Dienstag, 27. März 2018

Rezension: Psychologie

Fetchenhauer, Psychologie, 2. Auflage, Vahlen 2018

Von Carina Wollenweber-Starke, Wirtschaftsjuristin, LL.M., Bad Berleburg

  
Das Werk „Psychologie“ von Professor Detlef Fetchenhauer (Professor für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln) erscheint nun in der 2. Auflage im Verlag Vahlen und umfasst insgesamt 20 Kapitel auf 482 Seiten.

Kapitel 1 bietet einen gelungenen Einstieg in das Thema „Psychologie“ und erklärt, worum es sich dabei handelt. In Kapitel 2 geht es u.a. darum, was den Menschen von anderen Lebewesen abgrenzt wie z.B. das Bewusstsein. Kapitel 3 beschäftigt sich mit Emotionen und Motivation. Der Autor stellt in Kapitel 4 u.a. den Behaviorismus vor und zeigt, wie viel Verhalten gelernt ist. Kapitel 5 führt in die Wissenschaftstheorie ein und erläutert, was eine gute Theorie ausmacht. Im 6. Kapitel stellt der Autor die Psychologie als Wissenschaft vor und stellt dar, wie sich diese von anderen Wissenschaften abgrenzt. Kapitel 7 widmet sich der Religion und geht der Frage nach, warum Menschen an Gott/Götter glauben. In Kapitel 8 erläutert der Autor, wie Gene und Persönlichkeit zusammen hängen. Psychische Störungen werden in Kapitel 9 behandelt. Kapitel 10 thematisiert Geschlechterunterschiede und deren Ursachen. Im 11. Kapitel wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die Kultur auf das Verhalten des Menschen hat. Der Autor stellt in Kapitel 12 dar, warum Logik nicht immer in der Lage ist, das menschliche Verhalten zu erklären. Kapitel 13 schließt sich daran an und erklärt, warum der Mensch manchmal das Falsche tut, obwohl er sich bewusst ist, was das Richtige wäre. Thematisiert wird u.a. die Selbstkontrolle. Während sich Kapitel 14 damit beschäftigt, wie Menschen ihre soziale Umwelt sehen, beschäftigt sich Kapitel 15 mit der Frage, wie sich der Mensch selbst wahrnimmt. Das Verhältnis von Einstellungen und Verhalten ist Gegenstand von Kapitel 16. Der Autor erläutert in Kapitel 17 die Unterschiede zwischen Stereotypen, Vorurteilen und sozialen Identitäten. Im 18. Kapitel wird erklärt, warum der Mensch ein soziales Wesen ist und es vermeidet, alleine zu sein. Kapitel 19 stellt dar, wie soziale Rollen, Normen und der Status das menschliche Handeln bestimmen. Schließlich im 20. und somit letzten Kapitel geht es u.a. sowohl um Aggressivität und Egoismus als auch um den Altruismus.

Das erklärte Ziel des Autors ist es, den Leser zu informieren, ihn gut zu unterhalten und sein Interesse an der Psychologie zu wecken. Demnach besteht der Adressatenkreis hauptsächlich aus Studierenden mit Psychologie im Nebenfach und aus an der Psychologie Interessierten. Das Werk dient als Einstieg in die Materie. Des Öfteren erwähnt der Autor auch, dass die Ausführungen nicht vollumfänglich seien können. Das Werk fällt durch seine breite Themenauswahl auf. Darüber hinaus existieren auch einige Exkurse (z.B. S. 82 f.: „Angewandte Lernpsychologie – jedes Kind kann schlafen lernen“; S. 130 ff.: Statistik).

Die vielen anschaulichen Beispiele helfen sehr beim Verständnis der durchaus komplexen und abstrakten Materie (z.B. S. 14 f.). So werden u.a. Beispiele aus dem Alltag genannt (z.B. S. 334: Fußball), welche jeder Leser nachvollziehen kann. Außerdem werden viele Bezüge zur heutigen Technologie hergestellt und für die 2. Auflage sehr aktuelle Beispiele verwendet (z.B. S. 236: Donald Trump als US-Präsident). Die große Anzahl an Bildern trägt ebenfalls zur Veranschaulichung bei. Alle Bilder sind passend ausgewählt und durch den Farbdruck wird deren Erkennbarkeit erhöht.

In der äußeren Spalte befinden sich Stichpunkte bzw. Schlagwörter, welche zusätzlich in roter Schrift hervorgehoben werden. Darüber hinaus werden auch Zitate genannt und wichtige Personen in Bild und Text vorgestellt (z.B. Ivan Pawlow, Sigmund Freud, Daniel Kahneman), deren Theorien, Studien und Experimente im Fließtext erläutert werden. Nach jedem Kapitel existiert eine Zusammenfassung unter der Rubrik „Kurz und gut“, welche auch durch einen gelben Kasten hervorgehoben ist. Darin sind die 10 wichtigsten Aussagen des Kapitels zusammen gefasst.

Der Autor spricht den Leser gezielt an, wodurch direkt eine Verbindung aufgebaut wird. Außerdem stellt er auch seine eigene Meinung vor (z.B. S. 23) und berichtet von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen (z.B. S. 17 f.; S. 222: Familie). Durch kleinere Tests (z.B. S. 331 zum Wirtschaftswachstum; S. 333; S. 378: Link) wird der Leser integriert. Mitunter handelt es sich bei dem Werk auch um eine Art Ratgeber (z.B. S. 304: Selbstkontrolle).

Das Werk ist sehr witzig (z.B. S. 85: Badewanne, S. 219: Zitat), interessant und recht locker geschrieben. Dies fällt z.B. durch viele Zitate (z.B. S. 4, 30) und u.a. durch ein Gedicht von Erich Kästner (S. 24) auf.

Die Erklärung von schwierigeren Begriffen befindet sich in Klammern unmittelbar dahinter (z.B. S. 16). Somit handelt es sich zwar um eine gehobene, aber dennoch verständliche Sprache. Für die ab und an auftauchenden englischen Zitate wird leider keine deutsche Übersetzung angeboten (z.B. S. 30, 43). Mitunter erklärt der Autor, wie er im Werk weiter vorgehen wird (z.B. S. 77), damit sich der Leser darauf einstellen kann. Außerdem kommt er häufig auf bereits Erklärtes/Erzähltes zurück (z.B. S. 29), sodass es sinnvoll ist, das Werk von vorne nach hinten zu lesen und nicht zu besonders interessanten Kapiteln zu springen.

Es existiert sowohl ein Inhaltsverzeichnis für das komplette Werk als auch ein kleines Inhaltsverzeichnis vor jedem Kapitel. Des Weiteren ist auch eine Inhaltsübersicht auf der Innenseite des Umschlags zu finden. Das Literaturverzeichnis ist überaus umfangreich, sodass sich der Leser bei Bedarf weiter informieren kann. Am Ende eines Kapitels findet sich die Rubrik „Studentenfutter“, in welcher 2 Literaturquellen des Kapitels besonders hervorgehoben werden.

Neben einem Quellen- ist auch ein Sachverzeichnis vorhanden. Bedauernswert ist, dass dieses Sachverzeichnis nicht auch die mit Hilfe von Bildern vorgestellten Personen beinhaltet. Die Quellenangaben in den Kapiteln befinden sich nicht in der Fußzeile als Fußnoten, sondern in Klammern direkt hinter den Aussagen im Fließtext (z.B. S. 5). Häufig wird auf das komplette Werk verwiesen, eher selten sind auch die genauen Seitenangaben erwähnt (so aber z.B. S. 7).

In der Kopfzeile befinden sich das Kapitel, der Name des Kapitels und des Unterkapitels, sodass sich der Leser schnell zurechtfinden wird. Randnummern existieren nicht; Verweise sind so nicht eindeutig, sondern eher allgemein gehalten (z.B. S. 288: „siehe Kapitel 9“). Eine Hervorhebung durch Fettdruck findet zwar nicht statt, allerdings wird z.T. eine Hervorhebung durch Kursivdruck erreicht (z.B. S. 184).

Fazit: Das Werk „Psychologie“ von Professor Detlef Fetchenhauer weiß durchaus zu begeistern, sodass ich es weiterempfehlen kann und privat auch bereits weiterempfohlen habe. Es ist thematisch sehr breit aufgestellt, durch die vielen Beispiele, Bilder und Darstellungen sehr verständlich und lässt den Leser über Dinge nachdenken, über die er bislang (wahrscheinlich) noch nie nachgedacht hat. Das Ziel, das Interesse des Lesers für die Psychologie zu wecken, erfühlt der Autor mühelos.