Mittwoch, 5. Juli 2017

Rezension Erfolgreiche Taktik im Zivilprozess

Oberheim, Erfolgreiche Taktik im Zivilprozess, 7. Auflage, Luchterhand 2017

Von RinLG Domenica D’Ugo, Saarbrücken



Der Prozessvertreter im Zivilbereich hat – nicht zuletzt „dank“ des Beibringungsgrundsatzes – salopp gesagt eine ganze Menge zu beachten. Dr. Rainer Oberheim, Vorsitzender Richter am OLG Frankfurt, legt in diesem typisch roten und typisch backsteinformatigen (> 800 Seiten) Luchterhand-Werk einen großartigen Leitfaden vor, der dem Anwalt bei dieser Aufgabe helfen soll. Der Autor weist zutreffend im Vorwort darauf hin, dass entgegen landläufiger Meinung mitnichten das Schicksal des Mandanten vor Gericht „in Gottes Hand“ liegt, sondern der Anwalt als des „Glückes Schmied“ fungieren kann. 

Der Inhalt des Buches erstreckt sich von der Prozessvorbereitung über rechtssichernde Maßnahmen, die Titulierung im Allgemeinen und im Besonderen und die Beweisaufnahme über die Zwangsvollstreckung hin zu Änderungsproblematiken betreffend die ursprüngliche Verfahrenskonzeption und zu den zur Verfügung stehenden Rechtsbehelfen. Kurzum: Sämtliche Alltagskonstellationen kommen in den neun Kapiteln vor und werden in der gebotenen Kürze, aber dennoch klar verständlich, vorgestellt.

Der Autor legt dabei ersichtlich Wert darauf, dem der Anwaltschaft zugehörigen Leser neben den allgemeinen Erläuterungen auch gefährliche Haftungsfallen aufzuzeigen. Beispielsweise führt er hierzu im Kapitel 4 C. („Die Verteidigung des Beklagten“) auf Seite 268 f. aus, dass die immer wieder in Schriftsätzen gesehene hilfsweise Aufrechnung mit diffus bleibenden „Gegenforderungen“ durchaus dazu führen kann, dass der Anwalt in schwere See gerät: Rechtskraftwirkung, Streitwerterhöhung und Verspätung/Präklusion können hier in Betracht kommen, wenn nicht rechtzeitig noch brauchbarer Vortrag erfolgt.

Positiv hervorzuheben sind (statt vieler!) etwa auch die Ausführungen zur Frage, ob der Mandant am Verhandlungstermin teilnehmen sollte (Kapitel 4 E., „Die mündliche Verhandlung“, S. 306 ff.), was der Anwalt bei der Zeugenbefragung zu beachten hat (Kapitel 5 B., „Beweiserhebung“, S. 397 ff.) und wie es sich derzeit mit der Hinweispflicht des Richters gem. § 139 ZPO verhält (Kapitel 4 E., „Die mündliche Verhandlung“, S. 323 - 340).

Beispiele wie diese führen daher zum Urteil, dass das Werk nicht nur als Nachschlagewerk im Eilfall, sondern auch immer wieder als Auffrischungslektüre benutzt werden sollte. Dies gilt natürlich nicht nur für Anwälte, sondern gerne auch für Zivilrichter. Die eine oder andere Überraschung wird sicherlich auch für sehr erfahrene Praktiker zu finden sein. Allein dies kann schon den insgesamt noch moderaten Preis von 99 € rechtfertigen.