Dienstag, 14. März 2017

Rezension: Erbrecht

Uricher (Hrsg.), Erbrecht, 3. Auflage, Nomos 2017

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt



Erbrecht ist umfangreich und komplex. Wie arbeitet man sich sinnvoll in dieses Rechtsgebiet ein? Diese Frage habe ich mir gestellt, als kanzleiintern abgesprochen wurde, dass ein weiterer Erbrechtler wegen des Umfangs der zu bearbeitenden Akten notwendig ist und ich mich bereit erklärt habe, künftig auch im Erbrecht tätig zu sein. Nachdem ich mir das Verkehrsrecht schon seinerzeit durch die Arbeit mit einem Formularbuch erschlossen habe, habe ich mir gedacht, dass dies auch im Erbrecht sinnvoll und zielführend sein wird. Zufällig kam zeitgleich das vorliegende Werk auf den Markt, so dass es sich angeboten hat, mit diesem zu arbeiten.

Der Herausgeber weist berechtigt darauf hin, dass die aktive Vermögensnachfolgeplanung immer mehr an Bedeutung in der Beratungspraxis gewinnt. Zugleich trifft der Anwalt auf äußerst komplexe Sachverhalte und es ist seine Aufgabe, diese aufzuklären, etwa durch Recherche bei den Nachlassgerichten, ob dort Nachlassvorgänge vorliegen. Teilweise kommt man sich wie ein Detektiv vor. Ziel des Werkes ist es, dem Juristen eine Hilfe an die Hand zu geben, um die umfangreichen und schwierigen Sachverhalte effektiv und zeitsparend klären zu können.

Seit der mir nicht bekannten Vorauflage wurden einige Kapitel erweitert. Erwähnt sei da etwa das Kapitel 12 mit Blick auf Mandats- und Vergütungsvereinbarungen sowie Kapitel 5, in dem es um die Testamentsvollstreckung geht. Rechnung getragen wurde mit dieser Auflage auch der EuErbVO, die, so der Herausgeber in seinem Vorwort, den Bedarf an rechtlicher und steuerrechtlicher Beratung nochmals erhöht hat.

Aus insgesamt 12 Kapiteln besteht das Werk. Die Autoren sind durchweg Rechtsanwälte, überwiegend mit Fachanwaltschaft im Erbrecht, aber auch im Steuerrecht. Die Bearbeitung beginnt in Kapitel 1 mit den Ansprüchen des Alleinerben, was zunächst in der Praxis die Feststellung des Erbrechts bedingt oder aber den Umfang des Nachlasses. Es folgen als weitere Themenkomplexe das Vermächtnis, die Ansprüche der Erbengemeinschaft, das praktisch äußerst relevante Pflichtteilsrecht, die Testamentsvollstreckung, das Erbscheinsverfahren, die Gestaltung von letztwilligen Verfügungen, der Erbverzicht, Nachlasspflegschaft und -verwaltung, die Nachlassinsolvenz, die vorweggenommene Erbfolge sowie in Kapitel die schon erwähnte Abwicklung des Mandats in Erbsachen. Aus meiner Sicht hätte es durchaus Sinn gemacht, dieses Kapitel quasi vor die Klammer zu ziehen. Denn erst gibt es den Erstkontakt mit dem Mandant, sodann folgt das, was hier in Kapitel 1 erörtert wird. Es ist sicherlich kein Muss das so zu machen, Sinnvoll fände ich es gleichwohl. Immerhin wird z.B. dargestellt, wie der Anwalt an die für die Mandatsbearbeitung erforderlichen Informationen kommt. Zudem wird auf Interessenkollisionen etc. eingegangen. Bei dem für den Rechtsanwalt selbstverständlich äußerst wichtigen Thema der Vergütung werden Muster für eine Vergütungsvereinbarung angeboten, und zwar für eine Zeitvergütung oder aber Mindestpauschalvergütung.

Als Anfänger im Erbrecht, der zuvor nur über das Wissen aus dem Studium verfügte, war natürlich für mich die Einführung, also die Feststellung des Erbrechts von Interesse mithin das Kapitel 1. Hier folgt dann auch ein guter und übersichtlicher Streifzug durch die §§ 1924 ff. BGB. Ebenfalls angesprochen werden z.B. Widerruf, Anfechtung, Ausschlagung usw. Man kann sagen, dass es um die Basics geht. Nun darf man nicht erwarten, dass man hier eine komplett wissenschaftlich Darstellung der einzelnen Teilaspekte des Erbrechts erhält. Das würde aus verschiedenen Gründen nicht in das Konzept des Werkes passen, bei dem es – nach meinem Verständnis – auf eine Grundlagenvermittlung gepaart mit dem Kernstück des Werkes, nämlich den einzelnen Mustern ankommt. Erläuterungen finden dann auch zum Teil im Rahmen der Muster statt. Um einen guten Überblick zu erhalten und ein Gespür für einzelne Problematiken und Rechtsinstitute zu entwickeln, eignet sich das Werk freilich sehr gut und hat mich insoweit auch voll überzeugt. Genau das habe ich nämlich von dem Werk erwartet.

Die jeweiligen Muster habe ich als sehr hilfreich in der Praxis empfunden und sogleich auch bei meiner Mandatsbearbeitung eingebaut, soweit das möglich war. Nützlich war dabei zweifelsfrei, dass die Muster auf der beigefügten CD abgespeichert und von dort auf die Festplatte kopiert bzw. direkt in die Textverarbeitung eingebaut werden können.


Zweifellos wird das Werk mich nun regelmäßig begleiten und helfen, wenn es um die Bearbeitung der Akten geht. Hierfür eignet sich das Werk hervorragend. Ich habe mir davon versprochen, wie seinerzeit auch im Verkehrsrecht, dass ich mit der Lektüre und Verarbeitung der Muster ein Problembewusstsein entwickle. Das ist mir zweifelsfrei gelungen. Ein wirklich tolles, äußerst hilfreiches und damit vorbehaltlos zu empfehlendes Werk.