Sonntag, 28. Mai 2017

Rezension: Zwangsvollstreckungsrecht

Kornol / Wahlmann,  Zwangsvollstreckungsrecht 2. Auflage, Nomos 2017

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Seit dem Erscheinen der ersten Auflage des Buches sind bereits vier Jahre vergangen. Die Autoren haben hierfür viele positive Rückmeldungen bekommen und möchten sich daher mit einer aktualisierten Auflage des Lehrbuches bedanken. In der neuen Auflage werden Gesetzesänderungen und neue Rechtsprechung eingeflochten. Insbesondere die Reform der Sachaufklärung im Zwangsvollstreckungsrecht aus dem Jahr 2013 wird berücksichtigt.

Das Buch „Zwangsvollstreckungsrecht“ erscheint 2017 in der 2. Auflage beim Nomos Verlag. Es gehört zu der Reihe „NomosReferendariat“. Malte Kornol ist Vorsitzender Richter am Landgericht Bremen. Carsten Wahlmann ist Vorsitzender Richter am Landgericht Bielefeld. Die Grundlagen des Buches sind aus der Leitung von Arbeitsgemeinschaften entstanden. Daneben haben die Autoren ihre Erfahrungen aus Übungsklausuren und deren Besprechung mit eingebracht. Das Buch soll den für das zweite Staatsexamen relevanten Stoff kompakt und verständlich abbilden.

Das Werk umfasst ca. 350 Seiten und ist in 20 Abschnitte gegliedert. Im ersten Kapitel erfolgt eine Einführung in das Zwangsvollstreckungsrecht. Hier erläutern die Autoren die Abgrenzung zum Erkenntnisverfahren sowie die zum Insolvenzverfahren; es werden die Vollstreckungsorgane vorgestellt und die Art und Weise der Zwangsvollstreckung erklärt. Außerdem enthält das Lehrbuch an dieser Stelle ein sehr ausführliches Prüfungsschema der Rechtmäßigkeit von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen. Im zweiten Kapitel erfolgt eine Übersicht über die Rechtsbehelfe im Vollstreckungsrecht. Kapitel drei geht näher auf die Fahrnisvollstreckung ein.

In den folgenden Kapiteln werden die verschiedenen Zwangsvollstreckungsmaßnahmen vorgestellt. Es gibt jeweils einen Abschnitt zur Vollstreckungserinnerung (§ 766 ZPO), der Sofortigen Beschwerde (§ 793 ZPO), der Vollstreckungsabwehrklage (§ 757 ZPO), der Gestaltungsklage (§ 767 ZPO analog), der Drittwiderspruchsklage (§ 771 ZPO), der Klage auf vorzugsweise Befriedigung (§ 805 ZPO), der Klage/Einrede nach dem Anfechtungsgesetz, und der Klage bei sittenwidriger Vollstreckung (§ 826 BGB).

Im Abschnitt zwölf wird die Pfändung von Forderungen und anderen Vermögensrechten gem. § 828 ff. ZPO dargestellt. Im 13. Kapitel erklären die Autoren das Klauselverfahren und die Klauselrechtsbehelfe. Im 14. Abschnitt geht es um das Verteilungsverfahren gem. § 872 ff. ZPO, während Kapitel 15 die Vollstreckung nach § 887 ff. ZPO darstellt. Der 16. Abschnitt beschäftigt sich mit der Vollstreckung nach § 894 ZPO und das 17. Kapitel setzt sich mit Schadens- und Bereicherungsansprüchen Dritter auseinander. Im 18. und 19. Kapitel werden jeweils die Grundzüge der Immobiliarvollstreckung und des Insolvenzverfahrens kurz angerissen. Das letzte Kapitel beschäftigt sich schließlich mit dem Einstweiligen Rechtsschutz.

Obwohl das Buch über 300 Seiten umfasst und viel Fließtext beinhaltet, ist es sehr übersichtlich gestaltet. Die kurze Einführung in das Zwangsvollstreckungsrecht am Anfang des Buches erleichtert einem den Einstieg in die Materie. Die Gliederung anhand der unterschiedlichen Verfahrensarten erleichtert es, gezielt einzelne Themenbereiche aufzufinden und zu lernen. Daher eignet sich das Buch nicht nur als reines „Lernbuch“, das man von vorne nach hinten durcharbeitet, sondern auch als hilfreiches Nachschlagewerk für einzelne Themenkomplexe.

Positiv hervorzuheben sind die zahlreichen, ausführlichen Schemata. Gleich im ersten Kapitel erfolgt die Darstellung der Rechtmäßigkeit einer Zwangsvollstreckungsmaßnahme. Auch die verschiedenen Klagearten beinhalten jeweils ein ausführliches Prüfungsschema, anhand dessen man sich leichter in die Thematik einarbeiten kann und den Überblick behält. Außerdem eignet man sich auf diese Weise gleich die richtige Gliederung für die Klausuren an. Das Buch enthält zudem viele Kästchen mit Lerntipps und Hinweisen für die Klausur. Hier weisen die Autoren auf ihre Erfahrungen in den Arbeitsgemeinschaften hin und helfen dem Leser, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Hin und wieder lassen sich hilfreiche Eselsbrücken finden.

Komplexere Fragestellungen erläutern die Autoren an einigen Stellen auch mit Hilfe kleiner Grafiken. Damit erklären sie beispielsweise die Konstellation „Gläubiger – Schuldner – Drittschuldner“ im Rahmen der Pfändung sehr anschaulich. Auf Seite 165 ff. wurde ein Urteil abgedruckt, um dem Leser den klassischen Aufbau nahezubringen und grafisch zu verdeutlichen. Hier sieht man deutlich, an welcher Stelle der Tatbestand und die Entscheidungsgründe aufzuzählen sind und wie die Gliederung in Zulässigkeit und Begründetheit erfolgt.


Insgesamt deckt das Buch „Zwangsvollstreckungsrecht“ von Kornol/Wahlmann den kompletten examensrelevanten Stoff ab, ist angenehm zu lesen und enthält zahlreiche Aufbauschemata, die bei vielen Studenten sehr beliebt sind.