Freitag, 7. Juli 2017

Rezension: Strafrecht im Assessorexamen

Wolters / Gublitz, Strafrecht im Assessorexamen 8. Auflage, C.H. Beck 2017

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Band 140 der roten JuS-Schriftenreihe widmet sich dem Strafrecht im Assessorexamen. Die neueste 8. Auflage erschien dieses Jahr (2017) beim C.H. Beck Verlag. Der Band soll ein wertvoller Begleiter für die Strafrechts-Station im Referendariat sein. Er dient der Vorbereitung auf das schriftliche und mündliche zweite Examen und behandelt das materiell- und formellrechtliche Gutachten, die Abschlussverfügung der StA, die Anklageschrift, das Strafurteil, die Revision, den Aktenvortrag sowie die strafrechtliche Anwaltsklausur.

Das Buch wurde von Dr. Gereon Wolters und Dr. Michael Gublitz verfasst. Ersterer ist Professor an der Universität Bochum. Letzterer arbeitet als Rechtsanwalt in Kiel, ist Fachanwalt für Strafrecht und hat eine Honorarprofessur an der Universität Bochum inne.

Das Werk ist in fünf große Teile gegliedert. Im ersten Teil wird die staatsanwaltschaftliche Aufgabenstellung behandelt. Der erste Abschnitt enthält eine Einleitung mit Vorüberlegungen zum Thema. Im zweiten Abschnitt wird das staatsanwaltschaftliche Gutachten näher beleuchtet. Hier werden sowohl der materiell-rechtliche als auch der formell-rechtliche Teil des Prüfungsaufbaus erörtert. Im dritten Abschnitt geht es darum, welche Handlungsmöglichkeiten die StA hat. Hier wird unter anderem die Einstellung nach § 153 StPO behandelt und im Folgenden werden die Grundzüge der Anklageschrift erläutert. Außerdem gehen die Autoren auf die verschiedenen Arten der Beweismittel ein und erläutern den Erlass eines Strafurteils.

Im zweiten Teil werden verschiedene anwaltliche Aufgabenstellungen näher dargelegt, die einem in der Praxis als Strafverteidiger begegnen können. Es geht um die Maßnahmen des Verteidigers im Ermittlungsverfahren sowie um die Reaktionsmöglichkeiten bei der Anordnung der Untersuchungshaft. Außerdem wird die Zulässigkeit der Beschwerde und des Antrags auf richterliche Entscheidung erklärt.

Im dritten Teil dreht sich alles um das Strafurteil. Im ersten Abschnitt wird der Urteilskopf erörtert; im zweiten Abschnitt geht es um die Urteilsformel. Hier erklären die Autoren unter anderem den Ausspruch ohne Sachentscheidung sowie die Urteilsformel mit Sachentscheidung. Außerdem werden die möglichen Strafen dargelegt und die Kostenentscheidung bei Verurteilung sowie die Entschädigungsentscheidung erklärt. Der dritte Abschnitt handelt von den Entscheidungsgründen. Hier gehen die Autoren insbesondere auf Fragen der Strafzumessung ein. Außerdem wird das Urteil in Jugendsachen näher dargelegt und die Besonderheiten bei Berufungsurteilen erörtert.

Der vierte Teil widmet sich voll und ganz der Revision im Strafrecht. Die Autoren erklären das revisionsrechtliche Gutachten mit Zulässigkeit und Begründetheit sowie die damit verbundenen Zweckmäßigkeitserwägungen und Anträge.

Im fünften und letzten Teil geht es um den Aktenvortrag in der mündlichen Prüfung. Dabei wird hauptsächlich der richtige Aufbau eines Aktenvortrags erörtert.

Das ständig wachsende Angebot an Veröffentlichungen macht es nicht unbedingt einfacher, sich gezielt auf das Assessorexamen vorzubereiten. Hinzu kommt, dass die Stationsausbildung sehr aufwändig sein kann und wenig Zeit zum Lernen übrig lässt. Die Autoren wollen mit ihrer Veröffentlichung daher ein Buch vorlegen, welches den Examenskandidaten das grundlegende Handwerkszeug im Strafrecht vermitteln soll. Das Buch beschränkt sich daher auf das Wesentliche und versucht, sich nicht im Detail zu verlieren. Es stellt einen Überblick dar und hat nicht den Anspruch das komplette examensrelevante Wissen in seiner ganzen Tiefe bereitzustellen.

Schwerpunktmäßig erläutern die Autoren daher das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren. Der Behördenaufbau sowie das Zwischenverfahren werden getrost als Nebensache behandelt. Einen weiteren Schwerpunkt stellen die wesentlichen Fragen zum Strafurteil in erster Instanz dar. Außerdem wird die Revisionsklausur behandelt.

Mit knapp 200 Seiten ist das Werk schnell gelesen. Die übersichtliche Gliederung erleichtert das Zurechtfinden innerhalb des Prüfungsstoffs und bietet einen guten Überblick. Das Buch ist in einem angenehmen Schreibstil verfasst. Positiv hervorzuheben ist, dass die meisten Themenabschnitte mit einem Kapitel beginnen, in dem „Vorüberlegungen“ zum Thema angestellt werden und so den Einstieg in die Materie erleichtern. Der Band enthält außerdem viele kleine Beispielsfälle aus der aktuellen Rechtsprechung. Schade ist, dass keine Prüfungsschemata abgedruckt werden. Gerade bei der Revision hätte sich dies sicherlich angeboten. Insgesamt schaffen es die Autoren, die wichtigsten Themen auf knapp 200 Seiten abzudecken. Für die sorgfältige Examensvorbereitung ist es jedoch sicher nicht verkehrt, auch noch ein großes Lehrbuch zur Hand zu nehmen.