Freitag, 11. November 2016

Rezension: Handbuch Familienunternehmen und Unternehmerfamilien

Rechenberg / Thies / Wiechers, Handbuch Familienunternehmen und Unternehmerfamilien – Gestaltungspraxis in Zivil-, Gesellschafts- und Steuerrecht, 1. Auflage, Schäffer-Poeschel 2016

Von stud. iur. Annelie Siemsen, Hamburg



Das Handbuch Familienunternehmen und Unternehmerfamilien richtet sich sowohl an die Inhaber und die Leitungsorgane eben jener Unternehmen, als auch an deren Berater und umfasst 872 Seiten. Die Herausgeber und Autoren sind allesamt in derselben Großkanzlei tätig, was den Fokus des Werks auf die Gestaltungsperspektive der Unternehmen unterstreicht. Dem Anspruch des Handbuchs, einen Beitrag zur Gestaltungspraxis zu leisten, werden die Autoren gerecht. Sie greifen die Besonderheiten auf, die sich bei Familienunternehmen im Zivil-, Gesellschafts- und Steuerrecht ergeben. Bei diesen, auch als „Rückgrat des Mittelstand“ bezeichneten Unternehmen gilt es, die Bedeutung von nachhaltigem Handeln und die Einbindung des Unternehmens in die Familie entsprechend aufzugreifen. Die Beschreibung der verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten, also der verschiedenen Rechtsformen, ist für Juristen eher langatmig, kann für den Laien hingegen als Überblick interessant sein. An eine Ausführlichkeit, welche eine rechtliche Beratung ersetzen würde, reichen die Erläuterungen jedoch nicht heran (siehe S. 32 ff.). Der Mehrwert ergibt sich aus den Erläuterungen zu möglichen Auswahlkriterien einer Rechtsform. Dabei werden nicht nur die allgemeinen Kriterien aufgegriffen (Mindestkapital, Haftungsverfassung, Besteuerung), sondern auch solche, die insbesondere für Familienunternehmen von Bedeutung sind, wie etwa die Entscheidungsfindungsmechanismen der Gesellschafter, die Ausgestaltung der Leitung und Überwachung der Geschäftsführung, die Bedeutung der Übertragbarkeit von Anteilen, die Finanzierungsart, die Gestaltung der Altersvorsorge, die besondere Bedeutung der Bestandssicherung sowie der gewünschte Grad an Flexibilität. Besonders hilfreich ist die Darstellung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Gestaltungsformen (siehe S. 52 ff.). Das Werk thematisiert auch die häufig zu Unrecht als lästig und überflüssig abgetanen Regelungen des Corporate Governance. Die Niederlegung entsprechender Regelungen kann den Familienmitgliedern untereinander, deren Beziehungen doch häufig emotional aufgeladen sind, eine Vielzahl an Streit ersparen. Auch der Aspekt, dass familienfremde Leitungspersonen in das Familienunternehmen kommen, wird umfassend beleuchtet.

Wesentliche Bedeutung haben die Besonderheiten der Familienunternehmen bei dem An- und Verkauf solcher Unternehmen. Diese werden, sehr übersichtlich aufgeteilt in die unterschiedlichen Stadien des An- bzw. Verkaufs (Vorvertragliche Verhandlungen, Kaufvertrag und Nachbereitung sowie Integration), aufgegriffen und dargestellt. Ebenso wichtig sind die steuerlichen Aspekte von Familienunternehmen, wobei die Besonderheiten in der unentgeltlichen Übertragung von Anteilen liegen.


Die klare Sprache und die systematische Herangehensweise, bei der auf Fußnoten und Streitstände verzichtet wird, machen das Werk insbesondere für rechtliche Laien zu einem empfehlenswerten Begleiter. Sowohl den Eigentümern als auch den Geschäftsführern wird eine umfangreiche Darstellung der wesentlichen rechtlichen Aspekte eines Familienunternehmens geboten. Der Berater wird zwar weniger aus den rechtlichen Darstellungen einen Mehrwert ziehen könne, dafür aber von dem Umfang der zu beachtenden Aspekte profitieren können.