Mittwoch, 21. Juni 2017

Rezension: Die Kanzlerin - Eine Fiktion

Richter, Die Kanzlerin - Eine Fiktion, 1. Auflage, Kein & Aber, Berlin

Von Elisabeth Krohe, Rechtsanwältin, Dresden



„Wir schaffen das!“- ein Satz, der um die Welt ging, als er am 31.08.2015 von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel auf der Bundespressekonferenz im Hinblick auf die Flüchtlingskrise in Europa 2015 und die Öffnung der deutschen Grenzen für Flüchtlinge, ausgesprochen wurde. Drei Worte, die für tausende Flüchtlinge, aber auch Deutsche und Europäer weitreichende positive wie negative Folgen hatten.

Aber wie kam es zu diesem Satz. Was hat eine Kanzlerin, die in der Öffentlichkeit eher als besonnen und vernünftig, als diszipliniert und selbstbeherrscht gilt, dazu bewogen, sich spontan für die Grenzöffnung zu entscheiden? War dies überhaupt eine spontane Entscheidung, oder eine, die von langer Hand geplant war? Eine Version, dessen, was sich hinter den Kulissen des Bundeskanzleramtes und hinter der Stirn der deutschen Bundeskanzlerin in dieser Zeit abgespielt haben könnte, hat sich der preisgekrönte Reporter Konstantin Becker ausgedacht.

Er machte aus der Politikerin Dr. Angela Merkel eine Romanfigur und verleiht ihren Ängsten, ihren Hoffnungen und ihren Gedanken Ausdruck. Er beschreibt, wie die Kanzlerin den allgemeinen Alltag erlebt und wie dieser sich zu einer Zeit, in der tausende Flüchtlinge an Europas Grenzen festsitzen, sowie ihre Sicht der Dinge geändert haben könnten. Wie die als besonnene und stets überlegte Person mit einem Glas Wein in der Hand, beschloss, die Grenzen zu öffnen und wie die Reaktion ihrer Angestellten, Kollegen, der Deutschen, der Europäer und der Welt sie ernüchterten.

Gleich aus dem Titel wird klar, es handelt sich hierbei um keine Biografie, keine Wahrheit, die mit Dr. Angela Merkel abgestimmt wurden. Es handelt sich um reine Fiktion - also eine Geschichte, die weder einen Anspruch auf die Wahrheit noch auf die Realität hat. Er beschreibt diese Zeit aus den Gedanken und Handlungen der Bundeskanzlerin heraus, lese man ihre innersten Gedanken.

Wir werden wohl nie erfahren, ob sich die Geschichte um diese drei berühmten Worte so, oder ganz anders abgespielt hat. Ob die Kanzlerin in dieser Zeit wirklich den Gefühlen den Vorzug vor der Logik gegeben hat, ob sie von dem Hass und der Wut der Menschen in Heidenau bei ihrem Besuch wirklich geschockt war, weiß nur die Kanzlerin selbst und sie wird es uns wahrscheinlich nicht verraten. Aber, möglich wäre es schon...