Montag, 30. Januar 2017

Rezension: Wörterbuch Recht, Wirtschaft & Politik Band 1: Englisch-Deutsch

Dietl / Lorenz, Wörterbuch Recht, Wirtschaft & Politik, Band 1: Englisch – Deutsch, 7. Auflage, C.H. Beck 2016

Rechtsreferendar Dr. Arian Nazari-Khanachayi, LL.M. Eur., Heidelberg



Die englische Sprache ist aus dem Berufsalltag vieler Juristen, Ökonomen und Politiker, insbesondere wegen der Globalisierung und der steten Ausweitung des europäischen Binnenmarktes auf diverse Sachgebiete (die künftige geographische Einschränkung ausgeklammert), notwendigen grenzüberschreitenden Kommunikation kaum noch herauszudenken. Dabei kann die grenzüberschreitende Kommunikation nur dann ohne Missverständnisse funktionieren, wenn – neben dem fehlerfreien Sprachgebrauch – gerade im Bereich der Fachterminologie Sicherheit herrscht. An diesem Punkt knüpft die nach nunmehr zehn Jahren erschienene Neuauflage (Vorwort) des Werkes von Dr. Clara Erika Dietl † (Göttingen), Prof. Dr. Egon Lorenz (Prof. em. an der Universität Mannheim) und Dr. Stefan Hans Kettler (Maître en Droit, LL.M.) an, da es auf 1092 Seiten fachspezifische Begriffe aus der englischen Sprache mit der dazugehörigen deutschen Übersetzung präsentiert.

Das Werk ist in formaler Hinsicht (im Grundsatz) ähnlich den klassischen Wörterbüchern aufgebaut. Allerdings hebt es sich insofern von sonstigen Wörterbüchern ab, als es nicht bei der Auflistung einzelner Wörter stehen bleibt, sondern zugleich diverse allgemeine sprachliche Hinweise aufführt: So werden beispielsweise neben den einschlägigen Fachgebieten, in denen einzelne Wörter verwandt werden (siehe etwa relapsing [rückfällig] mit Hinweis auf den Gebrauch im Strafrecht oder mission [ständige Vertretung] mit Hinweis auf den Gebrauch im Völkerrecht), auch Hinweise darauf gegeben, in welchem Staat die einzelnen Begriffe üblicherweise in der Fachsprache zum Einsatz kommen (siehe für eine Auflistung und Erklärung der sonstigen, zahlreichen Zusatzinformationen S. IX–XII). Diese und viele weitere Anmerkungen zum (Sprach-)Gebrauch der einzelnen Begriffe befähigen den Leser, den korrekten Umgang mit diesen Begriffen einzuhalten, sodass Begriffe nicht im fachfremden Kontext oder mit sprachlichen Fehlern verwandt zu werden drohen. Denn gerade diese Fehlerfreiheit und die kontextuale Korrektheit sind für die – oben erwähnte – grenzüberschreitende Kommunikation ohne Missverständnisse von kaum zu überschätzender Wichtigkeit.

Inhaltlich besticht das Werk nicht nur durch die immense Zahl der aufgenommenen Fachtermini, sondern vielmehr aufgrund der – hier hervorzuhebenden – umfangreichen inhaltlichen Zusatzinformationen, die das Arbeiten mit der/in englischen/r Sprache erheblich effizienter gestalten: So werden beispielsweise diverse Begriffe mit Fußnoten versehen, wodurch in einem selbstständigen Anhang (Anhang VII, S. 1067–1092) weiterführende Fundstellen zum jeweiligen Begriff aufgeführt sind. Hierbei werden nicht nur exakte Fundstellen in Gesetzeswerken (vgl. etwa Fn. 127–131 zu C), in verschiedenen Amtsblättern und/oder Behördenmitteilungen (z.B. Fn. 43–67 zu I), sondern auch ergänzende Hinweise zum jeweiligen Fachgebiet (etwa Fn. 70 zu M) geliefert. Auf diese Weise wird dem Leser die zeitaufwändige Suche nach Primärquellen abgenommen und damit einhergehend die englischsprachige Arbeit erheblich erleichtert. Erheblich zur Arbeitserleichterung führt ein weiterer – über den üblichen Inhalt eines Wörterbuchs hinausgehender – Aspekt der Darstellungsweise. Denn häufig sind die einzelnen Begriffe mit einem „i“ in einem Kreis ergänzt und es wird eine inhaltliche Erklärung des Begriffes angefügt: Beispielsweise wird beim Wort directive (EU-Richtlinie) der Informationshinweis geliefert, dass es sich hierbei um eine von den Mitgliedsstaaten umzusetzende Norm der „Gemeinschaft“ handelt oder beim Restrictive Practices Court (Gericht für Wettbewerbsbeschränkungen) die Zusatzinformation geliefert, dass durch dieses Gericht potentielle Verstöße gegen das öffentliche Interesse durch wettbewerbsbeschränkende Absprachen beurteilt werden, wobei es mit Berufs- und Laienrichtern besetzt ist. Diese Darstellungsweise ist ganz besonders begrüßenswert, weil es durchaus vorkommen kann, dass der Leser beim Befragen einzelner Begriffe auf Sachgebiete stößt, die ihm nicht besonders geläufig sind. In diesen Fällen besteht der immense Mehrwert der vorstehend erwähnten Darstellungsweise darin, dass das ggf. notwendige, zeitaufwändige Nachschlagen in der einschlägigen Fachliteratur erspart wird, weil die vorzufindenden Informationszusätze das Fortsetzen der eigenen Arbeit ermöglichen dürften. Abgerundet werden diese – und viele weitere – inhaltliche Zusatzinformationen durch die aufgenommenen Anhänge, in denen englische Abkürzungen (6.000; siehe Vorwort), geographische, Staaten- und Rechtssubjekts- und Organisationsbezeichnungen präsentiert werden und mit zwei Anhängen mit jeweils einem Beispiel eines englischen und eines deutschen Urteils abgerundet werden. Auch hierin zeigt sich erneut, dass sich das Werk ganz besonders dafür eignet, in der täglichen Praxis mit der/in englischen/r Sprache eingesetzt zu werden.

Dies lässt sich mit einem beispielhaften Blick auf den Anhang mit den Abkürzungen aus der englischen Sprache flankieren: So sind in den dargestellten Abkürzungen in Anhang I nicht nur allgemeine sprachliche Abkürzungen (z.B. whse = warehouse, knt. = knight, g.t. = gross terms oder mun. = municipal) zu finden, sondern es werden vielmehr auch Abkürzungen etwa für spezielle Berufs-/Amtsbezeichnungen (z.B. ASG = Assistant Solicitor General, PS = Private/Parliamentary/Permanent Secretary, PSL = Professional Support Lawyer oder PC = Parish Councillor), für Einrichtungs-/Institutsbezeichnungen (z.B. HL = House of Lords oder UNCTC = United Nations Center on Transnational Corporations), für Gesetzesbezeichnungen (z.B. FLA = Family Law Act [1996]), für Zeitschriftenbezeichnungen (z.B. Hum. Rts. Q. = Human Rights Quarterly, Notre Dame J.L. Ethics & Pub. Pol’y = Notre Dame Journal of Law, Ethics and Public Policy oder Wm. & Mary L. Rev. = William and Mary Law Review) oder für U.S.-Bundesstaaten (z.B. Ken. = Kentucky, Wy(o). = Wyoming oder Penn(a) = Pennsylvania) aufgeführt. Der Mehrwert dieses Abkürzungsverzeichnisses ist immens, wenn man berücksichtigt, dass einem bei der Lektüre englischsprachiger Texte, Studien und/oder Gerichtsentscheidungen sehr häufig Abkürzungen begegnen, die regelmäßig nur mühsam identifiziert werden können. Das Werk ermöglicht genau an diesem Punkt ein effizientes Arbeiten mit der/in englischen/r Sprache, indem es durch die zuvor erwähnten Anhänge diverse Abkürzungen und/oder Bezeichnungen der vorstehend genannten Art aufführt und dem Leser auf diese Weise das mühsame und zeitaufwändige Suchen nach den einschlägigen Begriffen erspart.

Zusammenfassend ist die Neuauflage des Werkes von Dietl †, Lorenz und Kettler ganz besonders aus zwei Gründen zu begrüßen: Einerseits verarbeitet die nach nunmehr zehn Jahren erschienene Neuauflage durch Aufnahme neuer Begriffe und Rechtsgebiete die gesellschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts, insbesondere die Digitalisierung, andererseits ist die lexikografische Überarbeitung (vgl. auch Vorwort) des Werkes und die immense Ergänzung besonders erfreulich. Juristen, Ökonomen und Politiker, die in ihrem Berufsalltag mit der englischen (Fach-)Sprache in Wort und Schrift regelmäßig in Kontakt kommen, sollten dieses Werk daher – bei Unsicherheiten – dringend befragen, um selbst die oben erwähnte grenzüberschreitende Kommunikation ohne Missverständnissen durchführen zu können.