Mittwoch, 31. Mai 2017

Rezension: Strafverfahrensrecht

Roxin / Schünemann, Strafverfahrensrecht 29. Auflage, C.H. Beck 2017

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Das Buch „Strafverfahrensrecht“ von Roxin/Schünemann erscheint 2017 bereits in der 29. Auflage. Es gehört zu der erfolgreichen Reihe „Juristische Kurz-Lehrbücher“ des C.H. Beck Verlags. Das Werk wurde vor über einem halben Jahrhundert von dem Juristen Eduard Kern begründet. Es existieren Übersetzungen ins Japanische, Chinesische und Spanische.

Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin (*1931) ist emeritierter Professor an der Universität München und genießt hohes Ansehen. Insgesamt vierundzwanzig Universitäten haben ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Auch seine Lehrbücher zum Strafrecht AT und BT sind bei den Jurastudierenden sehr beliebt. Das hier vorgestellte Buch übernahm er 1967. Dr. Dr. h.c. Bernd Schünemann (*1944) ist ebenfalls emeritierter Professor an der Universität München. Bekannt ist er unter anderem für seine Mitarbeit am Leipziger Kommentar (StGB).

Dem Vorwort der Autoren zu diesem Lehrbuch ist zu entnehmen, dass sie das Strafverfahrensrecht als Herzkammer des Rechtsstaats verstehen. Dementsprechend wichtig sollte das Thema daher auch in der juristischen Ausbildung sein. Das Werk soll den kompletten examensrelevanten Stoff  abbilden und das gesamte Strafprozessrecht klar und prägnant behandeln. Es stellt den Gang des Strafverfahrens vom Ermittlungsverfahren bis zu Vollstreckung dar. Das Buch erläutert unter anderem die Strafgerichtsverfassung, die Beteiligten des Strafverfahrens, das Beweisrecht, die Zwangsmaßnahmen, das Urteil und seine Rechtskraft sowie die Rechtsbehelfe der StPO. Das Kurzlehrbuch eignet sich damit nicht nur für Jurastudierende, sondern auch für Referendare als wertvoller Begleiter durch die juristische Ausbildung.

Das Werk umfasst über 500 Seiten. Die meisten Studenten würden es daher wohl nicht mehr als „Kurzlehrbuch“ bezeichnen, sondern als ausführliche, voll umfassende Literatur zum Strafprozessrecht. Das Buch gliedert sich in eine Einleitung und daran anschließend in 15 Kapitel. In der Einführung werden der Begriff und die Aufgaben des Strafverfahrensrechts behandelt und es erfolgt ein Überblick über den Gang des Verfahrens. Im ersten Kapitel geht es um das Strafgerichtsverfassungsrecht. Teil davon ist die sachliche und örtliche Zuständigkeit. Im zweiten Kapitel dreht sich alles um die Grundsätze des Strafverfahrensrechts. In Kapitel drei wird die Rechtsstellung der Verfahrensbeteiligten erörtert. Im vierten Kapitel erklären die Autoren den Gegenstand und die Voraussetzungen des Strafverfahrens. Das fünfte Kapitel handelt vom Beweisrecht. Hier werden insbesondere auch die examensrelevanten Beweisverbote näher dargestellt. Im sechsten Kapitel findet der Leser alles Wichtige zu den Zwangsmaßnahmen und den Grundrechtseingriffen. Dazu gehört auch die Erläuterung der im Examen häufig anzutreffenden Prüfung der Untersuchungshaft. In Kapitel sieben werden das Vorverfahren und das Zwischenverfahren dargestellt, während Kapitel acht das Hauptverfahren in erster Instanz näher beleuchtet. Kapitel neun erläutert schließlich das Urteil und dessen Rechtskraft. Im zehnten Kapitel sind die Rechtsbehelfe Berufung, Beschwerde und Revision dargestellt, die man für das Examen unbedingt lernen sollte. Das elfte Kapitel dreht sich schließlich um die Strafvollstreckung und deren Kosten, während das zwölfte Kapitel einige Besonderheiten des ordentlichen Verfahrens aufgreift. Im vorletzten Kapitel geht es um die Beteiligung des Opfers am Strafverfahren. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit besonderen Verfahrensarten wie dem Sicherungsverfahren und dem Strafbefehlsverfahren. In einem gesonderten Epilog am Ende des Buches wird die Zukunft des Strafverfahrens thematisiert.

Insgesamt ist das Buch für Kandidaten des ersten Examens sehr umfangreich gestaltet. Obwohl Kenntnisse der StPO nur am Rande erwartet werden, umfasst das Buch über 500 Seiten, was den Leser auf den ersten Blick eher abschreckt. Dafür kann man sich aber sicher sein, dass das Lehrbuch alle relevanten Themen voll umfassend behandelt und ausführlich erklärt. Insbesondere eignet sich das Werk daher ebenfalls für Referendare, die sich gezwungenermaßen vertieft mit dem Strafprozessrecht auseinandersetzen müssen.


Sehr gelungen ist die Einführung in das Strafprozessrecht, die den Einstieg in die Materie erleichtert. Eher störend sind dafür die vielen Querverweise und Quellenangaben mitten im Fließtext. Das Buch ist zwar verständlich geschrieben, allerdings wird der Lesefluss dadurch erheblich beeinträchtigt. Bedauerlich ist auch, dass das Werk keinerlei Schemata oder Übersichten enthält. Gerade bei den Rechtsbehelfen wäre dies sehr sinnvoll gewesen. Für blutige Anfänger oder Studenten, die nur die wichtigsten Grundlagen schnell wiederholen wollen, ist das Buch daher weniger geeignet, als Nachschlagewerk und ausführlicher Begleiter im Studium dafür umso mehr. Jedes Kapitel enthält umfangreiche Literaturempfehlungen, sodass das Buch auch ein nützlicher Helfer für Hausarbeiten ist. Wer sich schnell, leicht verständlich und übersichtlich die Grundlagen des Strafprozessrechts aneignen will, dem sei das Lehrbuch von Roxin/Schünemann eher nicht empfohlen. Wer sich gerne vertieft in die Materie einlesen möchte, der ist hier jedoch genau richtig.