Samstag, 17. Juni 2017

Rezension: StPO-Fallrepetitorium

Schuster / Weitner, StPO-Fallrepetitorium, 7. Auflage, Vahlen 2017

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Das Buch „StPO-Fallrepetitorium“ erscheint 2017 in der 7. Auflage beim Verlag Franz Vahlen. Es gehört zu der bei Referendaren beliebten Reihe „Assesorexamen – Lernbücher für die Praxisausbildung“. Das Skript richtet sich an Rechtsreferendare, die bereits über erste Kenntnisse im Strafprozessrecht verfügen und diese für die Praxis vertiefen möchten. Dr. Thomas Schuster ist Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth, Friedrich Weitner ist Richter am Oberlandesgericht Nürnberg. Beide Autoren leiten seit vielen Jahren Arbeitsgemeinschaften für Referendare und sind Prüfer für das erste und zweite Staatsexamen. Ihre Erfahrungen haben sie in diesem Skript zum Strafprozessrecht verarbeitet.

Seit dem Erscheinen der sechsten Auflage des Werkes sind zwei Jahre vergangen. In der neuen Auflage werden kleinere Gesetzesänderungen, neue examensrelevante Fragestellungen und aktuelle Rechtsprechung berücksichtigt.

Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit Fehlern im Ermittlungs- und Hauptverfahren. Zuerst werden die Beweiserhebung im Ermittlungsverfahren erörtert und daraus resultierende Beweisverwertungsverbote erklärt. Einen Schwerpunkt stellt dabei das Verwertungsverbot wegen fehlender Beschuldigtenvernehmung dar. Außerdem wird näher auf verbotene Beweismethoden eingegangen. Hier werden unter anderem § 136a StPO und § 81a StPO behandelt. Daran anschließend geht es um Fehler in der Hauptverhandlung. Dazu gehören beispielsweise Fehler bei der Verlesung der Anklage, der Vernehmung zur Person und Fehler bei der Zeugenvernehmung. Die Ablehnung von Beweisanträgen, die Verlesung der Aussageprotokolle und die Verwertbarkeit früherer Aussagen bei einem Zeugnisverweigerungsrecht werden näher thematisiert. Zudem geht es um Verstöße gegen § 261 StPO und § 265 StPO.

Im zweiten Kapitel geht es um besondere Möglichkeiten der Verfahrensgestaltung. Es werden vorgestellt: das beschleunigte Verfahren, das Strafbefehlsverfahren und die anwaltliche Beratung. Hierbei geht es auch um die Voraussetzungen der Untersuchungshaft, sowie die Richtigkeit der Haftentscheidung. Außerdem wird kurz die Wiedereinsetzung erklärt.

Im dritten Kapitel geht es schließlich um das äußerst examensrelevante Rechtsmittelrecht. Hier erfolgt zunächst eine Einführung in die Thematik sowie die grundsätzliche Abgrenzung zwischen Revision und Berufung. Außerdem wird erörtert, welche Verfahrensfragen von Amts wegen zu berücksichtigen sind. Sodann werden die Voraussetzungen und Eigenarten von Revision und Berufung näher erläutert. Diese dienen in der Klausur oft zur prozessualen Eingliederung eines strafrechtlichen Problems.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Arbeitsmethoden und dem Aufbau einer Revisionsbegründungsklausur. Hier wird nicht nur der Aufbau erklärt, sondern die Autoren geben auch Beispiele zur Formulierung einer Revisionsrüge und Beispiele für mögliche Revisionsanträge.

Das Buch „StPO-Fallrepetitorium“ gehört mit seinem auffallend grün-blauen Einband zu der bei Referendaren bekannten Reihe „Lernbücher für die Praxis“ des Verlags Franz Vahlen. Es umfasst ca. 200 Seiten. Die Skripte-Reihe dient der optimalen Vorbereitung auf das zweite juristische Staatsexamen. Die Bücher legen dementsprechend einen Schwerpunkt auf die Vermittlung praxisrelevanten Wissens. Das „StPO-Fallrepetitorium“ setzt daher bereits ein gewisses Grundwissen im Strafprozessrecht voraus. Dieses Wissen sollte man sich im Normalfall in einer Vorlesung an der Universität oder spätestens im Repetitorium vor dem ersten Staatsexamen angeeignet haben.

Das Werk ist in einer angenehm verständlichen Sprache verfasst und sinnvoll gegliedert. Durch die Aufteilung in die vier großen Kapitel weiß man immer, in welchem Abschnitt des Verfahrens man sich gerade befindet. Leider verfügt das Buch über keinerlei Einleitung, sodass der Leser abrupt mitten im Stoff landet. Positiv hervorzuheben sind die über 150 kleinen Beispielsfälle, die das Verständnis des Lernstoffs erheblich erleichtern. Dadurch werden die Probleme praxisrelevant so erläutert, wie sie einem in der Realität vor Gericht begegnen können. Ebenfalls sehr gelungen sind die Grafiken zu den Fehlern im Ermittlungsverfahren und dem Ablauf des Verfahrens, sowie die Prüfungsschemata – beispielsweise für die Beweisverwertungsverbote.

Das Buch enthält ein ausführliches Literaturverzeichnis und zahlreiche Fußnoten zu prüfungsrelevanten Urteilen, die man so bei Bedarf im Original nachlesen kann. Weniger gelungen sind die vielen Urteils-Zitate in kleinerer Schriftart. Wären diese wirklich für das Verständnis relevant, hätte man sie gerne in einer größeren/leserlichen Schrift abdrucken dürfen. Ansonsten sind sie eher nette Ergänzungen, die man getrost überfliegen kann.

Insgesamt schaffen es die Autoren gekonnt, das gesamte examensrelevante Wissen des Strafprozessrechts auf 200 Seiten unterzubringen. Wie der Titel „StPO-Fallrepetitorium“ bereits verrät, geschieht dies anhand zahlreicher examensrelevanter Fallbeispiele. In keinem anderen Buch wird man das theoretische Wissen derart praxisrelevant anhand von über 150 kleinen Fällen präsentiert bekommen. Schade ist, dass das Kapitel zu den Arbeitsmethoden mit ca. 10 Seiten sehr kurz und knapp ausfällt. Für angehende Referendare, die das examensrelevante StPO-Wissen auffrischen oder vertiefen wollen, ist das Skript ansonsten aber sehr empfehlenswert.