Sonntag, 21. Januar 2018

Rezension: Smarter Schneller Besser

Duhigg, Smarter Schneller Besser, 1. Auflage, Redline Verlag 2017

Von Wirtschaftsjurist Christian Paul Starke, LL.M., Bad Berleburg

  
Das vorliegende Werk ist die deutschsprachige Übersetzung des 2016 auf Englisch erschienenen Originals des New York Times-Autors und Pulitzerpreis-Trägers Charles Duhigg. Dieser macht es sich in seinem Buch zur Aufgabe, dem Leser die acht seiner Ansicht nach grundlegendsten Prinzipien aus der – wie er sie selbst nennt – „Wissenschaft der Produktivität“ nahezubringen, um diesen zu einem effizienteren Arbeiten zu befähigen. Dazu bedient er sich einer interessant zu lesenden Mischung aus einer Sammlung verschiedener Kurzgeschichten mit Ratgeberelementen, garniert mit jeder Menge wissenschaftlich belegter Fakten, die dem professionellen Anspruch des Werkes entsprechen.

Es handelt sich bei dem Buch um ein Hardcover, so dass man es gut mitnehmen und auf dem Weg zur Arbeit in Bus und Bahn lesen kann. Insgesamt umfasst es gut 400 Seiten, wovon allerdings allein 70 auf die Endnoten mit der zitierten Literatur entfallen. Dem Autor gelingt es, die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse sowohl sprachlich als auch inhaltlich so darzustellen, dass ein sehr gut zu lesender Text entsteht, der nie trocken oder schwerfällig wirkt, sondern die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Dabei stehen die einzelnen Kapitel zwar thematisch selbstständig nebeneinander, werden aber immer wieder durch Rückbezüge seitens des Autors in einen inneren Bezug zueinander gesetzt. Einzig negativ fallen die immer wieder anzutreffenden kleineren Grammatik- und Zeichensetzungsfehler ins Auge, die mit einem sorgfältigeren Lektorat hätten verhindert werden können. So finden sich leider fehlende Anführungszeichen und insbesondere Sätze, deren ursprünglich geplante Formulierung offensichtlich im Verlauf des Schreibens geändert, der Satzanfang aber nie angepasst wurde.

Das Werk beginnt mit einer kurzen Einleitung, in der die Entstehungsgeschichte des Buches dargestellt, insbesondere der Bezug des Autors zur Produktivitätsforschung erläutert wird. Daran anschließend stellt dieser in acht selbstständigen, jeweils in sich inhaltlich abgeschlossenen Kapiteln die verschiedenen – seiner Ansicht nach wichtigsten – Prinzipien für ein effizienteres Arbeiten vor. Den Schwerpunkt bilden dabei die einzelpersonenbezogenen Optimierungsmethoden – die Fähigkeiten zur Selbstmotivation und zur Sensibilisierung für die in einer Situation tatsächlich relevanten Informationen, das richtige Definieren der eigenen Ziele, das Treffen besserer und fundierterer Entscheidungen, die Frage, wie Innovationen entstehen sowie die Methoden zur optimalen Nutzung der verfügbaren Daten –, er geht darüber hinaus aber auch auf einzelne Aspekte zur Verbesserung der Arbeit in Organisationen ein, indem er die Grundlagen optimaler Teamzusammenarbeit und des Lean Management vorstellt.

Die einzelnen Kapitel folgen stets einem ähnlichen Aufbau: Anhand zweier voneinander unabhängigen Geschichten aus der Praxis erschafft der Autor für den Leser einen anschaulichen Bezugsrahmen für die Problematik, um diese dann anhand der wissenschaftlichen Untersuchungen und Befunde zu erläutern und zu untermauern. Der erste Beispielsfall kann dabei den Weg zu den entsprechenden Forschungsfragen nachzeichnen oder auch – anhand teils drastischer Exempel – darlegen, zu welchen Folgen ein Mangel der entsprechenden Fähigkeiten schlimmstenfalls führen kann. Das zweite Beispiel dient dann zur Veranschaulichung der heutigen Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis. Die Geschichten werden dabei nicht räumlich getrennt erzählt, der Autor wechselt vielmehr immer wieder zwischen den einzelnen Handlungssträngen, während er die Entwicklung der dazugehörigen wissenschaftlichen Forschung mit einstreut. Dabei verzichtet er innerhalb der einzelnen Kapitel auf explizite Schlussfolgerungen aus den Befunden für die Selbstorganisation und bewahrt sich diese für den abschließenden Anhang auf. Dies führt dazu, dass der interessierte Leser aus einer rein rezeptierenden in eine aktive Rolle versetzt wird, in der er bereits beim Lesen der einzelnen Abschnitte versuchen wird, die hieraus für sein eigenes Leben und Arbeiten relevanten Informationen zu extrahieren. Hierdurch wird das Verstehen der dargestellten Inhalte deutlich verbessert.

Zuletzt zeigt Charles Duhigg im Anhang auf, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse für das eigene Arbeiten nutzbar machen lassen. Dies veranschaulicht er für vier der acht Prinzipien anhand seines eigenen Lebens, indem er die ihm dort begegnenden Probleme schildert und die von ihm hierfür entwickelten Lösungen erläutert. Für die anderen vier Prinzipien fasst er die wichtigsten Erkenntnisse aus den jeweiligen Kapiteln zumindest nochmals kurz zusammen, um sie für den Leser handhabbar zu machen.

Insgesamt überzeugt das Werk voll und ganz. Es vermittelt in einem unglaublich angenehm zu lesenden Stil eine Fülle an Informationen, die jedem Leser die Gestaltung und Optimierung seines eigenen Lebens – sei es beruflich, aber auch privat – erleichtern werden, wenn er sie verinnerlicht und umsetzt. Der Autor zeigt dem interessierten Leser Wege, sich selbst zu optimieren, indem er seine Zeit effektiver nutzt und fokussierter wird. Darüber hinaus räumt er aber auch mit verbreiteten Irrtümern auf und hilft, den Fokus auf die wirklich relevanten Punkte zu lenken. Dabei geht es nie darum, einen Step-by-Step-Leitfaden zu einem perfektionierten Leben zu präsentieren, sondern vielmehr mit der Fähigkeit zur Selbsterkenntnis die kleinen Schrauben im eigenen Getriebe zu erkennen, mit denen sich Vieles erleichtern lässt. Wer sich also für Selbstoptimierung und deren psychologische Hintergründen interessiert, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt! Er wird die für das Lesen aufgewendete Zeit – und davon ist tatsächlich nicht allzu viel notwendig – gut genutzt wissen!