Montag, 28. November 2016

Rezension: Materielles Zivilrecht im Assessorexamen

Kaiser / Kaiser / Kaiser, Materielles Zivilrecht im Assessorexamen, 8. Auflage, Vahlen 2016

Von Richter am Amtsgericht Carsten Krumm, Dortmund



Von dem Kern der Kaiser-Seminare, also unmittelbar aus dem Repetitorenumfeld, stammt das in nunmehr 8. Auflage erscheinende Buch „Materielles Zivilrecht im Assessorexamen“. Mittels der 219 Buchseiten kann sich der Leser in „eingedampfter“ Form alles an materiellen zivilrechtlichen Kenntnissen draufschaffen, was er üblicherweise für das zweite Staatsexamen benötigt.

So kommt das Buch dann auch sehr skriptenmäßig daher. Dies beginnt mit dem großen DIN A4-Format, geht über breite Seitenränder für individuelle Anmerkungen des Lesers bis hin zu der optischen Aufbereitung der Texte, die mit zahlreichen grau hinterlegten Feldern „Merke“, „Beachte“ oder „Klausurtipp“ gespickt sind. Ebenso grau unterlegt finden sich zahlreiche Prüfungsschemata. Auch einzelne grafische Darstellungen sind enthalten, so etwa im Rahmen des Vertretungsrechts, der Darstellung des allgemeinen Leistungsstörungsrechtes oder dort, wo tatsächliche Sachverhalte wie etwa der Kauf unter Eigentumsvorbehalt dargestellt werden.

Nun zum Inhalt: Zunächst geht es los mit einem allgemeinen Teil zur Prüfungsreihenfolge im Zivilrecht. Hier wird dem Leser also Methodisches an die Hand gegeben, wobei es sich nicht um allgemeine Tipps zur Fallbearbeitung handelt, sondern auch materiell-rechtliche Vorschriften ausführlich dargestellt werden. Es wird kurz über die Rangfolge von Anspruchsgrundlagen referiert. Danach geht es zu den vertraglichen Primäransprüchen. In diesem Rahmen werden typische AT-Fragen wie Stellvertretung, Geschäftsfähigkeit, Angebot und Annahme, Scheingeschäft usw. dargestellt. Im Weiteren werden dann die vertraglichen Sekundäransprüche erörtert und examensrelevante Klausurkonstellationen vorgestellt. Weiter geht es mit den vertragsähnlichen Ansprüchen, also solchen wegen c.i.c., p.V.V. und aus Geschäftsführung ohne Auftrag. Auf weiteren 20 Seiten werden dann dingliche Ansprüche, also Sachenrecht dargestellt, dann die deliktischen Ansprüche und schließlich Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung. Ein kurzes Sonderkapitel ist den sonstigen Ansprüchen gewidmet, also etwa der Bedeutung eines Vertrages zu Gunsten Dritter oder der Drittschadensliquidation.

Der zweite Buchteil befasst sich dann mit den wichtigsten Vertragstypen. Hier werden die Grundlagen der einzelnen Verträge dargestellt, die in der Praxis in Examensklausuren vorkommen. Dabei gehen alle einzelnen Vertragskapitel mit einem kurzen Abschnitt „Einstieg“ los, in dem jeweils Allgemeines zu der jeweiligen Vertragsart dargestellt wird, typische Problemfelder angesprochen und auch schon typische Klausurkonstellationen vorweggenommen werden. Im Anschluss werden dann ähnlich wie in anderen Lehrbüchern, jedoch deutlich komprimierter die wichtigsten Einzelheiten der jeweiligen Vertragstypen durchgesprochen. Dabei fällt auf, dass der Kaufvertrag und der Werkvertrag als solche in diesem Umfeld nicht dargestellt werden. Vielmehr sind die Darstellungen zu beiden Vertragsarten bereits im ersten Buchteil enthalten, um für diesen Teil hinreichend fallbezogene Ansatzpunkte zu haben, anhand derer die jeweiligen Fragen konkret erörtert werden können. Bei den einzelnen Verträgen richtet sich der Umfang der Darstellung nach der Wichtigkeit im Examensumfeld. So werden etwa Bürgschaftsvertrag und Mietvertrag ausführlicher dargestellt. Der Reisevertrag oder der Leasingvertrag sind dementsprechend deutlich kürzer gehalten. Hier werden auch nur Grundstrukturen vermittelt. Das Buch als Art erweitertes Skript ist von seiner Konzeption in diesen Bereichen auch nicht dafür gedacht, detailliertes Einzelwissen zu vermitteln, sondern den Blick für das Ganze zu schärfen.

In einem dritten Buchteil finden sich dann typischerweise im Examen vorkommende weitere Ansprüche und Anspruchsgrundlagen, die nach Rechtsgebieten sortiert sind. Es werden familienrechtliche Anknüpfungspunkte dargestellt, erbrechtliche Probleme, die Bedeutung des Handelsrechts, gesellschaftsrechtliche Fragen und schließlich auch ein kurzer Abstecher ins Arbeitsrecht vorgenommen. Bekanntermaßen sind diese Rechtsgebiete häufig im Examensumfeld als Aufhänger gedacht, um dann eine normale weitere zivilrechtliche Prüfung zu ermöglichen. Hier ist es dann wichtig, zu erkennen, wann von dem Spezialgebiet in das allgemeine Zivilrecht übergeblendet werden kann. Das Buch ist hervorragend gerade für diese Fallgestaltungen geeignet.

Ansonsten ist in formaler Hinsicht noch festzustellen, dass das Buch ein ausführliches Inhaltsverzeichnis enthält und auch ein ganz übliches Abkürzungsverzeichnis. Am Schluss ist dann noch ein Stichwortverzeichnis vorhanden, das über fast fünf Seiten geht. Angesichts der nachvollziehbaren Struktur, die jeder Leser bereits aus der Strukturierung anderer Lehrbücher aus dem zivilrechtlichen Bereich erkennt, reicht dies durchaus aus.


Abschließend ist festzuhalten: Das Buch ist sicher nicht nur für die unmittelbare Examensvorbereitung oder als begleitende Lektüre für einen Repetitorium gedacht, sondern kann auch bereits zu Anfang der Referendarzeit gute Dienste leisten, wenn es darum geht, schnell ein Rechtsgebiet nochmals durchzuarbeiten und geeignete Lösungsansätze zu finden. Dabei kann das Buch zweifellos auch noch über das Staatsexamen hinaus in der ersten Zeit der Berufstätigkeit als Anwalt oder Richter gewinnbringend genutzt werden. Angesichts der erfreulichen und lesefreundlichen Art der Darstellung, der Möglichkeit, individuelle Anmerkungen an den breiten Seitenrand anbringen zu können und vor allem angesichts des moderaten Preises von 24,90 € kann das Buch allen Referendaren nur dringend empfohlen werden.