Donnerstag, 1. März 2018

Rezension: Fälle zum Allgemeinen Schuldrecht

Kornblum / Stürmer, Fälle zum Allgemeinen Schuldrecht, 8. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Johann von Pachelbel, Essen

  
In der 8. Auflage ist 2017 die Fallsammlung zum Allgemeinen Schuldrecht von Prof. Kornblum erschienen. 20 Fälle werden samt ausformulierter Lösungsskizze auf 230 Seiten präsentiert. Der Aufbau ist klassisch: Jedem Fall steht eine stichwortartige Aufzählung der Problemschwerpunkte vor, ein bündiger, lebensnah formulierter Sachverhalt folgt und schließlich folgt eine grob gegliederte, fließtextartige Lösung, die nicht den Anspruch hat, Musterlösung zu sein, sondern Problembewusstsein schaffen und Argumentationsvermögen schärfen will.

Inhaltlich decken die Fälle eigentlich gar nicht das ganze Allgemeine Schuldrecht ab, sondern vor allem das Schadensersatzrecht und das Leistungsstörungsrecht. Die inhaltliche Fülle der Fallsammlung ist damit jedoch nicht ausreichend beschrieben. Die Fälle werden nicht thematisch so beschnitten, dass völlig verkünstelte Konstellationen entstehen, in denen nur Allgemeines Schuldrecht angewandt werden muss, sondern die Fälle haben oftmals nur einen Schwerpunkt im allgemeinen Schuldrecht, streifen aber vielfältige Fragen des besonderen Schuldrechts (insbesondere Kaufmängelgewährleistungsrecht), des Allgemeinen Teils des BGB (insbesondere Vertragsschluss) und viele andere Bereiche des BGB. So wird der Bearbeiter zur Genüge in den Grundlagen des Allgemeinen Schuldrechts trainiert und findet viele Chancen, sein juristisches Können rund um Themen wie Unmöglichkeit, Gefahrübergang, Erfüllung und Schadensersatz zu trainieren, sucht aber vergeblich Fälle über Abtretung, Aufrechnung und Randgebiete des allgemeinen Schuldrechts. Dies verrät viel über den Sinn der vorliegenden Fallsammlung: Sie macht keinerlei Avancen, nebenbei lehrbuchartig Wissen vermitteln zu können. Sie beschränkt sich auf ihre Kernkompetenz, nämlich die Bereitstellung von gut durchdachten Aufgaben, anhand derer der Jurastudent, der das Lehrbuch schon gelesen hat, sein juristisches Können in der Anwendung üben kann. Dadurch kann sich die Fallsammlung trotz umfangreichen Inhalts schlank halten. Überdies verspricht sie dem Studenten nichts, was sie nicht halten kann (wie so oft, wenn Fallsammlungen auch mit lehrbuchartigen Abhandlungen zu prahlen versuchen).

Der Schwierigkeitsgrad der Fälle liegt im mittleren bis oberen Bereich und erfordert solide und umfassende Grundkenntnisse im Schuldrecht. Somit kommen als Zielgruppe Studenten im Hauptstudium sowie in der Examensvorbereitung in Betracht. Die Lösungsskizze behandelt die problematischen Themen so tiefgängig, dass Examensniveau erreicht und teilweise überschritten wird. Welcher Teil der Lösung nun vertiefte Diskussion ist und welcher Teil zum Grundlagenkönnen eines Studenten gehören muss, geht aus den Überschriften der Gliederung zur Genüge hervor, sodass auch der Student im großen Schein genau weiß, wann er vielleicht einmal einen Absatz überspringen kann.

Die inhaltliche Ausarbeitung der Lösungsskizzen gefällt sehr gut. Die Aufbereitung der relevanten Probleme ist auf Verständnis ausgelegt und nicht zu kompliziert geschrieben. Das Verständnis von komplexen Problemen fällt bei der Lektüre leicht – für den Rezensenten leichter als in so manchem Lehrbuch. Die Ausführlichkeit der Meinungsstreitigkeiten genügt für das 1. Staatsexamen. Sehr anschaulich werden die Meinungen von Rechtsprechung und Literatur dargestellt und die jeweiligen Konsequenzen für die Lösung des aktuellen Problems aufgezeigt. Unproblematisches und Irrelevantes wird auch gebührend knapp dargestellt, sodass sich fortgeschrittene Studenten nicht langweilen und die Lösungsskizzen nicht ermüdend lang werden.

Die Stärke der vorliegenden Fallsammlung liegt nach Meinung des Rezensenten in der Bündigkeit der Lösungsskizzen bei gleichzeitigem inhaltlichen Tiefgang in den relevanten Teilen der Falllösung. Auch die besondere Anschaulichkeit und Verständlichkeit der Beschreibung komplexer Meinungsstreite hat den Rezensenten von der vorliegenden Fallsammlung überzeugt. Sie hat ihm selbst bei der Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen gute Dienste geleistet.