Freitag, 21. Juli 2017

Rezension: Die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur

Russack, Die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur, 11. Auflage, C.F. Müller 2017

Von Ref. iur. Christian F. Bock, Hamburg



In der inzwischen 11. Auflage ist das Skript von Russack zur Vorbereitung auf die strafrechtliche Revisionsklausur erschienen. Es zählt auf dem Weg zur Zweiten Juristischen Staatsprüfung zum festen Bestandteil eines Bücherregals im Referendariat. Im Gegensatz zum Lehrbuchcharakter vieler anderer Bücher und Skripten verfolgt das Werk einen empirischen Ansatz zur Vorbereitung auf die Revisionsklausur, der an der Erkenntnis ansetzt, dass die meisten abstrakten Rechtsprobleme in jüngeren Klausuren lediglich in ein neues Gewand eingekleidet werden und nur ausnahmsweise vollständig neue Probleme in Klausuren auftauchen. Dementsprechend sind ausschließlich erstmals gelaufene Problemkreise aus den Klausuren 2015 und 2016 des LJPA Nordrhein-Westphalen in das Skript eingepflegt worden.

Indem sich der Aufbau des Skripts am Klausur- bzw. Prüfungsaufbau orientiert und nach den Kapiteln Zulässigkeit (Rn. 12 ff.) und Begründetheit (Rn. 79 ff.) der Revision sowie Zweckmäßigkeitserwägungen (Rn. 616 ff.) gegliedert ist, stellt das Skript den Prüfungsstoff einprägsam dar. Dadurch wird dem ungeübten Revisionsrechtler insbesondere die Einordnung unbekannter abstrakter Rechtsproblem in den formalen Prüfungsaufbau erleichtert. Das gilt insbesondere für die strukturierte Darstellung der – für gerade von der Universität kommende Referendare ungewohnten –Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach § 44 StPO (Rn. 43 ff.). Außerdem werden Wege aufgezeigt, um Korrektoren eine geringe Angriffsfläche zu bieten (Rn. 52, 54) und Formulierungsvorschläge unterbreitet (Rn. 53, 539, 636, 638).

Sucht man in dem hervorragenden Skript das Haar in der Suppe, würde man sich zu der „enorm wichtige[n] Ausnahme vom Beweisverbot des § 252 StPO“ (Rn. 278) im Fall der Verwertung der Aussage des Vernehmungsrichters im weiteren Verfahren Ausführungen dazu wünschen, ob mit dem 2. Strafsenat eine qualifizierte Belehrung durch den Vernehmungsrichter über die Vernehmung seiner Person als Zeugen erforderlich ist (dazu Jäger, JA 2014, 948 ff.). Den Streit zwischen den Senaten hat letztendlich der Große Senat für Strafsachen mit Beschluss vom 15.07.2016 – GSSt 1/16 – NJW 2017, 94 ff. entschieden und sich gegen das Erfordernis einer weitergehenden Belehrung ausgesprochen.

Die Neuauflage bleibt dem empirischen Ansatz zur Vorbereitung auf die Revisionsklausur treu und trägt einen Kanon revisionsrechtlicher Klausurprobleme zusammen, den man für die Examensprüfung zwingend parat haben muss. Besonders dienlich hat sich für die Examensvorbereitung dabei die durchgehende und stete Zitation von Meyer-Goßner/Schmitt herausgestellt, weil mit der Lektüre des Skripts der Umgang mit dem StPO Kommentar eingeübt wird und ein Gefühl dafür entsteht, wann und wo sich ein Nachsehen lohnt. Insgesamt ist das Werk uneingeschränkt zur Examensvorbereitung zu empfehlen, denn es verdichtet den Revisionsstoff auf einen beherrschbaren Umfang (177 Seiten) und bereitet ihn unmittelbar für die Klausurpraxis auf.