Montag, 20. März 2017

Rezension: WEG



Spielbauer / Then, WEG, 3. Auflage, Erich Schmidt 2017

Von RAG Dr. Diana Franz, Landstuhl



Das Wohnungseigentumsrecht zeichnet sich dadurch aus, dass auf der einen Seite regelmäßig eine Vielzahl von Personen von der Arbeit der Verwaltung wirtschaftlich betroffen sind, auf der anderen Seite die handelnden Personen aber oftmals nicht über eine fundierte juristische Ausbildung verfügen. Für eine ordnungsgemäße Verwaltung des Gemeinschaftseigentums ist es meines Erachtens aber unabdingbar, dass sich die Verwaltung mit den wesentlichen gesetzlichen Vorschriften und der dazu ergangenen Rechtsprechung vertraut macht. Dabei kann der Berliner Kommentar zum WEG eine wertvolle Hilfe sein. Der Kommentar richtet sich auch in seiner nun vorliegenden neu bearbeiteten 3. Auflage nicht nur an die „üblichen Verdächtigen“, also Notare, Rechtsanwälte und Richter, sondern ausdrücklich auch an Verwalter, interessierte Verwaltungsbeiräte und Eigentümer.

Ein Kommentar ist naturgemäß kein Lehrbuch, der Berliner Kommentar zum WEG ermöglicht dem Nutzer aber aufgrund seiner Ausführlichkeit eine fundierte Nachlese zu dem jeweils zu klärenden Einzelproblem und das in angemessen kurzer Zeit.

Der Kommentar besteht aus 4 Teilen: Dem Gesetzestext, einer Kommentierung des WEG,   einer Kommentierung der § 49a GKG, §§ 10, 45, 52 und 156 ZVG und Änderungen im RVG-VV sowie einem Anhang, der Verordnungstexte und die Allgemeine Verwaltungsvorschrift Abgeschlossenheitsbescheinigung enthält.

Die 3. Auflage befindet sich nach Angabe der Autoren im Wesentlichen auf dem Stand Mai 2016. Aktuelle Rechtsprechung ist umfassend eingearbeitet. Ich habe bei meiner bisherigen Arbeit mit dem Buch auch nichts vermisst.  

Die einzelnen Paragraphen werden in einer gut verständlichen Sprache erläutert. Die Ausführungen sind flüssig lesbar. Es fällt positiv auf, dass im Text auf Abkürzungen weitgehend verzichtet wird. Das 80 Seiten umfassende Inhaltsverzeichnis ermöglicht es dem Leser, schnell die jeweils einschlägigen Normen und dort die passende Kommentierung zu finden und für seine Arbeit nutzbar zu machen. Obwohl er mit fast 1400 Seiten umfangreich ist, ist der Kommentar nicht überladen.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Autoren die Bedürfnisse der Praxis im Blick haben. Beispielhaft zeigt sich dies etwa an den Ausführungen zu dem Problemkreis „Bestimmtheit des Klageantrages“. Das Thema aktualisiert sich etwa bei unterlassener Beschlussfassung über den Wirtschaftsplan (dazu § 21 Rn. 41 ff.). Hier stellt der Kommentar zunächst die praktischen Schwierigkeiten bei der Formulierung des Klageantrages dar und arbeitet dann nach Bezugnahme auf die Gesetzesbegründung argumentativ einen Lösungsansatz unter Verweis auf ergangene Rechtsprechung und mit Hinweis auf eine noch fehlende abschließende höchstrichterliche Klärung aus. Überdies werden Formulierungsvorschläge für Anträge in praktisch relevanten Fällen unterbreitet. 

Unter dem Aspekt praktischer Nutzen ist auch der Abschnitt über den Wirtschaftsplan und die Jahresabrechnung zu sehen. Das Buch beantwortet nicht nur in der täglichen Arbeit immer wieder für Diskussionen Anlass gebende grundlegende Fragestellungen, wie etwa, welcher Verwalter bei Verwalterwechsel zur Erstellung der Abrechnung verpflichtet ist (dazu § 28 Rn. 29) klar und verständlich, sondern enthält auch Abrechnungsmuster. Anhand der Erläuterungen zu den Mustern können die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Abrechnung einfacher nachvollzogen werden. Dies ist meiner Meinung nach eine echte Hilfe.

Insgesamt ist der Berliner Kommentar zum WEG auch in seiner 3. Auflage ein sehr empfehlenswertes Buch und eine Bereicherung für die Bibliothek des Praktikers.