Mittwoch, 15. Februar 2017

Rezension: Europäisches und internationales Wirtschaftsprivatrecht




Ahrens, Europäisches und Internationales Wirtschaftsprivatrecht, 2. Auflage, Kohlhammer 2017

Von Jan Bley, Göttingen



„Europäisches und Internationales Wirtschaftsprivatecht“ ist ein Lehrbuch von Claus Ahrens, Professor an der Bergischen Universität Wuppertal und Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsprivatrecht, das 2017 in der 2. Auflage erscheint und insbesondere einheitlich das Zusammenspiel von nationalem materiellem Recht mit europäischem und internationalem Recht darstellt.

Das Werk ist in neun Teile untergliedert: Vom allgemeinen Teil 1 (Gesamtsystem grenzüberschreitender Sachverhalte) führt es zu acht Teilen, die jeweils ein Rechtsgebiet behandeln, welches typischerweise kollisionsrechtliche Bezüge aufweist. In Teil 1 werden hoheitliche (S. 1 ff.) und nichthoheitliche (S. 17 ff.) Regelungen unterschieden und nach einer konsequenten Unterteilung beleuchtet. Bspw. sind die hoheitlichen Regelungen in nationale (S. 1 ff.), internationale (S. 4 ff.) und supranationale (S. 7 ff.) Normen untergliedert, sodass ein guter Überblick gelingt. In den übrigen Teilen folgt das Lehrbuch dem bewährten Schema einer allgemeinen Heranführung an die Thematik (Vgl. S. 23 f.), um auf den folgenden Seiten die aufgerissenen Problematiken konsequent zu behandeln. Zudem sind die Ausführungen mit zahlreichen Beispielsfällen unterfüttert, die die praktische Relevanz verdeutlichen und dem Verständnis dienen. Diese kleinen Fälle gehen sinnvoll auf die zuvor abstrakt dargestellte Materie ein und werden im Anschluss stets in ausformulierter Weise gelöst. Häufig verdeutlichen Abwandlungen die notwendigen Feinheiten und Differenzierungen (z.B. zu den Varianten der INCOTERMS auf S. 79).

Der stets auftauchenden Problematik, am Anfang einer umfassenden Ausführung zwangsläufig Sachverhalte ansprechen zu müssen, deren Erwähnung dem Verständnis dient, hingegen eine vertiefte Auseinandersetzung den Leser „erschlagen“ würde, begegnet das Werk souverän, indem es einzelne Begriffe herleitet und logisch einbettet, jedoch für eine vertiefende Lektüre auf eine andere Stelle im Buch verweist (bspw. Fn. 28 auf S. 9 zur Inländerdiskriminierung). Zudem werden immer wieder logische Schleifen zu bereits behandelten Inhalten gezogen, was einen Gesamtüberblick erleichtert (so in Fn. 2 auf S. 23). Auch verweist das Lehrbuch bei Spezialproblemen auf weiterführende Literatur (Fn. 121 auf S. 112). Dies ermöglicht es, das vorliegende Werk als Einstieg in eine umfassende Bearbeitung des europäischen und internationalen Wirtschaftsprivatrechts zu nutzen.

Gegenüber der knapp zehn Jahre alten Erstauflage bestehen zahlreiche Neuerungen in den verschiedenen Teilen. Insbesondere sind mittlerweile die Rom-I-Verordnung für das Kollisionsrecht von vertraglichen und die Rom-II-Verordnung für das Kollisionsrecht von außervertraglichen Schuldverhältnissen in Kraft getreten. Die Rom-I-Verordnung wird auf den Seiten 24 ff. behandelt – wobei es hier angesichts der Tatsache, dass die Verordnung 2009 in Kraft trat, etwas missverständlich ist, im Inhaltsverzeichnis von „Rom-I-Verordnungsentwurf“ zu sprechen. Die Rom-II-Verordnung wird an verschiedenen Stellen angesprochen (bspw. zum Verhältnis von Art. 14 Rom-II-VO und Art. 42 EGBGB auf S. 161).

Sprachlich arbeitet das Werk mit allen notwendigen Fachbegriffen und bedient sich relativ kurzer und einfacher Syntax. Lobenswert ist, dass schwierige Begriffe eben nicht ausgespart, sondern kurz und eingängig erklärt werden (vgl. S. 148 Rn. 334 zum „Delkrederisiko“).

Anspruch dieses Lehrbuches ist es, vor allem Studenten der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften zu erreichen. Hierzu wurden ökonomische Phänomene juristisch eingebettet, sodass eine interdisziplinäre Arbeit möglich ist. Zudem erfolgt eine Erarbeitung von Rechtsgebieten, bei denen klassischerweise Grenzüberschreitungen stattfinden. Hierdurch kann ein Überblick über die Thematik der Rechtskollision und Verzahnung von nationalem mit europäischem und internationalem Recht gewonnen werden.

Insgesamt finden sich wenig ernstzunehmende Kritikpunkte an dem Buch. Der Spagat zwischen ökonomischen und rechtlichen Belangen gelingt sehr gut, sodass ein oftmals im Studienalltag zu vermissender Praxisbezug besteht. Mit einem recht verständlichen Inhalts- und einem gut sortierten Stichwortverzeichnis ist das 227 Seiten umfassende Werk gut handhabbar. Der Preis von 30 € ist für ein Lehrbuch, das einen eher speziellen Themenkomplex behandelt, angemessen. Der Stoff für das Pflichtfach des I. juristischen Staatsexamens wird nur am Rande getroffen, sodass hier grundlegendere Werke vorzuziehen sind. Für den Schwerpunktbereich oder die Vorbereitung einer Promotion im Europäischen und internationalen Wirtschaftsprivatrecht bietet das Werk hingegen den optimalen Rahmen, weshalb dahingehend eine Kaufempfehlung ausgesprochen wird.