Samstag, 15. Juli 2017

Rezension: Handbuch zum Vereinsrecht

Stöber / Otto, Handbuch zum Vereinsrecht, 11. Auflage, Otto Schmidt 2016

Von Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt) und Fachanwalt für Arbeitsrecht Stephan Lemmen, Bad Berleburg



Das von Kurt Stöber – Regierungsdirektor a.D. in Rothenburg ob der Tauber – begründete Handbuch wird seit der 10. Auflage aus 2012 von Dr. Dirk-Ulrich Otto – Notarassessor in Leipzig – fortgeführt, der somit mit der 11. Auflage aus 2016 die erste Überarbeitung seiner „ersten Auflage“ vorlegt.

Die Schwierigkeit, ein immer noch übersichtliches und praktisch nutzbares Handbuch für diesen Rechtsbereich zu verfassen, liegt u.a. darin, dass Anzahl, Unterschiedlichkeit sowie Zweckrichtungen von Vereinen schier unüberschaubar sind. Es gibt wohl kaum einen Menschen in unserem Land, der nicht zeit seines Lebens wenigstens zeitweise Mitglied eines oder meist mehrerer Vereine war. Hierneben bilden Vereine den sicher häufigsten und wichtigsten Faktor im Bereich der Bündelung von gemeinsamen Interessen und Aktivitäten in kleiner sowie großer Form jedweder Art.

Trotz dieser Schwierigkeit gelingt es dem Autor, vollumfänglich die zivilrechtlichen und in gebotenem Maße die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen des Vereinsrechts in seinem Handbuch so darzustellen, dass der Nutzer schnell einen Überblick über das vereinsrechtlich und –strukturell Wichtige erhält und alle Grundsatz- und Standardfragen allein mit dem vorliegen Werk klären und lösen kann.

Der etwas über 700 Seiten starke Hauptteil des Werkes umfasst von der Vereinsgründung bis zur Auflösung alles was Vereinsleben und Vereinsrecht bestimmen kann. Weiter wird dem Nutzer insbesondere deutlich vor Augen geführt was davon je nach Vereinszweck aus rechtlicher und struktureller Sicht auch zwingend erforderlich ist. Die anschauliche Darstellung der Rechte, Pflichten und Funktionen von Mitgliedern, Vorstand und Mitgliederversammlung, etc. sowie fakultativer und obligatorischer Abläufe für Vorgenannte und im Vereinsleben überhaupt ermöglichen, sich mit dem Werk auf Vereinsarbeit insgesamt vorzubereiten und sich bei dieser einfach und schnell zu informieren. Hervorgehobene Beispiele sowie zahlreiche Muster und Formulierungsvorschläge für Klauseln und Vereinsdokumente machen das Werk noch besser verständlich und erleichtern die praktische Umsetzung der behandelten Themen für die jeweiligen eigenen Vereinszwecke.

Hierbei ist auch der weitere knapp 170 Seiten umfassende Anhang des Werkes äußerst hilfreich, der weitere Satzungsbeispiele, eine Übersicht der zuständigen Gerichte und Behörden für Vereine in den einzelnen Bundesländern, auszugsweise die vereinsrechtlich relevanten Paragraphen verschiedener Gesetze, Verordnungen und Erlasse sowie Muster für Zuwendungsbestätigungen mit Hinweisen des Bundesministeriums der Finanzen enthält. Besonders vorbildlich sind hierbei die ausführlichen Rück-Verweisungen in den Satzungsbeispielen auf die jeweiligen Randnummern des Hauptteiles, so dass jederzeit schnell im Werk die entsprechenden Passagen im Hauptteil aufgefunden werden können.

Gegenüber der Vorauflage behandelt das Werk alle relevanten Rechtsänderung, zum Beispiel die durch § 31b BGB eingeführten eigenen Haftungsregeln für Vereinsmitglieder untereinander, gegenüber dem Verein sowie Dritten bei Erfüllung von Vereinsaufgaben, den Ausbau der dortigen Haftungserleichterungen und auch den Ausbau solcher für Vorstände und andere Organmitglieder in § 31a BGB, die Auswirkungen des Mindestlohngesetzes auf die vielen Helfer im Vereinsleben, die Änderung in der Abgabenordnung rund um die Fragen der Gemeinnützigkeit und die kostenrechtlichen Neuerungen durch das Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare.

Layout, Inhalts-, Abkürzungs- und Literaturverzeichnis sowie Sachregister des Werkes lassen keine Wünsche offen. Wichtiges ist im Fließtext durch Fettdruck hervorgehoben, so dass schnelles Auffinden und gute Lesbarkeit gewährleistet sind. Neben der bereits oben erwähnten vorbildlichen Rück-Verweisung des Anhanges auf den Hauptteil sind die Querverweise zwischen den Themengebiete des Hauptteiles untereinander, die Hinweise auf die jeweiligen gesetzlichen Regelungen und die enthaltenen weiterführenden Literatur- und Rechtssprechungshinweise ebenso vorbildlich.


Fazit: Das Handbuch kann allen mit dem Vereinsrecht befassten Spezialisten aber auch dem ambitionierten vereinsrechtlichen Laien, der erste oder tiefere Einblicke gewinnen möchte, uneingeschränkt empfohlen werden. Dem Rezensenten selbst hat es bei der Überarbeitung verschiedener Vereinssatzungen und -ordnungen wertvolle Dienste geleistet, ohne dass ein weiteres Werk aufgeschlagen werden musste. Die durchdachte Struktur und die lückenlose Verweisung des Werkes auf sich beeinflussende Themen und Fragen ermöglichen ein schnelles und systematisches Arbeiten. Die klare und verständliche Sprache sowie die zahlreichen praxisbezogenen Beispiele, Muster und Hinweise machen es auch für Nicht-Juristen hervorragend nutzbar.