Donnerstag, 26. Januar 2017

Rezension: Allgemeiner Teil des BGB



Brox / Walker, Allgemeiner Teil des BGB, 40. Auflage, Vahlen 2016

Von Wirtschaftsjurist Christian Paul Starke, LL.M., Kreuztal



„Der“ Brox/Walker zählt wohl zu den am häufigsten empfohlenen Lehrbüchern besonders zu Beginn des juristischen Studiums, wenn es darum geht, die Inhalte der Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften zum Allgemeinen Teil des BGB zu Hause noch einmal nachzuarbeiten und zu vertiefen. Das Werk erscheint seit seiner Erstauflage im Jahr 1976 jedes Jahr in einer aktualisierten Version, mittlerweile bereits in der 40. Auflage. Diese befindet sich auf dem Stand von Juli 2016.

Bei dem Buch handelt sich um ein Softcover, das dementsprechend leider zu einem schnellen Ausfransen der Seiten und einem häufigen Zuschlagen bei der Arbeit neigt. Die Seiten sind aber ausreichend stabil und lassen sich gut durchblättern sowie farblich markieren, ohne dass diese Markierungen dann auf der Rückseite durchscheinen würden. Der Textteil des Werkes umfasst 370 Seiten, hinzu kommt ein 9-seitiges Stichwortverzeichnis, welches das Auffinden der jeweils relevanten Kapitel und Seiten erleichtert. Wichtige Schlagworte werden im laufenden Text aber leider nur durch Kursivdruck hervorgehoben, der nicht annähernd so gut beim Lesen ins Auge springt, wie dies der Fettdruck in vergleichbaren Werken tut.

Das Lehrbuch gliedert sich in insgesamt fünf Kapitel („Teile“), wobei der zweite Teil zum Rechtsgeschäft der inhaltlich bedeutendste ist und dementsprechend auch den seitenmäßig größten Umfang aufweist. Die einzelnen Teile sind dann nochmals in Kapitel aufgeteilt, die wiederum in Paragraphen untergliedert sind. Zu Beginn jedes dieser Paragraphen findet man ein kurzes Literaturverzeichnis insbesondere mit Aufsätzen (häufig aus den klassischen juristischen Ausbildungszeitschriften), aber auch einigen Monografien zu den speziell in diesem Abschnitt behandelten Problemfeldern. Dies bietet dem interessierten Leser eine gute Auswahl an weiterführender Literatur zu den entsprechenden Punkten. Die Standardwerke zum bürgerlichen Recht findet man bereits zu Beginn des Buches in einem ausführlichen Literaturverzeichnis, das nochmals nach Lehrbüchern, Kommentaren und speziellen Büchern zur Fallbearbeitung untergliedert ist. Dies stellt einen selten vorgefundenen Service für die Studierenden dar, die hier auch schon Literaturempfehlungen für die Vorlesungen der späteren Semester z.B. im Sachenrecht erhalten. Zudem findet sich zu Beginn eines jeden Paragraphen auch noch eine Hand voll Sachverhalte kurzer und einfacher Fälle, deren Lösung dann im Laufe des Abschnitts an der jeweils inhaltlich passenden Stelle dargestellt wird.

Den ersten Teil des Werkes bildet die „Einführung in das bürgerliche Recht“. Hier wird zunächst das Recht als solches und seine Entstehung aus der Gesellschaft heraus erläutert, das Privatrecht vom öffentlichen Recht sowie das bürgerliche Recht vom Sonderprivatrecht abgegrenzt und das BGB hinsichtlich seiner Entstehung, seinem Aufbau und den in ihm enthaltenen Arten von Normen vorgestellt. Abschließend folgt noch ein Paragraph zur Rechtsanwendung, in dem insbesondere die vier juristischen Methoden der Gesetzesauslegung sowie die Möglichkeiten zur Lückenfüllung mittels Analogie dargestellt werden. Diese Ausführungen sind anhand einer Vielzahl von Beispielen veranschaulicht, was den Studienanfängern das Verständnis der teils sehr abstrakten juristischen Vorgehensweisen deutlich erleichtern dürfte.

Der zweite Teil behandelt dann das Rechtsgeschäft als „Kernstück“ des allgemeinen Teils des BGB. Das erste Kapitel beginnt hier mit den grundsätzlichen Erläuterungen, was unter Verträgen und Willenserklärungen zu verstehen ist, wie diese zustande kommen und auszulegen sind sowie einer anschaulichen Darstellung des Abstraktions- und Trennungsprinzip als Besonderheit des deutschen Rechts. Die den Studierenden hier an die Hand gegebenen Definitionen überzeugen durch ihre kurzen und prägnanten Formulierungen, die man sich gut merken kann. Unterstützt werden die textlichen Ausführungen durch regelmäßige zusammenfassende Schaubilder. Das zweite und dritte Kapitel widmen sich dann dem Zustandekommen von Verträgen, wobei auch die klassischen Problemfelder der fehlenden oder nur beschränkten Geschäftsfähigkeit, die Einbeziehung von AGB in Verträge, eine inhaltliche Abweichung von Angebot und Annahme, mögliche Formmängel und Verstöße gegen Gesetz oder die guten Sitten sowie die für diese Probleme gesetzlich vorgesehenen Lösungsmöglichkeiten erläutert werden. Das nächste Kapitel steht dann ganz im Zeichen der Willensmängel, wobei sowohl die bewussten als auch die irrtümlichen Abweichungen zwischen Erklärung und Wille mit den jeweiligen Rechtsfolgen vorgestellt werden. Im fünften Kapitel werden kurz Bedingung und Befristung sowie die Zustimmungsbedürftigkeit gewisser Rechtsgeschäfte behandelt. Die Ausführungen hierzu sind aber, da meist unproblematisch, sehr kurz gehalten. Das sechste und letzte Kapitel des zweiten Teils befasst sich dann ausführlich mit der Stellvertretung, ihren Voraussetzungen, Erscheinungsformen und Problemen.

Der dritte Teil des Lehrbuchs geht kurz auf das Konzept des subjektiven Rechts im Privatrecht und die dem Einzelnen hierdurch verliehenen Befugnisse und Rechte ein. Besonders relevant sind hier die Ausführungen zu den Anspruchsgrundlagen und ihrer Anwendung, die den großen Teil der zivilrechtlichen juristischen Fallbearbeitung ausmacht. Hier werden auch mögliche Einreden dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf der Verjährung liegt. Zusätzlich werden in diesem Teil auch die Rechtssubjekte als Inhaber der subjektiven Rechte vorgestellt, unterschieden nach natürlichen und juristischen Personen mit ihren jeweiligen Besonderheiten. Passend zu seiner Stellung im allgemeinen Teil des BGB wird dabei vertieft auf den Verein und seine rechtliche Ausgestaltung eingegangen. Zuletzt werden die Rechtsobjekte behandelt, wobei der Schwerpunkt auf dem Begriff der „Sache“ i.S.d. § 90 BGB liegt. Hier wird zwischen sämtlichen Erscheinungsformen differenziert, z.B. hinsichtlich ihrer Beweglichkeit, ihrem Verbrauch und ihrer Vertretbarkeit, sowie der Frage nachgegangen, wodurch sich Bestandteile und Zubehör im Rechtssinn unterscheiden lassen und welche Folgen dies für ihre weitere Behandlung hat.

Im vierten Teil werden auf nur drei Seiten kurz und knapp die Grundlagen der Fristberechnung dargestellt, bevor der fünfte Teil sich dem Herzstück der juristischen Arbeitstechnik zuwendet: der Fallbearbeitung. Hier wird den Studierenden eine ausführliche und sehr gut handhabbare Einführung zum Prüfungsaufbau gegeben, beginnend bei der Erfassung des zu bearbeitenden Sachverhalts und der zugehörigen Fragestellung über das Auffinden der richtigen Anspruchsgrundlage, die Prüfungsreihenfolge der verschiedenen Anspruchsgrundlagen und die Untergliederung der Prüfung in Entstehung, Untergang und Durchsetzbarkeit eines Anspruchs. Zuletzt wird auch noch der äußerst relevante und doch häufig unsauber angewandte Gutachtensstil anschaulich erläutert.

Insgesamt überzeugt das Lehrbuch voll und ganz. Zwar wird es vielen vor allem fortgeschrittenen Studierenden häufig an Tiefe fehlen, besonders zu Beginn des Studiums für die Vorbereitung auf die „kleinen Scheine“ ist es aber hervorragend geeignet. Dabei überzeugen insbesondere die guten und griffig formulierten Definitionen, die sich wunderbar zum Auswendiglernen für Klausuren sowie die Verwendung in Hausarbeiten eignen. Zudem werden alle relevanten Themenkomplexe in der gebotenen Ausführlichkeit behandelt, die Darstellungen anhand von Schaubildern und Fallbeispielen veranschaulicht und sogar häufig noch am Ende des Abschnitts in einem Prüfungsschema für die unmittelbare Anwendbarkeit in der Fallbearbeitung zusammengefasst. Auch die Reihenfolge der behandelten Themen ist gut gewählt und sorgt für einen problemlosen Einstieg in die Materie des BGB. Somit bleiben keine Wünsche offen Das Buch kann somit vor allem Neueinsteigern in das Jurastudium empfohlen werden, bietet aber auch Mitarbeitern an Lehrstühlen, die die Arbeitsgemeinschaften im Zivilrecht für die ersten Semester abhalten, eine nützliche Hilfe, indem es den Stoff in einfacher Form und in kleine Dosen zerlegt auf einem einsteigerfreundlichen Niveau präsentiert.