Samstag, 29. Juli 2017

Rezension: Die dienstliche Beurteilung

Lorse, Die dienstliche Beurteilung, 6. Auflage, Erich Schmidt 2016

Von RA, FA für Verwaltungsrecht Christian Reckling, Hamburg



Die nunmehr in sechster Auflage erschienene Publikation zur dienstlichen Beurteilung besticht durch ihre Bandbreite im Hinblick auf die komprimierte Darstellung des neu geregelten Beamtenrechts in Bayern. Dies war durch die Abschaffung des (Bundes-)Beamtenrechtsrahmengesetzes auch zwingend notwendig, da sich die bisherige Zuständigkeitsstruktur völlig verändert hat. Dadurch profitiert der Leser von einer Darstellung aus „erster Hand“.

Die 6. Auflage enthält die neueste Rechtsprechung zur dienstlichen Beurteilung auf den Stand von Juni 2016. Das Werk vermittelt Ihnen auch einen Überblick über den aktuellen Stand dienstlicher Beurteilungsrichtlinien von Bund, Ländern und Kommunen.

Auf über 600 (!) Seiten bietet der Autor eine ausführliche Übersicht und Darstellung über die den Anspruch und zugleich Alleinstellungsmerkmal der dienstlichen Beurteilung. Das Werk bietet eine umfassende, systematische Darstellung, besticht aber durch seine Konzentration auf die erörterungsbedürftigsten Fragen in der Praxis einen schnellen Überblick, wobei besonders die normbezogene Erörterung überzeugen kann. Dabei wird auch sehr umfangreich die dienstliche Beurteilung von Richtern und Soldaten in den Blick genommen. Aber auch der Leistungsbewertung von Arbeitnehmern wird ein Kapitel gewidmet.

Dem Leser wird es leicht gemacht, sich den Inhalt in kurzer Zeit anzueignen. Nicht nur, dass die jeweiligen Einleitungen hervorragend gelungen sind, auch der Aufbau der einzelnen Kapitel besticht durch einen sehr bedachten Aufbau.

Das Werk bietet dabei nicht nur eine abstrakte Darstellung, sondern es lassen sich auch an mehreren Stellen Beispiele vorfinden, so dass der Leser die abstrakte Darstellung auch anhand von konkreten Beispielen (Best-Practice-Beispiele) nachvollziehen kann. Von dem breiten Hintergrundwissen der Autoren profitiert die gesamte, gerade auch die Erfordernisse der Praxis aufgreifende Darstellung.

Gelungen ist auch die jeweilige Darstellung des Rechtsschutzes am Ende der jeweiligen Kapitel. Das Werk bietet insgesamt eine umfassende Darstellung der dienstlichen Beurteilung im öffentlichen Dienst. Unstrittig dabei ist, dass heutzutage eine transparente und vor allem rechtlich unangreifbare Leistungsbewertung und -messung im öffentlichen Dienst unverzichtbar ist.

Für alle Personalabteilungen des öffentlichen Dienstes, Personalvertretungen, Verwaltungsgerichte, Fachanwälte für Verwaltungsrecht und Personalberatungsunternehmen mit Kunden im öffentlichen Sektor sehr empfehlenswert. Aber auch für all diejenigen, die mit dem Dienstrecht befasst sind, ist das Buch ein quasi unverzichtbares Hilfsmittel für die Erfassung der rechtlichen Grundlagen und der Rechtsprechung, wobei auch die europarechtliche Rechtsentwicklung berücksichtigt wird. Nur am Rande ist noch auf den erfreulichen Preis des Bandes hinzuweisen.