Freitag, 10. März 2017

Rezension: Strafrecht AT

Wessels / Beulke / Satzger,  Strafrecht Allgemeiner Teil, 46. Auflage, C.F. Müller 2016

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Das Lehrbuch „Strafrecht Allgemeiner Teil“ von Wessels/Beulke/Satzger erscheint 2016 in der 46. Auflage beim C.F. Müller Verlag. Es ist einer der absoluten Klassiker im Bereich Strafrecht AT und gehört zur beliebten Lehrbuchreihe „Jura auf den Punkt gebracht“.

Das Lehrbuch wurde von Prof. Dr. Johannes Wessels († 2005) begründet, der als Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Münster tätig war. Zu seiner Lehrbuchreihe gehören auch noch die beiden Werke „Strafrecht Besonderer Teil 1“ und „Strafrecht Besonderer Teil 2“, die ebenfalls beim C.F. Müller Verlag erscheinen. „Strafrecht Allgemeiner Teil“ wird heute fortgeführt von Dr. Werner Beulke (ehemaliger Professor an der Universität Passau) und Prof. Dr. Helmut Satzger, der an der Ludwigs-Maximilians-Universität München lehrt.

Das Werk stellt auf ca. 450 Seiten den kompletten examensrelevanten Stoff des Allgemeinen Teils des Strafrechts dar. Es ist daher sowohl für die Vorbereitung auf die Scheine im Strafrecht, als auch für die Examensvorbereitung und als hilfreiche Quelle in juristischen Hausarbeiten geeignet. Mit dem Kauf des Buches erwirbt der Käufer gleichzeitig auch das dazugehörige ebook. Dieses enthält nicht nur den kompletten Text der Print-Ausgabe, sondern auch zahlreiche praktische Verlinkungen zu den Gesetzestexten und zu wichtigen Gerichtsentscheidungen.

Das gesamte Werk ist in fünf Teile gegliedert. Teil eins stellt eine Einführung in die Materie dar und behandelt die Grundlagen des Strafrechts sowie den Mensch als Rechtssubjekt. In Teil zwei wird das vorsätzliche Begehungsdelikt erklärt. Neben Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Schuld werden hier auch die wichtigen Themen Kausalität und objektive Zurechnung behandelt. Außerdem erfolgt eine Darstellung der Irrtumslehre. Im Rahmen der Rechtswidrigkeit werden die Rechtfertigungsgründe und im Rahmen der Schuld die Entschuldigungsgründe erklärt. Anschließend geht es um den Bereich Täterschaft und Teilnahme, sowie um den Versuch und den Rücktritt hiervon. Während Teil drei das Fahrlässigkeitsdelikt behandelt, geht es in Teil vier um die Unterlassungsstraftaten. In Teil fünf werden die Konkurrenzen dargestellt. Außerdem werden hier kurz die Wahlfeststellung und der Grundsatz in dubio pro reo erklärt. Im Anhang wird schließlich die Methodik der Fallbearbeitung erläutert. Wie subsumiert man richtig? Was sind die Regeln der Logik? Wie baut man das Gutachten auf und was ist bei Stil und Ausdruck zu beachten?

Schon die hohe Auflage zeigt, dass es sich bei diesem Lehrbuch um einen absoluten Klassiker handelt, der sich seit Jahrzehnten in der juristischen Ausbildung bewährt hat. In der 46. Auflage sind Rechtsprechung und Literatur bis Juli 2016 berücksichtigt. Seit der 42. Auflage enthält das Buch einen Code, mit dem man auf www.cfmueller.de das dazugehörige ebook freischalten kann. Damit ist auch die juristische Studienliteratur endlich im 21. Jahrhundert angekommen! Auch wenn viele Studenten die Print-Ausgabe nicht missen wollen, weil man diese mit Textmarkern und Klebezettelchen bearbeiten kann, ist ein solches ebook wirklich hilfreich. Es enthält nicht nur den vollständigen Lehrbuchtext, sondern verlinkt auch höchstrichterliche Entscheidungen und relevante Paragraphen im Volltext.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass das Buch in regelmäßigen Abständen kleine Fälle beinhaltet, die der Erläuterung der Theorie und der Wiederholung des Stoffes dienen. Außerdem finden sich am Ende vieler Kapitel Hinweise zu aktuellen, examensrelevanten Gerichtsurteilen.

Leider befinden sich im Text keinerlei Schemata. Gerade bei den Fahrlässigkeits- und Unterlassungsdelikten, sowie Täterschaft&Teilnahme und Notwehr bzw. Notstand hätte sich dies angeboten. Zwar wird im Buch der komplette Pflichtstoff des Allgemeinen Teils behandelt, allerdings eben hauptsächlich in Form von Fließtext. Hier hätte man das Lehrbuch gerne etwas auflockern dürfen. Ganz am Ende des Buches findet sich immerhin eine Übungsskizze zum Aufbau eines vorsätzlichen Begehungsdelikts. Mit dieser Skizze können vor allem Studenten der Anfangssemester den Standort der Probleme besser im Klausuraufbau verorten.

Ebenfalls sehr hilfreich ist das Kapitel über die Methoden der Fallbearbeitung. Hier erklären die Autoren wie man strukturiert an die Lösung eines Falles herangeht und vor allem wie man eine Klausur aufbaut und den Gutachtenstil umsetzt. Dieses Kapitel hätte gerne ausführlicher ausfallen dürfen!


Insgesamt bereitet einen das Buch vollumfänglich und meist verständlich auf Klausuren im Rechtsgebiet Strafrecht AT vor. Für Jurastudenten gehört „Strafrecht Allgemeiner Teil“ von Wessels/Beulke/Satzger damit auf jeden Fall zu einem der großen Klassiker auf dem Markt.