Freitag, 5. Januar 2018

Rezension: Beck'sche Schmerzensgeldtabelle

Slizyk, Beck’sche Schmerzensgeldtabelle 2018, 14. Auflage, C.H. Beck 2018

Von RAin, FAin für Verkehrsrecht Barbara Krumbacher, Kaiserslautern



Im C.H. Beck-Verlag ist nunmehr die 14. Auflage der Schmerzensgeldtabelle des Rechtsanwalts, Beraters im Bereich des Schadensmanagements und Autors Andreas Slizyk erschienen, in die zahlreiche Änderungen und Ergänzungen in Rechtsprechung und Gesetzgebung zum Thema Schmerzensgeld eingearbeitet wurden.

Auch die neue, überarbeitete Auflage ist in zwei Hauptteile gegliedert, nämlich eine praxisorientierte Kommentierung des Schmerzensgeldrechts und eine Urteilssammlung, die mehr als 3.950 gerichtliche Entscheidungen umfasst.

Die Kommentierung zum Schmerzensgeldrecht ist im Vergleich zu anderen Standardwerken sehr umfangreich und umfasst nicht nur die Grundlagen des Schadensrechts unter Einbeziehung der gesetzlichen Änderungen seit dem Jahr 2002, sondern beleuchtet auch die Entwicklung der höchstrichterlichen Rechtsprechung mit entsprechender Darstellung der einschlägigen Grundsatzurteile und der aktuellen Entscheidungen.

Des Weiteren werden im ersten Hauptteil des Kommentars mehr als 200 Urteile zu besonderen Verletzungsarten bis hin zur neuesten gesetzgeberischen Entscheidung zur Einführung eines Anspruchs auf Hinterbliebenengeld erläutert. Sehr interessant ist auch die Zusammenstellung äußerst öffentlichkeitsträchtiger Fälle („Wörz“, „Kohl“, „Kachelmann“, „Erdogan“, „Schumacher“, „Rosenball-Urteil“; „Brustimplantate“ etc.), die bereits in der Presse für Aufmerksamkeit gesorgt haben.

Für die Umsetzung in der Anwaltstätigkeit äußerst hilfreich sind die eingefügten Praxishinweise, in denen der Autor in die einzelnen Kapitel jeweils Tipps zur Geltendmachung und Bemessung von Schmerzensgeld einfließen lässt.

Die Darstellung des ersten Hauptteils ist sehr umfangreich und umfasst neben haftungsrechtlichen Grundlagen auch Fragen der Verjährung und prozessuale Aspekte, allerdings ist die Gliederung nicht sehr übersichtlich und in Teilen erschließt sich die Systematik der aufgeführten Urteile auch nicht. Hier kann jedoch auf das Inhaltsverzeichnis zurückgegriffen werden, das ein Nachschlagen zu einzelnen Stichworten erleichtert.

Im zweiten Hauptteil werden sodann die Schmerzensgeldentscheidungen mit der Auflistung „von Kopf bis Fuß“ vorgestellt. Die Gliederung nach den betroffenen Körperteilen ist insoweit gut nachvollziehbar, wenn auch die einzelnen Verletzungsfolgen durch die drucktechnische Umsetzung auf den ersten Blick nicht sehr übersichtlich sind. Ferner wäre es wünschenswert gewesen, wenn bei den älteren Entscheidungen eine Indexanpassung stattgefunden hätte.

Dass die HWS-Verletzung gesondert behandelt wird, ist in Anbetracht ihrer praktischen Bedeutung sinnvoll. Allerdings vermutet man diese zusammen mit Schnitt-, Quetsch- und Platzwunden sowie Stauchungen und Zerrungen nicht unbedingt unter dem Oberbegriff „Alltägliche Verletzungen“. Dies ist jedoch im Inhaltsverzeichnis wiederum erläutert, so dass man die HWS-Verletzungen, die man zunächst im Bereich der Halsverletzungen vergeblich sucht, dann doch findet.

Gut gelöst und übersichtlich ist jedenfalls die drucktechnische Hervorhebung der Arzthaftungsfälle, die durch den grau hinterlegten Bereich sofort ins Auge springen.

Sehr positiv zu vermerken ist, dass jedes Exemplar der Schmerzensgeldtabelle eine persönliche Freischaltnummer enthält, mit deren Hilfe sich der Leser problemlos auf der angegebenen Homepage des Verlages anmelden und sich für die Onlineversion der Schmerzensgeldtabelle freischalten lassen kann. Für bereits registrierte Beck-Online-Kunden ist dies mit wenigen Schritten erledigt. Im Vergleich zu der Verwendung von CD-ROMs, wie dies bei anderen Verlagen teilweise praktiziert wird, ist diese technische Umsetzung sehr gelungen. Die Online-Variante ist auch übersichtlich und einfach zu handhaben.

Insgesamt ist das Werk zu empfehlen, zum einen wegen der umfangreichen und praxisnahen Ausführungen zum Schmerzensgeldanspruch im Hinblick auf Rechtsgrundlage und Systematik, zum anderen aber auch wegen der übersichtlichen Gestaltung der einzelnen Entscheidungen nach Körperregionen. Allein die Möglichkeit der Online-Recherche rechtfertigt die Anschaffung des Buches auf jeden Fall.