Donnerstag, 27. April 2017

Rezension: Münchner Kommentar BGB Band 10

Münchner Kommentar zum BGB, Band 10, Erbrecht, 7. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Rechtsanwalt Florian Decker, Saarbrücken



Auch der zehnte Band des erfolgreichen Großkommentars zum Bürgerlichen Gesetzbuch liegt nunmehr in überholter, siebenter Auflage vor. Der Band befasst sich mit Buch 5 des BGB, also mit dem Erbrecht. Er umfasst folgerichtig die Paragraphen 1922 bis 2385 BGB. Im Rahmen der Besprechung der Regeln zur Errichtung und Aufhebung eines Testaments werden außerdem als Anhang zu § 2264 BGB die §§ 27-35 Beurkundungsgesetz mit kommentiert.

Die Reihe der Bearbeiter setzt sich aus namhaften Vertretern der Praxis wie auch der Lehre zusammen und hat mit (im Wesentlichen) Rechtsstand September 2016 die seit der Vorauflage ergangene Rechtsprechung ebenso eingearbeitet wie die neueren gesetzlichen Regelungen. Insbesondere die Verordnung der EU 650/2012 über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen und die Annahme und Vollstreckung öffentlicher Urkunden in Erbsachen sowie zur Einführung eines europäischen Nachlasszeugnisses wurde berücksichtigt; ebenso natürlich das Internationale Erbrechtsverfahrensgesetz.

Die Kommentierung der jeweiligen Paragraphen folgt dem altbekannten aber eben auch überaus bewährten Muster, nachdem zunächst der Text der zu kommentierenden Norm dargestellt wird. Bei umfangreichen Kommentierungen folgt daraufhin ein Inhaltsverzeichnis. Danach werden der jeweilige Normzweck erläutert, einige allgemeine Anmerkungen gemacht und sodann die wesentlichen Tatbestandsmerkmale besprochen und erläutert. Das Schriftbild ist klar und hinreichend groß, durchsetzt von vielen Hervorhebungen und schlagkräftigen Überschriften. Es ist daher sehr gut zu lesen. Die Quellangaben zersetzen nicht den Text sondern sind in einem Fußnotenapparat am Seitenende gebündelt. Diese beziehen sich sowohl auf Literatur als auch (was den Praktiker freut) im Wesentlichen auf obergerichtliche und höchstrichterliche Rechtsprechung.

Wortwahl und Aufbau der Kommentierung lassen den wissenschaftlichen Anspruch des Werkes erkennen. Die beschriebene Darstellungsweise und das umfangreiche, allein auf den vorliegenden Band bezogene Sachverzeichnis am Ende lassen aber auch eine zügige Recherche zu, die dem Praktiker zupass kommt.

Ist etwa im Rahmen einer Rechtsberatung schnell und zutreffend zu bestimmen, ob eine Erbausschlagung für den Mandanten noch möglich ist, so kennt man entweder die „Hausnummer“ (§ 1944 BGB) und findet somit über die Kopfzeilen zur Kommentierung oder aber man sucht im Stichwortverzeichnis und findet dort ein noch einmal für sich genommen mehrfach mit Unterschlagworten versehenes Oberschlagwort „Ausschlagungsfrist“. Hat der Mandant etwa von dem Erbfall erst nach der Rückkehr von seiner sechsmonatigen Weltreise erfahren, findet sich über den Verweis auf § 1944 der rechte Gesetzestext, der in Abs. 2 der Vorschrift natürlich schon einige klare Aussagen liefert. Über das Sachverzeichnis findet sich (an dritter Stelle) aber auch das Unterschlagwort „Auslandsaufenthalt“. An der dort bezeichneten Stelle erhält der stets unter Zeitdruck stehende Berater unmittelbar die für seinen Mandanten notwendigen Informationen. In klaren, kurzen und doch inhaltsreichen Sätzen wird in diesem Beispiel etwa hervorgehoben, dass es für den Erben gerade nicht auf den Wohnsitz sondern nur auf seinen tatsächlichen Aufenthalt ankommt, so dass die Vorschrift bei einer Auslandsreise (man hat also die passende Stelle gefunden) des erbenden Mandanten Anwendung findet. Soweit ist dies nicht überraschend. Im Folgesatz geht es aber bereits ins Detail. So wird dort etwa der sehr wertvolle Hinweis geliefert, dass der geschäftsunfähige Erbe sich aufhalten kann wo er will, da es für diesen auf den Aufenthalt seines gesetzlichen Vertreters ankomme. In logischer Folge werden weitere denkbare Sachverhalte besprochen und können so eruiert werden.


Im Ergebnis ist das fast 2400 Seiten umfassende Werk seinen (durchaus stolzen) Preis von 299 EUR und damit eine Empfehlung in jedem Falle wert.