Samstag, 6. Mai 2017

Rezension: Haftpflichtversicherung

Piontek, Haftpflichtversicherung, 1. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Rechtsanwältin Marion Andrae, Saarbrücken



Der neue Praxisleitfaden gibt ein strukturierten Überblick über die Grundlagen der Haftpflichtversicherung. Der Autor ist Richter am Oberlandesgericht Hamm, aktuell abgeordnet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Versicherungssenat des Bundesgerichtshofs.

In der Einleitung erläutert der Autor den Aufbau der Haftpflichtversicherung und wichtige Grundbegriffe. Das zweite Kapitel beleuchtet den Versicherungsfall, das Schadenereignis und die unterschiedlichen Schadensarten. Im dritten Kapitel geht es um die Leistung des Versicherers, konkret um den Befreiungsanspruch, also den Versicherungsnehmer von Ansprüchen Dritter freizustellen und die Rechtsschutzverpflichtung, sprich die Abwehr unbegründeter Ansprüche sowie um die prozessualen Besonderheiten bei Klagen des Versicherungsnehmers und des Geschädigten. Im vierten Kapitel behandelt der Autor die bestehenden Risikoausschlüsse, an erster Stelle den Vorsatzausschluss. Im anschließenden fünften Kapitel werden die Obliegenheiten des Versicherungsnehmers vor und nach Eintritt des Versicherungsfalls sowie vorvertragliche Anzeigepflichten dargelegt. Dabei geht der Autor auch auf die Obliegenheiten im Mehrpersonenverhältnis (Versicherung für fremde Rechnung) ein. Der in der Praxis wichtige Zweig der Kfz-Haftpflichtversicherung wird im sechsten Kapitel gesondert beleuchtet. Hierbei geht es insbesondere die rechtlichen und prozessualen Besonderheiten des Direktanspruchs des Geschädigten nach § 115 VVG, um die speziellen Obliegenheiten des Versicherungsnehmers und des Geschädigten, den Einwendungsausschluss und den Rückgriffsanspruch des im Innenverhältnis leistungsfreien Versicherers. Das abschließende siebte Kapitel ist speziellen Einzelfragen, wie der sogenannten Rückwärtsversicherung und der Leistungsfreiheit wegen Erstprämienverzuges gewidmet.

Auf knapp über 230 Seiten gibt der Leitfaden einen kompakten, aber durchaus fundierten Überblick über das Recht der Haftpflichtversicherung. Der knappe Umfang des Werkes ist nach Ansicht der Verfasserin aber gerade sein herausragendes Merkmal. Einen kompakteren Überblick über die Rechtsmaterie kann man sich kaum verschaffen. Dabei bleibt die Darstellung keineswegs oberflächlich. Dem Autor gelingt es, die Grundstrukturen der Haftpflichtversicherung präzise und klar verständlich zu vermitteln. Aufgrund der übersichtlichen und gut strukturierten Inhalte gelangt der Leser schnell und zielsicher zur gewünschten Information. Zentrale Vorschriften, praktisch wichtige Merksätze und Schaubilder sind drucktechnisch hervorgehoben. Besonders gelungen ist, dass die rechtliche Darstellung durch eine Vielzahl von Beispielsfällen aus der Rechtsprechung veranschaulicht wird. Zahlreiche Vertiefungshinweise und Rechtsprechungsnachweise runden das Werk ab. Der Leser erhält viele wichtige Tipps, die für die Fallbearbeitung in der Praxis nützlich sind. Insoweit sind beispielsweise die Hinweise des Autors zu nennen, dass die Berufung des Versicherers auf Leistungsfreiheit wegen Erstprämienverzugs in der Praxis häufig an den gesetzlichen Voraussetzungen scheitert. Das kompakte Werk ist für Anwälte, Richter und Versicherungssachbearbeiter gleichermaßen geeignet.


Das Werk wird seinem Anspruch, sowohl die Grundlagen zu vermitteln als auch ein Praxisleitfaden für die konkrete Rechtsanwendung zu sein, voll und ganz gerecht. Ein insgesamt gelungenes Debut.