Mittwoch, 23. November 2016

Rezension: Schuldrecht


Peifer, Schuldrecht – Gesetzliche Schuldverhältnisse, 5. Auflage, Nomos 2016

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Das Lehrbuch „Schuldrecht – Gesetzliche Schuldverhältnisse“ von Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer erscheint dieses Jahr in der 5. Auflage. Es ist neben den großen Klassikern des Schuldrechts von Looschelders, Medicus/Lorenz und Brox/Walker eines der eher unbekannteren Werke zum Schuldrecht. Anhand der Auflagenzahl kann man aber deutlich erkennen, dass das Lehrbuch sich in den letzten 10 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und auf dem Markt etabliert hat.

Vor allem Studierenden der Ruhr-Universität Bochum und der Universität zu Köln dürfte das Lehrbuch bekannt sein. Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer (geb. 1962) lehrte dort im Bereich des Zivilrechts und hat seine Forschungsschwerpunkte im gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht sowie im Medienrecht. Seit 2005 ist Peifer Direktor des Instituts für Medienrecht und Kommunikationsrecht der Universität zu Köln Seit 2006 ist er zudem Direktor des Instituts für Rundfunkrecht; ebenfalls an der Universität zu Köln.

Auf ca. 300 Seiten versucht Peifer den Studierenden die gesetzlichen Schuldverhältnisse näherzubringen. Damit fällt das Werk wesentlich dünner aus, als andere Lehrbücher zu diesem Thema, die teils 600 und mehr Seiten haben. Einerseits kann man das Buch dadurch zügiger durcharbeiten, andererseits stellt sich allerdings die Frage, ob Peifer darin wirklich den gesamten, außerordentlich examensrelevanten Prüfungsstoff zu den gesetzlichen Schuldverhältnissen unterbringen kann.

Im ersten Teil des Buches wird ein Überblick über die vertraglichen und gesetzlichen Schuldverhältnisse gegeben. Insbesondere wird der Unterschied zwischen außervertraglicher und vertraglicher Haftung dargelegt und Konkurrenzfragen aufgegriffen. Damit erleichtert Peifer dem Leser den Einstieg in die Materie und den Übergang von den vertraglichen zu den gesetzlichen Regelungen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Deliktsrecht. Zuvörderst werden die Grundprinzipien des Deliktsrechts dargelegt und dessen Struktur erklärt. Anschließend stellt der Autor den Grundtatbestand des § 823 I BGB dar. Im Anschluss geht es um § 823 II BGB. Daraufhin werden die weniger relevanten § 824 ff. BGB behandelt. Positiv ist zu vermerken, dass danach sowohl auf die Haftung des Kfz-Führers nach § 18 StVG eingegangen wird, als auch auf die Produkthaftung nach dem ProdHaftG.

Damit stellt Peifer alle examensrelevanten Paragraphen des Deliktsrechts vor und setzt entsprechend den Anforderungen der Prüfungsordnungen die richtigen Schwerpunkte auf den jeweiligen Grundtatbeständen. Im dritten Teil von „Schuldrecht – Gesetzliche Schuldverhältnisse“ wird das Bereicherungsrecht behandelt. Auch hier erfolgt zuerst eine Einleitung, in der die Aufgaben und Rechtsfolgen des Bereicherungsrechts dargelegt werden. Direkt danach werden die Paragraphen zu den Leistungskondiktionen behandelt. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt hier auf dem sehr examensrelevanten § 812 I 1 Alt. 1 BGB (condictio indebiti). Aber auch die Erläuterungen zu § 817 BGB, der seit dem „Schwarzarbeiterfall“ wieder vermehrt in Klausuren auftaucht, gelingt. Im Anschluss an die Leistungskondiktionen werden die Nichtleistungskondiktionen behandelt. Neben § 812 I 1 Alt. 2 BGB erfolgt selbstverständlich auch eine Erklärung des § 816 I, II BGB, der bei Studenten oft zu verzweifeltem Haareraufen führt. Ein eigenes Unterkapitel erhält die Problemstellung der Bereicherung in Mehrpersonenverhältnissen. Im vierten und letzten Teil des Lehrbuches geht es schließlich um die Geschäftsführung ohne Auftrag (GoA). Auch hier wird zuerst das Grundprinzip erklärt, bevor auf die echte und unechte GoA, sowie die Geschäftsanmaßung eingegangen wird.

Es ist also festzuhalten, dass es Peifer schafft, auf 300 Seiten alle wichtigen Themen der gesetzlichen Schuldverhältnisse darzustellen. Allerdings geschieht dies etwas auf Kosten der Übersichtlichkeit. Das Buch enthält sehr viel Fließtext, viele unübersichtliche Einschübe und ist in einer relativ kleinen Schriftart abgefasst. Zudem enthält das Lehrbuch kaum Schemata, Übersichten oder andere Elemente, die das Verständnis unterstützen würden. Der Stoff wird zwar an Beispielen erläutert, allerdings stören diese oft den Lesefluss.

Positiv hervorzuheben ist aber, dass jedes Unterkapitel am Ende einige Wiederholungsfragen enthält, mit denen der Leser seinen Wissensstand prüfen kann. Ebenfalls sehr gelungen ist die Darstellung der wichtigsten Definitionen ganz am Ende des Buches. Das Werk enthält zudem viele Literaturangaben und Hinweise auf die wichtigsten Urteile. Es eignet sich somit also auch als wertvolles Hilfsmittel bei der Erstellung einer Hausarbeit. Studierende müssen sich bei der Suche nach einem Lehrbuch für das Thema gesetzliche Schuldverhältnisse also entscheiden, ob sie lieber ein kurzes Lehrbuch auf Kosten der Übersichtlichkeit lesen wollen oder doch zu einem der ausführlichen Klassiker zurückgreifen möchten.