Mittwoch, 8. November 2017

Rezension: The European Capital Markets Union

Dombred / Kenadjian (Hrsg.), The European Capital Markets Union, 1. Auflage, de Gruyter 2015

Von David Eckner, LL.M. (KCL), Düsseldorf



Das Institute for Law and Finance (ILF) der Goethe-Universität Frankfurt am Main ist ein steter Lieferant hochqualitativer Diskussionen um das deutsche, europäische und internationale Finanzmarktrecht. In der von Theodor Baums und Andreas Cahn herausgegebenen Publikationsreihe „Institute for Law and Finance Series“ erschien das dieser Besprechung zugrundeliegende Kompendium „The European Capital Markets Union – A Viable Concept and A Real Goal?“. Andreas Dombret und Patrick Kenadjian, die editierenden Herausgeber dieses, nunmehr siebzehnten Bandes der Serie, haben ein zehnköpfiges Autorenteam verpflichten können, ihre Insights zu einem nach wie vor brandaktuellen Thema – die europäische Kapitalmarktunion – zusammenzustellen. Die Kontributorenliste liest sich wie ein Who’s Who des europäischen Finanzmarkts. Vertreten sind Benoît Coeuré (Mitglied des Executive Boards der Europäischen Zentralbank), Christian Ossig (Policy Advisor im Institute of International Finance), Dirk Schoenmaker (Dekan der Duisenberg School of Finance), Anshu Jain (ehemals Vorstand der Deutsche Bank AG), Andrew Bosomworth (Head of PIMCO Portfolio Management Deutschland), Philipp Hildebrand (Vice Chairman von BlackRock), Alexandra Hachmeister (Chief Regulatory Officer der Deutsche Börse AG), Wim Mijs (Chief Executive der European Banking Federation), Cyrus Ardalan (Vice Chairman der Barclays Bank) und Sir Jon Cunliffe (Deputy Governor der Bank of England).

Zusammen beleuchten die Autoren aus der Heterogenität ihrer beruflichen Einsatzfelder das am 18. Februar 2015 von der Europäischen Kommission veröffentlichte Grünbuch zur Schaffung eines Europäischen Kapitalmarkts. Die Sammlung der Beiträge geht zurück auf ein Symposium, dass das ILF am 18. März 2015 anlässlich des Grünbuchs in Frankfurt am Main veranstaltet hat. Auf mehr als hundert Seiten verschaffen die Leiter und Lenker dieser Idee einen Überblick dazu, welche Auswirkungen eine europäische Kapitalmarktunion haben wird und wie sie auf die Finanzmarktteilnehmer ausstrahlt. In Zeiten der Austrittsverhandlungen mit Großbritannien, dem bevorstehenden Brexit und anhaltenden Regulierungswellen bezeugt die Diskussion mehr denn je ihre Aktualität. Neben quantitativen und qualitativen Auswirkungsstudien (wie etwa Coeurés „Capital Markts Union in Europe: an ambitious but essential objective, S. 3 ff.) werden zugleich Schnittstellen diskutiert (wie etwa Schoenmakers „From Banking Union to Capital Markets Union“, S. 38 ff.) und die Vision einer Kapitalmarktunion kritisch beleuchtet (so Ardalans „A Vision for Capital Markets Union“, S. 82 ff.). Die einzelnen Beiträge sind weit überwiegend in der Vortragsform belassen, verfügen jedoch in den meisten Fällen über einen Referenzkatalog. Hierdurch wird ermöglicht, die aufgeworfenen Thesen zu vertiefen und das Meinungsbild mit weiteren Quellen aus Literatur und Praxis zu schärfen. Den Ansichten der Autoren liegt die gemeinsame Übereinstimmung zugrunde, dass die europäische Kapitalmarktunion kein Substitut für bestehende Marktstrukturen darstellt, sondern eine weitere Quelle der Kapitalmarktfinanzierung – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – darstellt. Gerade diese Diversifizierung der Finanzierungsquellen wird als ein fortschrittliches und innovatives Momentum des europäischen Gesetzgebers gesehen.

Das Kompendium ist eine spannende und unterhaltende sowie besonders zu empfehlende Lektüre. In der mittlerweile stark durchdrungenen, wissenschaftlichen Befassung mit den Auswirkungen einer Kapitalmarktunion – auch im Lichte des neuen Regelungspaket MiFID II/MiFIR – ist insbesondere der Praxisblick der Autoren im vorliegenden Bank eine wohlwollende Abwechslung.