Montag, 13. November 2017

Rezension: HGB

Oetker (Hrsg.), Kommentar zum Handelsgesetzbuch, 5. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Notarassessor Dr. Jan Hupka, LL.M. (Chicago), Hamburg



Der „Oetker“ hat sich seit Erscheinen der ersten Auflage im Jahr 2009 zu einem der Standardwerke unter den einbändigen HGB-Kommentaren entwickelt (siehe bereits die Besprechung der 4. Auflage). Die zu besprechende fünfte Auflage setzt die Tradition einer an den Bedürfnissen der Praxis orientierten Kommentierung mit Schwerpunkt auf dem Recht der Personenhandelsgesellschaft unter Einbeziehung des Konzernrechts sowie des Insolvenzrechts fort. Daneben werden weiterhin rechtsgeschäftliche Unternehmensübertragungen sowie die Vorschriften des Seehandelsrechts erläutert. Auf eine Kommentierung des Bilanzrechts im 3. Buch des HGB wird weiterhin aufgrund dessen Eigenständigkeit verzichtet.

Bei einem gut eingeführten Werk fällt der Blick bei einer Neuauflage naturgemäß auf die Neuerungen. Dies sind bei der fünften Auflage zunächst einmal die beiden neuen Autoren Dr. Jan Lieder und Dr. Frauke Wedemann, beide Universitätsprofessoren.

Professor Lieder hat die gelungene Kommentierung der §§ 105 bis 122 HGB von Professorin Birgit Weitemeyer an den aktuellen Gesetzesstand angepasst (etwa die Änderungen durch die Aktienrechtsnovelle in § 108) und behutsam fortentwickelt. In einzelnen Streitpunkten setzt er sich auch bewusst von der Vorgängerkommentierung ab; etwa bei der für die Praxis von Publikums-KGs wichtigen Frage der Zulässigkeit von uneingeschränkten Generalvollmachten, die Lieder für zulässig erachtet (§ 108 Rn. 15).

Noch einen Schritt weitergegangen ist Professorin Wedemann, die die Vorschriften zur stillen Gesellschaft sehr umfassend überarbeitet hat. Die Neubearbeitung ist äußerst gelungen und behandelt neben Mezzanine Finanzierungsinstrumenten auch etwa die neuesten Einsatzzwecke stiller Gesellschaften wie etwa das sog. Crowdinvesting (§ 230 Rn. 11 ff.).

Hervorzuheben ist der Abschnitt zum Unternehmenskauf des Autors Vossler (§§ 25- 28 Anh.), der weit über eine Kommentierung der relevanten Normen des HGB hinausgeht. Der Abschnitt bietet einen äußerst instruktiven Einblick in die Grundlagen des Unternehmenskaufs.

Wenngleich sich der Autorenkreis weiterhin überwiegend aus Universitätsprofessoren zusammensetzt, verlieren sich auch die übrigen Kommentierungen keineswegs in rein akademischen Streitständen, sondern zeichnen sich durch hohe Praxisrelevanz aus. Gleichwohl ist die wissenschaftliche Tiefe für einen einbändigen Kommentar bemerkenswert.

Die Darstellung ist weiterhin übersichtlich und durch Querverweise – auch auf die Kommentierungen unterschiedlicher Kommentatoren – wird die vielfach beschworenen Kommentierung „aus einem Guss“ gewährleistet.

Insgesamt bestätigt der „Oetker“ auch in der Neuauflage den äußerst positiven Eindruck der ersten vier Auflagen. Er schließt in vorzüglicher Weise die Lücken zwischen dem in Teilen knappen Klassiker „Baumbach/Hueck“ und dem sehr ausführlichen und damit nicht ganz günstigen Münchener Kommentar zum HGB. Die Anschaffung kann dem mit dem HGB befassten Praktiker damit nur ans Herz gelegt werden.