Montag, 16. Januar 2017

Rezension: Materielles Liegenschaftsrecht im Grundbuchverfahren

Leesmeister / Ramm, Materielles Liegenschaftsrecht im Grundbuchverfahren, 4. Auflage, Gieseking 2016

Von Richter als Notarvertreter Dr. Christian Schnabel, Schwäbisch Hall



Das nunmehr in der vierten Auflage erschienene Werk bezeichnet sich als Lehr- und Studienbuch und richtet sich in erster Linie an Rechtspflegeranwärter zur Aneignung des notwendigen Wissens. Beide Autoren zeichnet langjährige Erfahrung als Dozenten an der Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen aus. In insgesamt 18 Kapiteln werden das Grundbuch, das Eigentum, das Wohnungseigentum, die Grunddienstbarkeit, das Wohnungsrecht, der Nießbrauch, das Vorkaufsrecht, die Reallast, das Erbbaurecht, die Hypothek, die Zwangssicherungshypothek, die Grundschuld, die Eigentumsvormerkung, die Löschungsvormerkung, der gesetzliche Löschungsanspruch, die Rangänderung, der Rangvorbehalt und die Verfügungsbeschränkungen erklärt. Im Anhang findet sich ein Muster-Grundbuch.

Im gleichen Verlag ist in gleicher Aufmachung von den Autoren Eickmann und Böttcher auch ein Werk mit dem Titel „Grundbuchverfahrensrecht“ erschienen, auf das Leesmeister/Ramm häufig verweisen, um die Verzahnungen zwischen formellem und materiellem Grundstücksrecht zu verdeutlichen. Beide Bücher kosten jeweils 49 Euro. Wohl nicht nur das hier angezeigte Werk zum Immobiliarsachenrecht gehört damit zu den teureren Lehrbüchern, wenn man den Blick auf entsprechende Werke richtet, die einen ungefähr ähnlichen Umfang haben. Während nun im formellen Grundstücksrecht die Zahl der Lehrbücher noch überschaubar ist, wird man außerdem das Angebot an konkurrierenden Produkten im materiellen Liegenschaftsrecht als recht groß bezeichnen dürfen.

Im Übrigen vermögen Dieter Leesmeister und Robert Ramm nicht, restlos zu überzeugen. Es amüsiert noch, dass man auf S. 11 Dollarzeichen sieht, wo Paragraphenzeichen zu stehen hätten. Man weiß ja – wie auch bei anderen Versehen –, was eigentlich gemeint ist. Problematisch ist die mitunter schwere Verständlichkeit der Ausführungen. Man braucht Kompliziertes nicht auch noch kompliziert auszudrücken.

Zweifel bestehen ferner an der Aktualität des Werks, auch wenn die Rechtsentwicklung im Grundstücksrecht nicht so hektisch verläuft wie bisweilen in anderen Rechtsgebieten. So gibt es unter den Rechtsprechungsnachweisen in den Fußnoten insgesamt nur fünf Judikate, die später als 2006 – dem Erscheinungsjahr der vorherigen Auflage – erschienen sind. Drei dieser Zitate finden sich im Kapitel zur Zwangssicherungshypothek.


Im Großen und Ganzen ist das Werk aber für seine hauptsächliche Zielgruppe, also Rechtspflegeranwärter, sicherlich gut geeignet, um sich auf bevorstehende Prüfungen vorzubereiten. Auf dem rückseitigen Buchdeckel nennt der Verlag zudem noch Richter, Notare, Grundbuchführer, Rechtsanwälte, Architekten als Wertermittler, Mitarbeiter der Bau- und Liegenschaftsämter und Kreditinstitute als Zielgruppe. Alle im letzten Satz genannten werden aber eventuell nicht nur die auf beinahe jeder Seite mehrfach vorkommenden didaktischen Fragen und Anweisungen („Lesen Sie […]!“, „Merke: […]“, „Können Sie das begründen?“, „Wiederholen Sie die obengenannten Grundsätze!“) als etwas anstrengend empfinden.