Donnerstag, 1. Februar 2018

Rezension: AsylG

Marx, AsylG, 9. Auflage, Luchterhand 2017

Von Ri'in Antonia Otto, Darmstadt



Bei dem im Jahr 2017 in der 9. Auflage erschienenen Kommentar zum Asylgesetz handelt es sich um ein für die verwaltungsgerichtliche und anwaltliche Praxis sehr hilfreiches Werk, das in den zahlreichen Fragen des Asyl- und Flüchtlingsrechts gerne und häufig zu Rate gezogen wird. Gründe hierfür dürften im Wesentlichen die folgenden sein: die Expertise des Autors, die Aktualität des Werks und die Ausführlichkeit der Kommentierung.

Der in Frankfurt am Main niedergelassene Rechtsanwalt Dr. Reinhard Marx hat auf dem Gebiet des Asyl- und Flüchtlingsrechts Erfahrung wie kaum ein anderer. Seit seiner Zulassung als Rechtsanwalt im Jahr 1983 ist er auf das Aufenthalts-, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht spezialisiert und hat in diesem Zusammenhang bereits die letzte große „Asylwelle“ in den 1990er-Jahren als Rechtsanwalt erlebt und begleitet. Seither hat er sich als Autor und Herausgeber von Fachbüchern im Ausländer- und Asylrecht einen Namen gemacht. Daneben leitet er den Fachlehrgang Migrationsrecht beim Deutschen Anwaltsinstitut und ist dort auch als Dozent tätig. Zudem ist er Vorsitzender des Ausschusses für den Fachlehrgang Migrationsrecht der Rechtanwaltskammer Frankfurt am Main und Mitglied des Ausschusses Ausländer- und Asylrecht der Bundesrechtsanwaltskammer.

Vor dem Hintergrund der jüngsten gesetzgeberischen Dynamik und der fast unüberschaubaren Anzahl von jüngsten Gerichtsentscheidungen ist besonders die Aktualität des Werks hervorzuheben. Die vorliegende 9. Auflage berücksichtigt alle Gesetzesänderungen bis zum August 2016, einschließlich des am 6. August 2017 in Kraft getretenen Integrationsgesetzes, sodass beispielsweise auch der für viele Gerichtsverfahren relevante § 29 AsylG n.F. bereits kommentiert ist. Gerade bei den neu eingeführten bzw. geänderten Vorschriften stellen sich in der Praxis viele Rechtsfragen, die auch in der Rechtsprechung noch nicht ausreichend geklärt sind. Insoweit behilft sich Marx häufig mit Vergleichen zu früheren Regelungen, die dem Leser ein systematisches Verständnis vermitteln.

Zudem zeichnet sich das vorliegende Werk durch die Ausführlichkeit seiner Kommentierung aus. Während bei vielen anderen Werken die oben genannte Dynamik in Gesetzgebung und Rechtsprechung dazu führt, dass die Kommentierung oberflächlich und zahlreiche Fragen bei der Rechtsanwendung unbeantwortet bleiben, geht Marx auf viele Fragen inhaltlich und sehr ausführlich ein. Beispielhaft soll hier nur die Kommentierung der in § 10 AsylG geregelten Zustellungsvorschriften genannt werden. Diese für die verwaltungsgerichtliche und anwaltliche Praxis nicht zu unterschätzende Vorschrift wird von Marx auf 36 Seiten mit zahlreichen Nachweisen in Literatur und Rechtsprechung ausführlich erläutert. Da viele Fragen der Zustellung im Asylverfahren nach den allgemeinen Grundsätzen zu beurteilen sind, werden dabei auch die §§ 2 ff. VwZG im Einzelnen kommentiert.

Schließlich bleibt noch zu erwähnen, dass der Kommentar mit seinen 1783 Seiten durch zahlreiche (Unter-)Überschriften und den Verzicht auf Fußnoten und Abkürzungen übersichtlich gestaltet und leicht zu lesen ist.

Insgesamt überzeugt das Werk durch eine Kombination aus Praxisnähe einerseits und der Ausführlichkeit der Kommentierung andererseits, die es von anderen Kommentaren zum Asylgesetz unterscheidet. Ein Preis von 189,00 EUR ist dabei jedenfalls angemessen.