Dienstag, 19. Dezember 2017

Rezension: Inobhutnahme

Trenczek / Düring / Neumann-Witt, Inobhutnahme, 3. Auflage, Boorberg 2017

Von RA'in, FA'in für Medizinrecht, FA'in für Sozialrecht Elvira Bier, Saarbrücken

  
Das Werk „Inobhutnahme“ – Krisenintervention und Schutzgefährdung durch die Jugendhilfe § 8a, §§ 42, 42a ff SGB VIII von Trenczek, Düring, Neumann-Witt ist mittlerweile in der 3. Auflage erschienen und hat den Anspruch, zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Praxis beizutragen. Die empirischen Daten sind auf dem aktuell verfügbaren Stand, Rechtsprechung und Literatur sind bis Ende Januar 2017 eingearbeitet.

Im 1. Kapitel werden die wichtigsten sozialpädagogischen Grundlagen der Krisenintervention dargestellt und die interdisziplinären Erkenntnisse der Bezugswissenschaften zugänglich gemacht. Hilfreich sind die Übersichten, wie beispielsweise „Notfallsetinobhutnahme“ oder „Risikobereiche und Beispiele von Risikofaktoren zur strukturellen Einschätzung der Misshandlungs- und Vernachlässigungsrisiken!“

Das 2. Kapitel widmet sich der Praxis der Inobhutnahme im Spiegel der statistischen Daten. Auch hier finden sich interessante Übersichten und tabellarische Darstellungen, die unter anderem die statistische Entwicklung der Inobhutnahmen aufzeigen, gegliedert in Altersstruktur und Sprache (von 1995 bis 2015).

Im 3. Kapitel führen die Autoren in die unverzichtbaren verfassungsrechtlichen, familien- und sozialrechtlichen Grundlagen der Schutzverpflichtung und Inobhutnahme durch die Jugendhilfe ein.

Im 4. Kapitel schließlich folgen Ausführungen zur Krisenintervention nach dem SGB VIII, wobei ausführlich auf den Umgang mit Gefährdungsmeldungen nach der Vorschrift des § 8a SGB VIII und die Inobhutnahme eingegangen wird. Das Kapitel schließt mit der vorläufigen Inobhutnahme und dem bundesweiten Verteilungsverfahren, in dem auch auf die aktuelle Problematik der Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge eingegangen wird.

Im Anhang werden exemplarisch 20 zum Teil in der Fachgruppe Inobhutnahme der IGfH (Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfe e.V.) vertretenen Einrichtungen dargestellt.

Das Werk enthält vielzählige Übersichten, Tabellen und Fallbeispiele, die wertvolle Hilfestellungen geben. In den Fußnoten sind aktuelle Literatur- und Rechtsprechungsnachweise eingearbeitet, wie aber auch praxisnahe Handlungsempfehlungen (Beispiel: Handlungsempfehlungen zum Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen).

Ziel des Handbuchs ist, mit einer interdisziplinären Perspektive und gleichzeitig der erforderlichen disziplinär-fachlichen Gründlichkeit eine Orientierung für die schwierige Arbeit im Alltag der Krisenintervention durch die Jugendhilfe zu geben.

Es wird Praktikern, insbesondere Sachbearbeitern in Jugendschutzstellen und Jugendämter anempfohlen, gerade weil das Werk Antworten für den Arbeitsalltag bietet und auf Einzelfragen eingeht. Das Buch wendet sich aber auch an Studierende und Neueinsteiger, die hierdurch eine umfassende Darstellung in der Jugendhilfe erhalten. Mit einem Preis von 69,00 Euro ist das Handbuch auch als günstig zu bewerten.