Freitag, 22. Dezember 2017

Rezension: Das Arbeitszeugnis in der Betriebsratspraxis

Kilian, Das Arbeitszeugnis in der Betriebsratspraxis, 1. Auflage, Vahlen 2017

Von Jan Bley, Göttingen


Das in der 1. Auflage erschienene Informationsheft zu den wesentlichen Fragen um „Das Arbeitszeugnis in der Betriebsratspraxis“ wurde von der Juristin und Zeugnisberaterin Claudia Kilian verfasst. Kilian ist als Referentin tätig und hat bereits einschlägige Werke verfasst, wie z.B. „Das Arbeitszeugnis“, das 2015 in der 2. Auflage im Beck-Verlag erschien. Fragestellungen betreffend die Praxis der Zeugnisausstellung werden in dem Werk nach sieben Kategorien und 38 fortlaufend nummerierten Fragen beantwortet.

Teil I. behandelt praktische Belange, wie die Fragen, ob Arbeitszeugnisse zeitgemäß sind (S. 3) oder sich Mitarbeiter das Zeugnis selbst schreiben dürfen (S. 4). In Teil II. wird der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis dargestellt. Die Autorin nennt so die Anspruchsberechtigten (S. 5) und erarbeitet weitere Thematiken wie den Verfall des Anspruchs auf ein Arbeitszeugnis (S. 7). In dem III. Teil werden grundsätzliche (S. 8 f.) sowie spezielle Formerfordernisse (bspw. die zur Unterschrift verpflichtete Person, S. 9) behandelt. Teil IV. stellt den Inhalt eines Arbeitszeugnisses dar und erklärt unter Frage 18 (S. 12 f.) insbesondere, welche Formulierungen für welche Notenstufen bei der Leistungsbeurteilung stehen. Teil V. geht daran anschließend auf ausgewählte Besonderheiten bei der Ausstellung eines Zwischenzeugnisses ein. Die Teile VI. und VII. geben einen ersten Überblick über die Prüfungsmethoden hinsichtlich der Qualität eines Arbeitszeugnisses und Methoden zur Streitlösung um die richtigen Formulierungen in einem Zeugnis. Auf den anschließenden S. 26-31 finden sich u.a. Muster für eine Checkliste zur Überprüfung der Vollständigkeit eines Arbeitszeugnisses oder ein Empfehlungsschreiben zur Betriebsratszugehörigkeit. Das Stichwortregister am Ende des Hefts ermöglicht das Auffinden von bestimmten Begriffen, wäre aufgrund der übersichtlichen Struktur und des geringen Umfangs des Hefts aber nicht notwendig gewesen.

Das Heft ist um eine schlüssige und gut lesbare Struktur bemüht und hält die Unterteilung nach den eben genannten Teilen ein. Allerdings unterliegt auch dieses Werk der Schwierigkeit, einerseits eine gut zugängliche und überschaubare Unterteilung zu schaffen, anderseits jedoch alle Thematiken zusammenhängend zu besprechen. Dies führt an einigen Stellen dazu, dass bei der Lektüre einer Frage zur vollständigen Beantwortung auf eine andere Frage verwiesen wird (bspw. Frage 21, S. 15 – Verweis auf Frage 23, S. 16; oder besonders häufig in Frage 16, S. 11 – Verweise auf Frage 17, S. 11 f., Frage 18 S. 12 f. und Frage 20, S. 13 f.). Da dieses informative Heft mit einer Länge von insgesamt 31 Seiten, von denen indes lediglich 22 Seiten Fließtext sind, einen überschaubaren Umfang hat und zur Volllektüre einlädt, dürfte diese Tatsache jedoch mit wenig Umständen verbunden sein.

Kilian übt sich in leicht verständlicher und gleichwohl präziser Sprache, die den Zugang zur auch in der rechtswissenschaftlichen Praxis zuweilen wenig durchdrungenen Thematik der Erstellung von Arbeitszeugnissen erleichtert. Inhaltlich ist besonders herauszustellen, dass die Notenstufen der Zeugniserteilung mit den dazugehörigen Formulierungen und einer Pointierung der relevanten Unterschiede („Note befriedigend: Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit. [zeitlicher Aspekt fehlt und eine passive Haltung wird ausgedrückt]“ Frage 18, S. 12 f.) sowie unzulässige Geheimzeichen dargestellt werden („senkrechter Strich links neben Unterschrift [Gewerkschaft]“ Frage 22, S. 15). Dies bringt nicht nur Licht in die Causa der Zeugniserstellung, sondern sensibilisiert auch für mögliche Fallstricke.

Dem selbst auferlegten Anspruch, Betriebsräten von Unternehmen einen praktischen Leitfaden zur Beantwortung von Arbeitszeugnisse betreffende Fragen zur Verfügung zu stellen, wird das Werk insbesondere durch Bezugnahmen auf Sonderproblematiken des Betriebsrates gerecht (Frage 4, S. 4; Frage 23 S. 16).

Mit einem Gesamtumfang von 31 Seiten und 22 Seiten Fließtext ist das Heft sehr leicht zugänglich und umreißt nichtsdestoweniger die grundlegenden Fragen um die Praxis der Arbeitszeugniserteilung. Mit 12,90 € ist das Werk gemessen an dem Umfang relativ teuer. Die wertige Einbindung flankiert jedoch den stimmigen inhaltlichen Auftritt von „Das Arbeitszeugnis in der Betriebsratspraxis“, weshalb die Kaufempfehlung für alle Betriebsratsmitglieder ohne vertiefte Kenntnisse der Praxis von Arbeitszeugnissen und den verwendeten Codes sowie alle weiteren an einem grundlegenden Einstieg in die Materie Interessierten ausgesprochen wird.