Samstag, 10. Februar 2018

Rezension: Klausurenkurs im Arbeitsrecht I

Tillmanns, Klausurenkurs im Arbeitsrecht I, 2. Auflage, C.F. Müller 2015

Von stud. iur. Klara Wille L.L.B., Wiesbaden


Die deutsche Wirtschaftsordnung kennt zwei Hauptakteure: Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wegen der strukturellen Unterlegenheit des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber gewährt das Arbeitsrecht dem Arbeitnehmer einen besonderen Schutz. Das Arbeitsrecht teilt sich in zwei verschiedene Rechtsbereiche: Individualarbeitsrecht (Es regelt die Arbeitsbedingungen wie z.B. Arbeitszeit, Teilzeit und den Kündigungsschutz) und Kollektivarbeitsrecht (Es regelt das Verhältnis der Arbeitnehmer/-innen als Kollektiv zu einem oder mehreren Arbeitgebern, z.B. durch Tarifverträge).

Das Buch Klausurenkurs im Arbeitsrecht I stammt aus der Reihe „Schwerpunkte Klausurenkurs“ und konzentriert sich nur auf das Individualarbeitsrecht. Es dient den Studenten nicht nur zur Vorbereitung auf die staatliche Pflichtfachprüfung, sondern auch für den Schwerpunktbereich. Nachdem der Prüfungsstoff auch die Schnittpunkte zum Betriebsverfassungs- und Tarifvertragsrecht beinhaltet, werden diese in den Klausuren berücksichtigt.

Das Buch beinhaltet 10 Fälle, die zunächst die Rechtsquellen des Arbeitsrechts, die Arbeitsvertragsparteien, den Abschluss und Inhalt des Arbeitsvertrages, Störungen in der Leistungsabwicklung und dann die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, insbesondere durch Kündigung behandeln.

Vor Fall 1 weist die Autorin allerdings noch in einem allgemeinen Teil auf die korrekte Klausurtechnik hin und erklärt Besonderheiten der Klausur im individuellen und kollektiven Arbeitsrecht.

Ein jeder Fall besteht jeweils aus 1-2 Seiten Sachverhalt, Vorüberlegungen zum Fall, einer Gliederung und einer mehrseitigen Falllösung im Gutachtenstil. Das Klausurgutachten ist inhaltlich vollständig auf dem Niveau der Ersten Juristischen Prüfung im Pflichtfach ausgearbeitet. Zudem befindet sich am Ende der Fallbearbeitung ein Repetitorium, indem der in der Lösung dargestellte Stoff im Zusammenhang präsentiert und ergänzt wird. Diesbezüglich ist besonders hervorzuheben, dass graphische Darstellungen und knapp gehaltene Ausführungen dem Studenten einen intensiven Überblick über examensrelevante Themengebiete ermöglichen.

Graue Kästchen mit Exkursen und Vertiefungen zum darüberstehenden Absatz zeigen dem Studenten zum Beispiel maßgebliche Kriterien oder andere naheliegende Normen auf. Fett gedruckte Normen und Schlagworte sorgen für besondere Aufmerksamkeit und weisen somit auf  wichtige Ausführungen hin.

Zum Dank des Bearbeiters gibt es nur wenige Fußnoten, welche dann auch gut nachzuvollziehen sind. Diese belegen vor allem wichtige Problemfelder aus der zugrundeliegenden Rechtsprechung (hauptsächlich BAG und EuGH).

Obwohl das Arbeitsrecht aufgrund der vielen Gesetze und unterschiedlichen Normen nicht immer der Freund eines jeden Studenten ist, ermöglicht das Werk dem Studierenden innerhalb eines Buches mit 10 Klausurfällen die vollständige Bandbreite der arbeitsrechtlichen Examensvorbereitung zu überblicken. Der Klausurenkurs vermittelt einen fundierten Überblick im Individualarbeitsrecht über das notwendige Handwerkszeug eines jeden Examenskandidaten. Allerdings ist zu beachten, dass die Klausuren vom Bearbeitungsumfang her keiner fünfstündigen Examensklausur entsprechen, sondern nur die Schwerpunkte des Individualarbeitsrechts bearbeiten.

Insgesamt ist der Klausurenkurs im Arbeitsrecht I von Kerstin Tillmanns jedem Studenten zu empfehlen, der sich mit Hilfe eines kurzen Buches (172 Seiten), rasch das Individualarbeitsrecht aneignen möchte.