Sonntag, 3. September 2017

Rezension: Examens-Repetitorium Strafrecht Besonderer Teil

Jäger, Examens-Repetitorium Strafrecht Besonderer Teil, 7. Auflage, C.F. Müller 2017

Von Johann v. Pachelbel, Göttingen



Ein weiteres Mal wird der Klassiker der Examensvorbereitung im Strafrecht von Prof. Jäger neu aufgelegt. Dem Rezensenten liegt der 2. Teil zum Besonderen Teil des Strafrechts zur Rezension vor. Das Examinatorium von Jäger zum Strafrecht wird jedem Studenten in der Examensvorbereitung ein Begriff sein. Es galt nach der Erfahrung des Rezensenten im Studium als das Werkzeug für eine effektive Vorbereitung auf das Examen. Inwiefern das Examinatorium diesem Ruf auch in der neuen Auflage gerecht wird, soll im Folgenden untersucht werden.

Die Zielgruppe – Fortgeschrittene Studenten in der Examensvorbereitung – wird bereits im Vorwort deutlich erwähnt. Das Buch soll keine Grundlagen im Strafrecht vermitteln, sondern auf ihnen aufbauen. Es hat nicht den Anspruch, in großer Breite das vertiefte Wissen über den Besonderen Teil des Strafrechts zu vermitteln, sondern greift exemplarisch Probleme auf, anhand derer es die Technik und Methodik zur Falllösung im Strafrecht auf Examensniveau vermittelt. Auch keinen wissenschaftlichen Anspruch hat dieses Buch; es ist ein Examinatorium, das sich auf seine Kernaufgabe beschränkt.

So wird der umfangreiche Examensstoff zum besonderen Teil des StGB auf weniger als 500 Seiten vermittelt. Diese Knappheit drückt den großen Reiz des Repetitoriums aus – das Versprechen auf eine effektive Vorbereitung ohne unnötigen Zeitverlust mit der richtigen Priorisierung der Themen.

Gegliedert ist der Inhalt klassisch: Geordnet nach geschützten Rechtsgütern werden die Deliktsgruppen nacheinander dargestellt. Am Ende folgt ein Kapitel mit einigen weiteren examensrelevanten Deliktsgruppen. Die Darstellung der einzelnen Delikte beginnt mit einem Überblick über den Zweck der Norm, klausurträchtigen Problemen und neueren gesetzgeberischen Tätigkeiten. Danach folgt die Beschreibung des Tatbestandes. Der größere Teil der Darstellung betrifft dann einige klausurträchtige Problemklassiker, deren juristische Streitbarkeit tiefgehend erörtert wird. Verschiedene Lösungswege werden neutral nebeneinander gestellt. Am Ende folgt oft ein Absatz mit praktischen Klausurtipps. Kritisch kann angemerkt werden, dass nicht alle examensrelevanten Probleme eines jeden Straftatbestandes dargestellt werden. Dies ist jedoch gerade die Stärke des Examinatoriums. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber es vermittelt die notwenige Methodik und Problemlösungstechnik, womit dann auch alle weiteren Probleme gelöst werden. Das ist effektiv und zeitsparend.

Zwischen ausschweifender Wissensvermittlung und überknapper Darstellung methodischer Herangehensweisen muss jedes Examinatorium die Waage halten. Der Rezensent empfindet die Balance des Jäger-Repetitorium besonders gelungen. Wie schon erwähnt, wird auf Vollständigkeit kein Anspruch erhoben. Jedoch wird – wenn auch zuweilen in arg knappen Wörtern – dann doch mit ziemlicher Gründlichkeit jeder Straftatbestand in vielen Facetten abgearbeitet. Angst vor zu wenig Wissen, welches dort vermittelt wird, braucht man also nicht zu haben. Vielmehr ist eine gesunde Neugier erforderlich, die dazu anregt, zuweilen mit Kommentar und Lehrbuch einige weiße Flecken (die übrigens meist in den Fußnoten angedeutet sind) zu füllen.

Eine großartige Unterstützung beim Arbeiten mit dem Buch sind die in die Darstellung eingearbeiteten Fälle. Über 80 Stück sind es, die samt Lösungsskizzen im Fließtext die Darstellung des Besonderen Teils des StGB begleiten. Sie werden nicht dem Kapitel vorne angestellt oder hinten angehängt, sondern dort eingefügt, wo das jeweilige Problem besprochen wird. Die Fülle an Fällen ist überwältigend, nach dem Studium dieses Buches kennt der Student die wichtigsten Entscheidungen zum jeweiligen Delikt. Besonders gefallen hat dem Rezensenten die Aktualität der dargestellten Fälle. Bis Ende 2016 wurde die Rechtsprechung berücksichtigt und es finden sich viele Entscheidungen des BGH aus den Jahren 2015, 2016, die in die Darstellung eingebaut und mit einer didaktisch wertvollen Lösungsskizze versehen wurden. So ist der Bearbeiter auf dem neuesten Stand der Rechtsprechung.

Resümee: Der Rezensent hat sich selbst mit diesem Examinatorium auf das Examen vorbereitet. Gerade in der Endphase, wo Wissensaufnahme abgeschlossen ist und eine gute Wiederholung, Aufarbeitung und intellektuelle Durchdringung des Stoffes gefragt ist, war das Examinatorium dem Rezensenten eine große Hilfe. Es ist wärmstens zur Examensvorbereitung zu empfehlen und wird dem exzellenten Ruf des Jäger-Examinatoriums zum Strafrecht mehr als gerecht.