Mittwoch, 17. Januar 2018

Rezension: Der Gesellschafterstreit

Lutz, Der Gesellschafterstreit in der GbR, PartG, OHG, GmbH & Co. KG und GmbH, 5. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Notar Dr. Jan Hupka, LL.M. (Chicago), Hamburg

  
Das Thema Corporate Litigation ist in den vergangenen Jahren zunehmend Gegenstand von Handbüchern und Praktiker-Publikationen geworden; etwa in dem Handbuch Gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten von Mehrbrey oder in dem neuen siebten Band des Münchener Handbuchs zum Gesellschaftsrecht. Das zu besprechende Werk nimmt in diesem Segment eine Sonderstellung ein, als es in nunmehr bereits fünfter Auflage seit der Erstauflage im Jahr 2001 erscheint. Zudem liegt eine Besonderheit darin, dass Reinhard Lutz das Buch als Alleinautor verfasst hat, sodass es wahrlich eine Bearbeitung aus einem Guss ist.

Den Schwerpunkt legt Lutz auf die personalistisch strukturierten Gesellschaften, während konzern- und aktienrechtliche Fragen gänzlich ausgeklammert sind. Der Aufbau orientiert sich dabei nicht an der jeweiligen Rechtsform, sondern fasst die typischen Konfliktfelder und Erscheinungsformen in fünf Teilen zusammen, etwa den Streit über Gesellschafterentscheidungen durch Beschlussfassung, die streitige Abberufung der Geschäftsführung oder die Vermeidung und außergerichtliche Beilegung von Gesellschafterstreitigkeiten. Der Aufbau überzeugt im Hinblick auf die Personengesellschaften – die inhaltlich in vielen Gesichtspunkten übereinstimmen – durchweg. Für die GmbH wäre an einzelnen Stellen eine ausführlichere Behandlung der Spezifika dieser Kapitalgesellschaft wünschenswert. Dies wäre jedoch zugegebenermaßen zu Lasten der Kompaktheit des Werks gegangen.

Das Werk ist konsequent aus der Perspektive des Praktikers geschrieben und enthält praktische Hinweise, Checklisten sowie eine Formularsammlung. Streitstände sind aufgenommen, aber nicht bis in alle Verästelungen dargestellt. Wer hier tiefer bohren möchte, wird allerdings in den ausführlichen Fußnoten fündig. Hilfreich ist dabei, dass die Fußnoten nicht nur auf die einschlägigen Gerichtsentscheidungen verweisen, sondern diese häufig auch knapp zusammenfassen. Dies erleichtert dem Praktiker den schnellen Zugriff.

Dabei legt der Autor nicht nur dar, wo typischerweise Streitigkeiten auftreten, sondern macht auch Vorschläge zur Vertragsgestaltung, um Streitigkeiten bereits im Vorfeld zu verhindern (vgl. Abschnitt „Streitvermeidung durch Vertragsgestaltung“ S. 299 ff. sowie die Muster ab S. 497). Ein eigener Abschnitt ist Klagen vor Schiedsgerichten gewidmet. Dies überzeugt, da Schiedsgerichte gerade für Gesellschafterstreitigkeiten aufgrund der Vertraulichkeit besonders geeignet sind. Auch die erst kurz vor Erscheinen des Werks ergangene BGH-Entscheidung „Schiedsfähigkeit III“ ist dabei berücksichtigt und ausgewertet (S. 471 f.).

Insgesamt überzeugt das Werk auch in der fünften Auflage und dürfte trotz der gestiegenen Konkurrenz seinen festen Platz in der Handbibliothek des mit gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten befassten Anwalts haben. Daneben können auch (Schieds-)Richter das Buch mit Gewinn zur Hand nehmen. Und schließlich empfiehlt sich auch für Vertragsgestalter ein Blick auf potentielle gesellschaftsrechtliche Konfliktfelder.