Freitag, 10. Februar 2017

Rezension: Wiederholungs- und Vertiefungskurs Strafrecht Besonderer Teil - Vermögensdelikte



Bock, Wiederholungs- und Vertiefungskurs Strafrecht Besonderer Teil - Vermögensdelikte, 2. Auflage, Springer 2016

Von Patricia Milena Popp, M.A., stud.iur., Wiesbaden



Raub, Betrug, Diebstahl, Hehlerei, Unterschlagung - die Liste der Vermögensdelikte im Strafgesetzbuch ist lang. Um die Systematik dieser Delikte während des Studiums in den Griff zu bekommen, ist es daher hilfreich, wenn man sich einer strafrechtlichen Lektüre bedient. Der Wiederholungs- und Vertiefungskurs Strafrecht von Dennis Bock bietet sich hierzu an.

Bei dem Lehrbuch handelt es sich um ein Fallbuch, dass ausschließlich die strafrechtlichen Vermögensdelikte thematisiert. Das Werk ist Teil einer dreibändigen Serie aus dem Wiederholungs- und Vertiefungskurs Strafrecht zum Allgemeinen Teil, zum Besonderen Teil - Nichtvermögensdelikte und zum Besonderen Teil - Vermögensdelikte. Die 13 Fälle des Lehrbuchs verteilen sich auf knapp 460 Seiten, was zur Folge hat, dass manche der Übungsfälle inklusive Lösungshinweisen stolze 40 Seiten einnehmen. Im Inhaltsverzeichnis werden stets die Schwerpunkte zu jedem Übungsfall (Sachbeschädigungsdelikte, Diebstahl II oder Computerbetrug) beschrieben. Allerdings fehlt es leider an einem Stichwortverzeichnis, was ein schnelles Nachschlagen von Problemstellungen fast unmöglich macht.

Die einzelnen Sachverhalte thematisieren oftmals aktuelle und klassische Entscheidungen der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Meist gibt es mehrere Handlungsstränge innerhalb der Fälle und es wird nach der Strafbarkeit mehrerer Personen gefragt. Dies entspricht den Anforderungen im Ersten Juristischen Staatsexamen und führt den Leser an das Examensklausurniveau heran, was wiederum eine effektive Vorbereitung ermöglicht. Auch finden sich bereits im Vorwort hilfreiche Hinweise für die Klausurerstellung, wie etwa die Aufforderung den Mut zu haben, den verkürzten Feststellungsstil in der strafrechtlichen Klausurbearbeitung anzuwenden. Die Lösungshinweise sind sehr ausführlich und mit (mehr als nur) ausreichend Literaturhinweisen versehen. Dies bietet dem Leser die Möglichkeit, die angesprochenen Problemstellungen auch nochmal anhand anderer Quellen nachzuvollziehen und zu vertiefen.

Leider findet sich zu Beginn der Lösungshinweise keine Übersicht oder Lösungsskizze. Diese würde es dem Leser ungemein erleichtern, die eigene Lösung zunächst abzugleichen und sich anschließend innerhalb des Fließtexts der vorgeschlagenen Lösungshinweise zurechtzufinden. Zudem sind diese Hinweise sehr ausladend ausgestaltet und wirken dadurch zum Teil unübersichtlich. Die detaillierten Streitstände werden teilweise auf seitenlangem Fließtext ohne Untergliederungen dargestellt (so etwa der Streit, ob es sich bei einer ungeladenen Gaspistole um eine Waffe handelt, S. 171 - 176). Inhaltlich sind diese Streitstände zwar vielseitig und beleuchten die rechtlichen Problematiken aus allen Perspektiven, allerdings hat dies auch zur Folge, dass sie aufgrund ihrer Komplexität und der gewählten Darstellung auszuufern zu drohen. Eine Untergliederung der einzelnen Meinungsstände wäre hier sehr hilfreich. Auffällig ist leider auch, dass es an verschiedenen Stellen an ganzen Wörtern (S. 219 fehlt ein „sich“) oder an Satzabschlusszeichen (S. 220, 222) mangelt. Auch wenn hier die Rechtswidrigkeit und Schuld in nur einem Satz festgestellt werden, so sollte sich doch am Ende dieses Satzes ein Punkt finden. Auch darf es nicht passieren, dass offensichtliche interne Korrekturhinweise im Fließtext abgedruckt werden (so auf S. 235 „Bitte Dopplung von StGB prüfen“).

Alles in allem handelt es sich bei dem Wiederholungs- und Vertiefungskurs Strafrecht Besonderer Teil - Vermögensdelikte um ein durchaus anspruchsvolles Lehrbuch, dass sich, vor allem in Kombination mit den anderen Werken aus dieser Reihe, bestens für die eigenständige Examensvorbereitung der strafrechtlichen Materie eignet. Den angesprochenen layouttechnischen Defiziten, die das Werk leider aufweist, sollte sich jedoch in der nächsten Auflage angenommen werden.