Samstag, 1. April 2017

Rezension: Die Assessorklausur im Zivilprozess

Knöringer, Die Assessorklausur im Zivilprozess – Das Zivilprozessurteil, Hauptgebiete des Zivilprozesses, Klausurtechnik sowie Anwaltstätigkeit, 16. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Ref. iur. Christian F. Bock, Hamburg



Die Assessorklausur im Zivilprozess von Knöringer erscheint nunmehr in der 16. Auflage. Auf dem Weg zum Zweiten Juristischen Staatsexamen zählt das Werk zu den Klassikern im Zivilprozessrecht. Gedrungen auf knapp 300 Seiten soll für den prozessrechtlichen Bereich systematisch examensrelevantes Wissen dargestellt und zugleich eine fallorientierte Einübung gewährleistet werden, indem anhand von zahlreichen Fallbeispielen und entsprechenden Musterlösungen der Stoff vermittelt wird. Demgemäß richtet sich das Buch zuvörderst an Rechtsreferendare. Daneben adressiert es Richter und Rechtsanwälte, die in der Referendarausbildung tätig sind.

Die Neuauflage berücksichtigt insbesondere, dass im Examen zunehmend die Fragen einer anwaltlichen Begutachtung vorkommen. Deshalb behandelt es erstmals zwei Standardprobleme in Anwaltsklausuren. Einerseits wird in § 30 (S. 321 ff.) der Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz nebst einem begleitenden Mandantenschreiben dargestellt, andererseits nimmt sich § 31 (S. 327 ff.) der Klageerwiderung, Hilfsaufrechnung und Widerklage aus Anwaltsperspektive an. Insoweit ist die praktische Herangehensweise hervorzuheben. Mit dem beispielhaften Abdruck eines Schriftsatzentwurfs mit Erläuterungen in kursiv (Rn. 30.03) wird der nicht mit der Praxis vertraute Referendar unmittelbar in die Lage versetzt, selbst einen Schriftsatz zu verfassen. Die Darstellung ist gut gelungen, insgesamt sind die Ausführungen derweil mit einem Umfang von 12 Seiten noch sehr knapp. Eine Anwaltsklausur lässt sich allein damit wohl nicht beherrschen.

Das Buch folgt einem festen Konzept. In wenigen Sätzen werden die prozessrechtlichen Vorschriften vorgestellt und ihr wesentlicher Inhalt wiedergegeben. Anschließend wird der abstrakte Stoff direkte an konkreten Beispielen erläutert oder „klassische“ Klausurprobleme der Vorschrift werden an kurzen Fällen festgemacht (vgl. Rn. 3.14 ff.). Die Einprägsamkeit unterstützen zahlreiche Übersichten (exemplarisch Rn. 4.04). Besonders gut gelungen sind insoweit die Darstellung der Kostenentscheidung und der Ausspruch zur vorläufigen Vollstreckbarkeit. Mit vielen Rechenübungen, die die Verfasser gut nachvollziehbar erläutern, kann der Referendar sich der Materie beim ersten Lesen annähern oder erlerntes Wissen überprüfen. Dass die Kostenentscheidung am Ende eines Beispiels stets ausformuliert wird, rundet den positiven Eindruck ab (Rn. 3.20). Im Text weisen die Autoren zahlreiche Gerichtsentscheidungen nach. Die Anlehnung an die Rechtsprechung ist beim praxisnahen Zweiten Staatsexamen willkommen, allerdings handelt es sich nur vereinzelt um jüngere Judikate (vgl. Rn. 3.15, 5.07, 20.25), weshalb sie wohl in den seltensten Fällen nachgelesen werden. Den Lesefluss eines empfindlichen Lesers können die vielen Zitate – deshalb grundlos – stören.


Die Neuauflage bleibt ihrem Stil treu und beschränkt sich auf die Darstellung der prozessrechtlichen Essentialia. An der einen oder anderen Stelle muss zwar ein umfangreicheres Werk punktuell zu Rate gezogen werden, allerdings besticht das Werk dadurch, dass es die große Stoffmenge auf einen beherrschbaren Umfang verdichtet. Für Referendare ist das Werk sowohl zur ersten Annäherung als auch zur späteren Wiederholung des Stoffes uneingeschränkt zu empfehlen.