Mittwoch, 30. November 2016

Rezension: MüKo StPO Band 2

Hartmut Schneider (Hrsg.), Münchener Kommentar zur Strafprozessordnung: StPO; Band 2: §§ 151-332, 1. Auflage, C.H. Beck 2016

Von RA und FA StrR Johannes Berg, Kaiserslautern



Im Verlag C.H. Beck erscheint der zweite Band der neuen Großkommentierung zur Strafprozessordnung. Betreffend Aufmachung und Darstellung kann dem Grunde nach auf die ausführliche Besprechung des ersten Bandes durch Carsten Krumm verwiesen werden (http://dierezensenten.blogspot.de/2015/01/rezension-strafrecht-muko-stpo-band-1.html). In ähnlichem Verhältnis wie in der Bearbeitung der §§ 1-150 handelt es sich auch hier bei lediglich 8 von insgesamt 27 Autoren um Rechtslehrer (ohne praktische Tätigkeit), was das Werk vor zu großer Theorielastigkeit schützt, zugleich jedoch den in einem Großkommentar erwarteten Kritizismus garantiert. Wie im ersten Band folgt in den einzelnen Kommentierungen auf den Gesetzestext stets eine Literaturübersicht. Die Darstellung erfolgt wiederum stets sehr systematisch und strukturiert. Zitate, verbannt in die Fußnoten, stören nicht den Lesefluss. Zahlreiche „Fettungen“ machen die Lektüre eingängiger.

Mancher Leser mag in Erschütterung erstarren: doch alle 2472 Seiten habe ich nicht von vorne bis hinten durchgelesen. Ich habe jedoch längere Zeit in der Praxis mit dem Werk gearbeitet und hier vorwiegend die Kommentierungen der §§ 244, 245 und 264 StPO genutzt. Dabei fällt zunächst ins Auge, dass sich (im Gegensatz zu manch anderem Großkommentar) stets sehr überschaubare Ausführungen innerhalb der sauberen Gliederung finden. Es lässt sich daher sehr schnell, punktuell und präzise mit dem Werk arbeiten. Auch gefällt die äußerst saubere Zitatarbeit, die bei einem etwaigen Zahlendreher zu einer Entscheidungsfundstelle (den ich nicht ausmachen konnte) durch Datum und Aktenzeichen Netz und doppelten Boden bietet. Sieht man etwa in die Ausführungen von Trüg und Habetha zur Erhebung präsenter Beweismittel auf Beweisantrag (§ 244 Rn. 38ff.), so bietet das Werk an dieser Stelle alle wichtigen Antworten auf einen Blick. Hervorzuheben ist auch die Kommentierung des § 264 StPO durch Norouzi, (besonders mit seinen Ausführungen zur Kognitionspflicht, -herrschaft und deren Auswirkungen; Rn. 14, 35-42, 49), der es schafft, auf nur 26 Seiten alle wichtigen Fragen der schwierigen Norm zu durchdringen.


Zu bemängeln gibt es also wirklich rein gar nichts. Was bleibt ist die Frage, wer den MüKo StPO ob der Anzahl vorhandener Werke denn braucht. Staatsanwälte und Richter außerhalb von Bibliotheken als potentielle Abnehmer anzusehen, dürfte der Hoffnung zu viel sein. Unterstellt man aber als richtig, dass Verteidiger, die nicht allzu oft in Revisionsverfahren tätig sind, in aller Regel mit einem Handkommentar, einem mittleren Werk und einem Großkommentar zur StPO auskommen werden, möchte ich diesen den Münchener Kommentar wärmstens ans Herz legen. Der Preis von knapp 1.000,00 Euro für das Gesamtwerk ist zwar kein Pappenstiel, bleibt jedoch deutlich günstiger als bei den großen Konkurrenten. Festzuhalten bleibt nämlich: hier entsteht etwas Großes.