Samstag, 6. Januar 2018

Rezension: Handbuch des Arbeitsrechts

Dörner / Luczak / Wildschütz / Baeck / Hoß (Hrsg.), Handbuch des Arbeitsrechts, 14. Auflage, Luchterhand 2017

Von Rechtsanwältin Tanja Fuß, MPA, Stuttgart


Im Handbuch des Arbeitsrechts (in den Vorauflagen noch Handbuch des Fachanwalts Arbeitsrecht genannt) werden auf knapp 3000 Seiten nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen die Bereiche Individualarbeitsrecht, Kollektives Arbeitsrecht und Arbeitsgerichtsverfahren behandelt, bevor in einem Anhang in Vergleichstabellen zum Vertragstext EGV (Maastricht bzw. Amsterdam u. Nizza) und EUV/AEUV die Nummerierung der verschiedenen Verträge miteinander verglichen wird. Ein ausführliches Stichwortverzeichnis von über 70 Seiten, damit man schnell die passende Stelle findet, rundet das Buch ab.

Im Teil Individualarbeitsrecht werden Anbahnung und Begründung, Inhalt und Beendigung des Arbeitsverhältnisses, befristete und auflösend bedingte Arbeitsverträge, der Aufhebungsvertrag, die Altersteilzeit, die sozialrechtlichen Folgen einer Kündigung bzw. Beendigung eines Arbeitsverhältnisses und die Pflichten bei einer Beendigung besprochen. Beim kollektiven Arbeitsrecht geht es um die Themen Arbeitskampfrecht, Tarifvertragsrecht, Unternehmensmitbestimmung und Betriebsverfassungsrecht. Beim Arbeitsgerichtsverfahren wird auf die Gerichtsorganisation und Zuständigkeit, das Urteils- und Beschlussverfahren, besondere Verfahrensarten und Vergütungsfragen eingegangen.

An zahlreichen Stellen finden sich grau hinterlegt Kästchen, in der Wichtiges bzw. der Inhalt wichtiger Urteile zusammengefasst wird. Insgesamt mehr als 300 Mustertexte, Checklisten, Rechenbeispiele und kleine Beispielsfälle veranschaulichen die Ausführungen. So gibt es Mustertexte, etwa für einzelne Klauseln in Arbeits- und Aufhebungsverträgen, Zeugnisformulierungen oder eine datenschutzrechtliche Einwilligung des Arbeitnehmers, für Klageanträge und das richtige Rubrum. Die kleinen Beispielsfälle sind oft gerichtlichen Entscheidungen nachempfunden. Vor allem im Kapitel über die Rechtsanwaltsgebühren finden sich diverse Rechenbeispiele. Sehr hilfreich sind auch die Tabellen, etwa zu den Altersgrenzen für die gesetzliche Rente je nach Geburtsjahr oder die Checklisten, beispielsweise zu Wahlausschreiben bei einer Betriebsratswahl oder zur Mandatsannahme. Auch bei der Ermittlung der gewählten Personen bei einer Betriebsratswahl hilft das Beispiel, in dem das Wahlergebnis nach dem Höchstzahlverfahren von D´Hondt ausgewertet wird, bei der praktischen Umsetzung.

Die Ausführungen sind konsequent auf die Praxis ausgerichtet. So wird beispielsweise bei der Kündigung von low performern darauf eingegangen, welche Fehler in der Praxis oft gemacht werden, nämlich ein zu langes Dulden der geringen Leistung und zu gute Bewertungen, um Konflikte zu vermeiden. Auch werden Empfehlungen gemacht, wie man richtigerweise vorgehen sollte. Auch an diversen anderen Stellen, insbesondere beim Kündigungsschutz- und Einigungsstellenverfahren, finden sich Ausführungen zur Strategie.

Die 14. Auflage ist am 25.10.2017 erschienen. In ihr sind zahlreiche gesetzliche Änderungen berücksichtigt worden, etwa die aktuelle Entwicklung zum Mindestlohn, die Einführung der Anhörung der Schwerbehindertenvertretung vor Ausspruch einer Kündigung eines Schwerbehinderten, Änderungen beim Bundesteilhabegesetz, die neue Arbeitsstättenverordnung, die Neufassung des BDSG samt dem geplanten Beschäftigtendatenschutz, die Änderungen bei der Leiharbeit und zur Bekämpfung des Missbrauchs von Werkverträgen, die Änderung des § 309 Nr. 13 BGB (nur noch Textform statt Schriftform als Formerfordernis zulässig) samt Auswirkungen auf Klauseln zu Ausschlussfristen und die Aktualisierung des Streitwertkatalogs.

Sowohl das Herausgeberteam als auch das Autorenteam besteht aus einer ausgewogenen Mischung aus Richtern und Rechtsanwälten.

Der Preis von 149,00 € erscheint angesichts des gelieferten Inhalts und Umfangs mehr als angemessen.