der Investor- und Treuhand GmbH, Mario Ohoven, sowie der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, Jürgen Schrempp. Darüber hinaus findet sich ab Seite XXVII ein systematisches Verzeichnis und ab Seite XXXIII ein historisches Verzeichnis der ausführlich besprochenen Rechtsprechung. Hierdurch entsteht der Eindruck, dass sich RA Dr. Zoller eingehend mit praktischen Hilfestellungen auseinander gesetzt hat, um den Leser möglichst umfassend helfen zu können. Vor diesem Hintergrund verwundert jedoch das mit sieben Seiten recht kurze und zugleich ungewöhnlich unübersichtliche Sachverzeichnis.

Das vorliegende Handbuch gliedert sich in fünfzehn Kapitel, die alle dem gleichen Konzept folgen: Nach einer kurzen Einführung in das jeweilige Thema folgen detaillierte Ausführungen. Abschließend wird stets ein Ausblick gewährt, in welchem der Autor noch ungeklärte Fragen aufwirft und diskutiert. In der Ausarbeitung der einzelnen Abschnitte wurde darauf geachtet, dass die Einführungen kurz und prägnant dargestellt werden – der Schwerpunkt soll auf der Arbeit am Fall liegen. Dies wird auch deutlich, wenn man die Detailverliebtheit erfasst, mit welcher der Autor beispielsweise auch diejenigen Prospektstellen abgedruckt hat, die zwar wichtig sind, jedoch nicht in der Entscheidung abgedruckt wurden. Auch die enge Arbeit am Sachverhalt ist augenfällig und bereitet bei der Arbeit mit diesem Werk große Freude.

Im Einzelnen finden sich Ausführungen zu den Klassikern der Anlageberatung (S. 1 ff.), die heutige Rechtsprechung der Anlageberatung (S. 19 ff.) und der Haftung für Vergütungen (S. 45 ff.), die einen Schwerpunkt darstellt und im Rahmen dieser Neuauflage durch zahlreiche neue Rechtsprechungen ausführlich erneuert wurde. Im Anschluss daran wird im vierten Kapitel die Haftung bei Derivaten, Zertifikaten und Hedgefonds erläutert (S. 83 ff.), gefolgt von der Haftung bei Vermögensverwaltung, Anlagevermittlung und Execution Only (S. 123 ff.). Die Kapitel sechs und sieben befassen sich mit Prospektfehlern von Investmentvermögen (S. 145 ff.) und dem Haftungsadressaten für Prospektfehlern (S. 187 ff.), die wiederum grundlegend erneuert wurden. Hieran schließt sich die Darstellung der Haftung des Gründungsgesellschafters und des Treuhänders (S. 209 ff.), die Haftung des Prospektgutachters (S. 221 ff.), die Haftung des Mittelverwendungskontrolleurs (S. 243 ff.) und die Sonderprobleme im grauen Kapitalmarkt (S. 269 ff.). das zwölfte Kapitel befasst sich sodann mit der Haftung für fehlerhafte Kapitalmarktinformationen (S. 297 ff.), worauf sich die deliktische Haftung (S. 315 ff.) und die Verjährung (S. 343 ff.) anschließen, wobei bei den Verjährungsfragen durch eine besonders hohe Dichte an neuer Rechtsprechung die Notwendigkeit zur umfassenden Änderung besonders virulent wurde. Der Autor schließt seine Ausführungen mit einer Darstellung des Anlegerprozesses (S. 375 ff.).

RA Dr. Zoller vermag es, durch dieses Handbuch einen wichtigen Beitrag für das Verständnis der Haftung bei Kapitalanlagen zu leisten. Durch die Arbeit mit dem Sachverhalt und die detailreiche Darstellung gelingt es dem Autor, einen nützlichen Helfer an die Hand zu geben, auf den man nicht verzichten sollte, wenn man mit diesem Thema befasst ist.