Samstag, 18. März 2017

Rezension: Von Ursprung und Ziel der Europäischen Union

Kirchhof / Kube / Schmidt (Hrsg.), Von Ursprung und Ziel der Europäischen Union, 1. Auflage, Mohr Siebeck 2016

Von stud. iur. Maren Wöbbeking, Göttingen



„Von Ursprung und Ziel der Europäischen Union“ ist ein Werk basierend auf elf Perspektiven unterschiedlicher Autoren, entstanden anlässlich eines entsprechenden zweitägigen Symposiums im Mai 2015.

Reflektiert wird die Thematik auf 200 Seiten aus geschichts- und rechtswissenschaftlicher, sowie politischer und wirtschafts- und finanzwissenschaftlicher Sicht. Dementsprechend finden sich unter den Autoren neben vielen Juristen auch Ökonomen und Historiker.

Die Beiträge liegen jeweils bei zwischen 7 bis 30 Seiten und finden durchweg ihre eigene Herangehensweise, sodass sich für den Leser nicht ein Mosaik, sondern vielmehr ein Fundus an verschiedenartigen Denkanstößen findet.

Aufgeworfene Fragen sind unter anderem die von Christian Meier, emeritierter Professor der alten Geschichte, nach der Weiterentwicklung von Demokratie und inwieweit eine solche innerhalb der Europäischen Union und innerhalb des so bezeichneten postdemokratischen Zeitalters überhaupt möglich sein kann. Im Zusammenhang dazu äußert sich auch Uwe Volkmann, Inhaber eines Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, der eine echte Wertegemeinschaft auf europäischer Ebene begründet verneint und generell auf die aus seiner Sicht fehlende kulturelle Kraft des Rechts in der europäischen Rechtssetzung hinweist.

In Teilen findet auch der momentan in aller Munde liegende Brexit Anklänge in einigen der Thesen. Das hierauf kein Schwerpunkt liegt, ist nicht zuletzt auf den Zeitpunkt der Entstehung des Buches zurückzuführen. Dies ist jedoch insbesondere dahingehend unschädlich, dass neben den historischen Herleitungen, der Fokus generell primär auf Grundsatzfragen liegt.

Wiederkehrender Streitpunkt ist dabei zum Beispiel die altbekannte Gretchenfrage nach einer Vertiefung der Europäischen Union in Richtung von „Vereinigten Staaten von Europa“ oder doch eher einer Rückübertragung der Kompetenzen an die Mitgliedsstaaten. Eine weitestgehende Einigkeit hinsichtlich der Zukunft der Europäischen Union kann wohl lediglich in der Notwendigkeit von Strukturreformen erkannt werden.

Exemplarisch lässt sich der Beitrag von Peter Adolff (unter anderem Mitglied des Vorstands der Allianz SE) anführen, der sich mit der Chance der stärkeren Integration Europas durch international erfolgreiche europäische Unternehmen auseinandersetzt. Auch Adolff vertritt die Ansicht, dass politische Struktur grundsätzlich auf Basis der Nationalstaaten abläuft, hält dies aber für einen verlässlichen Anknüpfungspunkt einer überstaatlich strukturierten Wirtschaft. Er zeigt am Beispiel europäisch agierender deutscher Unternehmen, wie Robert Bosch GmbH, BASF SE und Allianz SE, die gelebte europäische Integration auf.

Übergreifend sprechen sich mehrere der Autoren für ein Zusammenspiel von nationalen und europäischen Lösungen aus und erläutern dies unter anderem am Beispiel der Währungsunion und den Fehlern aus der Euro-Krise. Immer wieder klingt dabei die wertvolle Eigenschaft der Europäischen Union in Form ihrer kulturellen, sprachlichen und wirtschaftlichen Vielfalt an.

Angesichts der Vielschichtigkeit der Anknüpfungspunkte und der zum Teil stark differierenden Ansichten der Autoren, lässt sich das Werk schwer zusammenfassen. Wie man die Zukunft der Europäischen Union schließlich einschätzt, bleibt dem Leser am Ende selbst überlassen. Das Buch bietet jedenfalls eine ausgezeichnete Stütze zur gezielten Meinungsbildung und glänzt durch die interdisziplinäre Zusammenführung der Thesen. Einziger persönlicher Wehmutstropfen ist, dass bei einer Mitwirkung von dreizehn Autoren keine Frau vertreten ist.