Mittwoch, 14. März 2018

Rezension: Praxis des Wohnungseigentums

Bärmann / Seuß, Praxis des Wohnungseigentums, 7. Auflage, C.H. Beck 2017

Von RA Daniel Jansen, Köln


In dem Vorwort wird die Abhängigkeit des Wohnungseigentumsrechts von der Rechtsprechung betont. Dies und der Umstand, dass seit der letzten Auflage die Zahl der ergangenen Entscheidungen aller Instanzen deutlich angestiegen sei, habe die Neuauflage nötig gemacht. Dem lässt das Werk Taten folgen, es sind etliche aktuelle Entscheidungen quer durch die Instanzen eingearbeitet worden. 

Die Autoren haben sich mit der Überschrift des Werks gleich auch mit auf den Weg gegeben, wo die Schwerpunktbildung zu erfolgen hat: in der Praxis, also der unmittelbaren Bedeutung und Anwendung des Wohnungseigentumsgesetzes sowie der angrenzenden Rechtsgebiete. Der Leser wird über 15 Kapitel durch alle relevanten rechtlichen Bereiche des Wohnungseigentums geführt. Ein umfangreiches und übersichtliches Inhaltsverzeichnis ist bei Werken dieser gehobenen Klasse eine Selbstverständlichkeit. Davon macht dieses Buch keine Ausnahme. Inhaltlich ist es ausgezeichnet strukturiert und bietet eine starke Grundlage für den Alltag des Praktikers.

Beispielhaft sei das Kapitel „Veräußerungsbeschränkung nach § 12 WEG“ herangezogen. Dort wird zunächst die gesetzliche Regelung prägnant erläutert: der Grundsatz, dass das Sondereigentum frei veräußerlich ist, erfährt durch § 12 WEG Abweichungen, nämlich durch die mögliche Regelung, dass die Veräußerung nur mit Zustimmung der Gemeinschaft oder eines Dritten wirksam ist. Es folgt eine ausgesprochen gelungene Kombination aus dichter dogmatischer Darstellung (z.B.: nach hM sei bei der Auslegung des § 12 der Schutz der Eigentumsgarantie des Art. 14 GG zu beachten) und Hinweisen für die tatsächliche Anwendung (z.B. zwar Grundsatz der Freiheit, mit seinem Eigentum frei zu verfahren, aber auch das Erkennen der Tatsache, dass derjenige, der Wohnungseigentum erwirbt, sich in Kenntnis der Regelungen in eine Gemeinschaft einbindet). Es folgt sodann eine Einordnung und Wertung des Bearbeiters (z.B. Zustimmungsvorbehalte seien eher ein Ärgernis, deren mittelbare Zielsetzung würde jedoch oft erreicht), stets mit Bezug auf Rechtsprechung und relevante Literaturstimmen. Dieser Aufbau zieht sich wohltuend durch das gesamte Werk, so dass der Nutzer sich weder durch lange theoretische Ausführungen arbeiten muss, ohne den späteren praktischen Wert von Anfang an zu kennen, noch ist der Nutzer ausschließlich mit der tatschlichen Anwendung konfrontiert. Er erhält vielmehr exakt die Grundlagen knackig zusammengefasst, die ihm das Verständnis der tatsächlichen Anwendung des Wohnungseigentumsrechts erleichtern.

Nicht zufällig kommt in einem klar praxisorientierten Werk dem Kapitel „Gerichtsverfahren“ eine erhebliche Bedeutung zu, die sich auch in dem Umfang dieses Kapitels niederschlägt. Über knapp 360 Seiten wird die gesamte Bandbreite der im Wohnungseigentumsprozess möglichen Varianten hervorragend aufbereitet. Hierbei geht der Bearbeiter auf die Besonderheiten ein, die den Wohnungseigentumsprozess auszeichnen. Anschaulich und hilfreich sind hier auch die Ausführungen zu den teilweise besonders kurzen Fristen und deren Berücksichtigung, z.B. im Rahmen der Anfechtungsklage bezogen auf einen WEG-Beschluss. Als eine der wichtigen Besonderheiten wird die erleichterten Antragstellung gem. § 21 Abs. 8 WEG zunächst erläutert und dann anhand eines konkreten Beispiels greifbar gemacht.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass dieses Werk für jeden Praktiker eine ausgezeichnete Ergänzung zu einem WEG-Kommentar darstellt.