Montag, 6. Februar 2017

Rezension: Die mündliche Prüfung im ersten juristischen Staatsexamen

Petersen, Die mündliche Prüfung im ersten juristischen Staatsexamen, 3. Auflage, de Gruyter 2016

Von Stud. iur Patricia Milena Popp, M.A., Wiesbaden



Wer glaubt, mit den schriftlichen Prüfungen sei im ersten juristischen Staatsexamen alles geschafft, der unterliegt leider einem Trugschluss. Zwar hat ein Jurastudent mit dem erfolgreichen Bestehen der Klausuren bereits einen Großteil geschafft, hierdurch öffnet sich jedoch eine weitere Tür, nämlich die der mündlichen Prüfung. Sind die Klausuren erst einmal geschrieben, rückt der Termin für die mündliche Prüfung zunächst schnell in weite Ferne, steht dann aber oftmals doch schneller als gedacht an. Umso wichtiger ist eine effektive und gezielte Vorbereitung, die zumeist nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen darf. Einen guten Begleiter in dieser Zeit stellt die Lektüre des Werks Die Mündliche Prüfung im ersten juristischen Staatsexamen von Jens Petersen aus Potsdam dar.

Das Werk von Petersen ist in Teil I bis III aufgegliedert. Im ersten Teil befasst sich der Autor mit der mündlichen Prüfung im Allgemeinen. Der zweite Teil bildet den Hauptteil mit den tatsächlichen Prüfungsgesprächen bevor es im dritten Teil dann um den Kurzvortrag geht. Insgesamt beträgt der Umfang gut 170 Seiten, was eine optimale Bewältigung auch in kürzester Zeit ermöglicht.

Der erste Teil bietet einen einfachen Einstieg in die Materie. Neben einer obligatorischen Einleitung, in der der Autor über die äußerlichen Besonderheiten der juristischen Staatsprüfung, das Vorgespräch und die Benotung berichtet, ist besonders Kapitel IV zu erwähnen. Hier wird der “Umgang mit diesem Buch” erläutert. In diesem Teil bittet der Autor um Nachsicht, dass der fiktive Kandidat in seinen Prüfungsgesprächen “etwas streberhaft beflissenen und nicht unbedingt sympathisch” geraten ist. Auch fordert Petersen den Leser auf, sich bei der Lektüre nicht allzu oft mit diesem idealtypischen Kandidaten zu vergleichen. Dieser Hinweis ist sehr hilfreich und erleichtert die Lektüre der nachfolgenden Kapitel ungemein.

Teil II stellt den Schwerpunkt des Werkes dar und nimmt mehr als 100 Seiten ein. Der Text ist auf den folgenden Seiten wie ein Dialog zwischen Prüfer und Kandidat aufgebaut. Der Autor betont in den Vorbemerkungen zu den Prüfungsgesprächen ausdrücklich, dass es sich bei diesen Dialogen nicht um echte und authentische, sondern vielmehr um gekünstelte Prüfungsgespräche handelt. Die Gespräche sind fingiert und sollen vor allem die Wiederholung des Pflichtstoffs ermöglichen.

Insgesamt gibt es zehn verschiedene Prüfungsgespräche, die sich allesamt um die zivilrechtliche Materie drehen. Petersen setzt aber bei allen Gesprächen auf verschiedene Prüfungssituationen, die jedem Gespräch einen individuellen Charakter verleihen und unterschiedliche Problemschwerpunkte aufweisen. Deshalb steht am Anfang jedes Prüfungsgesprächs eine kurze Einleitung, die beispielsweise darauf hinweist, dass das Deliktsrecht und die Gefährdungshaftung im Mittelpunkt des Gesprächs stehen. Diese Hinweise helfen dem Leser dabei, die  nachfolgenden Prüfungsfragen unmittelbar einzuordnen.

Zwischen den einzelnen Textpassagen sind zudem kursiv gedruckte Textbausteine geschickt eingeflochten. Hier nimmt der Autor inhaltlich Bezug auf den vorangegangen Dialogteil (“Der Kandidat hat hier einen häufig in Klausuren anzutreffenden Standardsatz mit dem Hinweis auf § 405 BGB angesprochen.”, S. 93) bewertet diesen (“Der Prüfer hat dem Kandidaten hier die mögliche andere Sichtweise förmlich in den Mund gelegt.”, S. 88) und gibt entsprechende Tipps für die Prüfungssituation (“Keinesfalls sollte der Kandidat jetzt eine Kehrtwende einleiten. Er kann durchaus bei seinem Ergebnis bleiben.”, S. 70). Auch wird in diesen Passage erläutert, wann der Kandidat damit rechnen kann, dass sich der Prüfer von ihm abwendet (“An dieser Stelle würde typischerweise ein anderer Kandidat angesprochen.”, S. 61).

Im letzten Teil gibt Petersen ein paar abschließende Hinweise zum Kurzvortrag, der in einigen Bundesländern wie in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, oder Hamburg eine weitere Prüfungsleistung innerhalb der mündlichen Prüfung darstellt. Der Autor beschreibt zunächst auch wieder den Ablauf der Prüfung (Aushändigen des Sachverhalts, einstündige Vorbereitung, zehnminütiger Vortrag vor der Prüfungskommission) und gibt wichtige Hinweise hinsichtlich der Vorgehensweise und des Zeitmanagements. Am Ende erläutert der Autor zudem Beispiele für den Kurzvortrag. Diese sind als kurze Fälle mit unverbindlichen Lösungshinweisen ausgestaltet. Anhand dieser Beispiele bekommt der Leser einen lehrreichen Eindruck Davon, was ihn bei einem Kurzvortrag erwarten kann.


Abschließend zeigt sich somit, dass die schriftliche Darstellung einer mündlichen Prüfung gewisse Tücken beinhaltet. Petersen gelingt es dennoch in außerordentlicher Weise in den 10 verschiedenen Gesprächen die klassischen juristischen Probleme der mündlichen Prüfung zu thematisieren. Da hier die meisten Fehler (Grundlagengefahr) gemacht werden, ist jedem Kandidaten vor der mündlichen Prüfung anzuraten, sich mit diesen Problemen eingehend zu befassen. Die Mündliche Prüfung im ersten juristischen Staatsexamen eignet sich hierzu hervorragend, da sie kompakt und aufschlussreich ist und hierdurch eine intensive Vorbereitung auch in kurzer Zeit ermöglicht.