Montag, 12. März 2018

Rezension: Allgemeines Verwaltungsrecht und Verwaltungsprozessrecht

Schwabe / Finkel, Lernen mit Fällen - Allgemeines Verwaltungsrecht und Verwaltungsprozessrecht, 9. Auflage, Boorberg 2017

Von Ass. iur. Mandy Hrube, LL.M. (Stellenbosch), Hannover



Die „Lernen mit Fällen“-Bücher gehören seit Jahren mit zu den bekanntesten und beliebtesten Werken unter den Studierenden der Rechtswissenschaften. Das vorliegende Werk behandelt auf 324 Seiten insgesamt 20 Fälle mit prüfungsrelevanten Themen und Problemen des Allgemeinen Verwaltungsrechts und des Verwaltungsprozessrechts. Die 9. Auflage bringt das Werk dabei auf den Stand der Rechtsprechung und Literatur von Juli 2017.

Beim Arbeiten mit diesem Buch empfiehlt es sich, zunächst die nach dem Vorwort folgende Seite „Zur Arbeit mit diesem Buch“ sorgfältig durchzulesen, um einen Einblick über den Aufbau und die vorgeschlagene Vorgehensweise zur Bearbeitung der Fälle zu bekommen. Inhaltlich ist das Werk in fünf Abschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt thematisiert dabei anhand von sechs Fällen die verschiedenen Klagearten nach der VwGO, wie die Anfechtungsklage, die Verpflichtungsklage oder die Fortsetzungsfeststellungsklage. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich am Beispiel von fünf Fällen mit der Rechtmäßigkeit und der Wirksamkeit von Verwaltungsakten. Abschnitt drei behandelt sodann anhand von vier Fällen die Aufhebung von Verwaltungsakten (Rücknahme und Widerruf nach §§ 48, 49 VwVfG) und die Nebenbestimmungen zum Verwaltungsakt gemäß § 36 VwVfG. Im vierten Abschnitt werden in zwei Fällen die sonstigen Handlungsformen der Verwaltung dargestellt, bevor das Werk im fünften und letzten Abschnitt am Beispiel von drei Fällen mit der Verwaltungsvollstreckung und dem vorläufigen Rechtsschutz (§ 80 Abs. 5 VwGO und § 123 Abs. 1 VwGO) abschließt.

Von der Darstellung ist das Werk übersichtlich gehalten und der Leser wird, vom ersten Erarbeiten des Lösungswegs bis zur vollständig ausformulierten Musterlösung im Gutachtenstil, Schritt für Schritt an die Hand genommen: Nach der Sachverhaltsschilderung werden zunächst die Schwerpunkte des Falls in einem grauen Kasten hervorgehoben. Der anschließende Lösungsweg erklärt in einem lockeren und angenehm lesbaren Schreibstil sodann die Vorgehensweise zur Erarbeitung der Lösung in Bezug auf den konkreten Fall und unter Vermittlung des relevanten materiellen Rechts. Hinweise und Tipps heben sich dabei in grauen Kästen optisch hervor und fördern das Verständnis des Lesers für die Materie. Zahlreiche Fundstellen aus Literatur und Rechtsprechung ermöglichen zudem eine tiefergehende Auseinandersetzung mit einzelnen Aspekten. Nach der Vermittlung des Lösungswegs folgt anschließend die, im Gutachtenstil ausformulierte, Lösung des Falls. Gerade diese ausformulierten Musterlösungen dürften für viele Studenten äußert hilfreich sein, denn nicht selten wird zwar das materielle Recht weitestgehend beherrscht, doch die Umsetzung am konkreten Fall gelingt nicht immer. An der Universität werden jedoch leider oftmals (wenn überhaupt) nur stichpunktartige Lösungen zu den behandelten Fällen in der Vorlesung oder der Arbeitsgemeinschaft ausgeteilt. Beim Erlernen des Gutachtenstils und der Bearbeitung von Fällen kann es jedoch äußert gewinnbringend sein, auch einmal Musterlösungen, mit der richtigen Gewichtung der Schwerpunkte, am konkreten Fall ausformuliert zu sehen. Das Werk kann damit insbesondere für Anfänger, aber auch für Fortgeschrittene, empfohlen werden, um die Strukturen und die materiell-rechtlichen Probleme des Allgemeinen Verwaltungsrechts und des Verwaltungsprozessrechts anhand von Fallbearbeitungen zu erlernen. Für das Examen ist natürlich eine deutlich tiefergehende Erarbeitung der Materie notwendig. Allerdings kann das Werk auch Examenskandidaten zur schnellen Überprüfung des Wissens dienen.

Fazit: Das Werk „Allgemeines Verwaltungsrecht und Verwaltungsprozessrecht“ von Schwabe / Finkel stellt gerade für Anfänger ein wertvolles Hilfsmittel beim Erlernen der notwendigen juristischen Technik und der konkreten Wissensumsetzung am Fall dar. Das Werk ist gut strukturiert und aufgrund des lockeren und angenehm lesbaren Schreibstils sehr verständlich, wodurch es den Einstieg in die Materie zudem vereinfacht. Zur Vorbereitung auf die Abschlussklausur im Allgemeinen Verwaltungsrecht kann es daher nur empfohlen werden.