Freitag, 24. Februar 2017

Rezension: Kleine Stilkunde für Juristen

Walter, Kleine Stilkunde für Juristen, 3. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Dipl. Jur. Jan Bley, Göttingen



Das vorliegende Werk schlägt die Brücke zwischen Fach- und Selbsthilfebuch. Es erscheint Anfang 2017 in der dritten Auflage. Unter Mithilfe seiner Lehrstuhlmitarbeiter ist Autor Dr. Tonio Walter, Professor und Lehrstuhlinhaber für Strafrecht an der Universität Regensburg.

Trotzdem sich das Buch eher am Randbereich der juristischen Fachliteratur ansiedelt, ist es „klassisch-juristisch“ aufgebaut: Nach einer Einleitung (S. 1-22), die den Selbstanspruch (S. 1-4) und weiterführende Literatur (S. 5-22) aufweist, wird in Kapitel A. (S. 23-34) der Begriff „Stil“ ausführlich definiert. Hierauf aufbauend nähert sich Walter in Kapitel B. (S. 35-59) einer Erklärung dessen an, was eigentlich unter Sprache im Allgemeinen (S 35-42) und der deutschen Sprache im Besonderen zu verstehen ist (S. 42-59). In Kapitel C. (S. 61-146) werden die einzelnen Stilregeln erörtert (bspw. „Überflüssiges ist überflüssig“ auf den S. 61 ff. oder „Taten in Tätigkeitswörtern“ auf den S. 107 ff.), um anschließend in Kapitel D. (S. 147-192) die einzelnen Stilmittel zu besprechen. In den Kapiteln E. („Stilfragen“, S. 193-246) und F. („Stilsünden“, S. 247-272) kommt der Autor zu dem eigentlichen Kern seines Buches; hier wertet er sprachliche und stilistische Entwicklungen aus (wie z.B. zum Thema „Denglish“, insbes. Auf S. 206 ff.) und wird der plakativen Bezeichnung „Stilsünden“ gerecht, indem er einige aus seiner Sicht verbesserungswürdige Formulierungen aus wissenschaftlichen Werken kritisch beleuchtet (so bspw. den Auszug aus dem Vorwort zur „Theorie des kommunikativen Handelns“ von Jürgen Habermas auf S. 247 f.). Im Schluss (S. 273-288) lässt Walter sich über einige weitere Punkte aus, wie ansprechende Überschriften und Gliederungspunkte (S. 277 ff.) oder verständlicheres Zitieren (S. 283 ff.). Hierdurch zieht sich zwar ein roter Faden durch das Buch, einzelne Kapitel sind nichtsdestotrotz auch außerhalb des Kontextes mit den Vorkapiteln verständlich.

Das Werk bietet relativ viele Belege (bspw. Fn. 30 auf S. 164) und Hinweise auf weiterführende Literatur (vgl. Fn. 3 auf S. 196). Dies erlaubt nicht nur die Einordnung in den Bereich „Fachliteratur“ – es steigert auch den Nutzen des Buches als Hilfestellung für leichter verständliche Fachsprache. Die Verweise auf bereits Geschriebenes erlauben die Verknüpfung und Einordnung der Inhalte (s. Fn. 39 auf S. 105).

Die gegenüber der Vorauflage aus 2009 eingepflegten Änderungen sind vor allem in der „Gender-Sprache“ (Kapitel E, S. 231 ff.) und „Denglish“ (Kapitel E, S. 202 ff.) zu finden und entsprechen damit voll und ganz dem sprachlichen Zeitgeist.


Stilistisch bewegt sich Walter – um es mit seinen eigenen Worten zu sagen – „oft im Plauderton“ (Anhang II, S. 277). Dies führt dazu, dass das Buch sehr leicht verständlich ist aber trotzdem die notwendige inhaltliche Tiefe aufweist (vgl. nur die literarischen Verweise in Fn. 23 und 34 auf S. 158), um den modernen (Rechts-)Wissenschaftler von seinem mit Fachliteratur überladenen Schreibtisch abzuholen. Der Selbstanspruch des Buches, „Denk-, nicht Schreibregeln“ und damit keine eisernen Regeln zu liefern, sondern lediglich eine mahnende Stimme im Hinterkopf zu sein (Schluss, S. 274), wird Walter in jeder Hinsicht gerecht. Unaufdringlich, fachlich angemessen und simpel ohne flapsig zu werden wird auf insgesamt 288 Seiten ein umfangreicher Denkanstoß für zielführendere und leichter verständliche (Fach-)Sprache erbracht. Die Lektüre gelingt am besten, wenn das Buch von Seite 1 an durchgelesen wird. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Prüfungsrelevante Inhalte werden höchstens gestreift – es handelt sich hier um einen literarisch ansprechenden allgemeinen Stilratgeber für Jura-Studenten und Juristen. Dank seiner fachlichen Expertise kann Walter jedoch mit einer Authentizität aufwarten, welche die „Kleine Stilkunde für Juristen“ unbedingt lesenswert macht. Profitieren können hiervon sicherlich die meisten und mit knapp 23 € liegt das Werk in einem angemessenen preislichen Rahmen, sodass insbesondere im Hinblick auf den nächsten Geburts- oder sonstigen Festtag ein Kauf zu empfehlen ist.