Sonntag, 11. März 2018

Rezension: Zivilprozessrecht für Referendare

Oberheim, Zivilprozessrecht für Referendare, 12. Auflage, Vahlen 2017

Von Rechtsreferendarin Patricia M. Popp, M.A., Darmstadt

  
Mit Beginn des Referendariats in Form der Zivilstation, beginnt gleichzeitig für jeden Referendar die Suche nach der passenden Ausbildungsliteratur. Für viele Referendare stellt sich deshalb bereits am Anfang die entscheidende Frage: Oberheim oder Anders/Gehle? Bei diesen Werken handelt es sich schlichtweg schon seit vielen Jahren um die bekanntesten Standardwerke in der Referendarsausbildung, die fast jedem Referendar spätestens in den Arbeitsgemeinschaften angepriesen werden.

Der Oberheim stellt bereits auf den ersten Blick das umfassendere Werk dar, da er mit mehr als 600 Seiten zu Buche schlägt. Bereits vorweggenommen sei, dass dieser Umfang ganz offensichtlich auf die zahlreichen Aufbauschemata und Grafiken zurückzuführen ist, die neben dem Fließtext verhältnismäßig viel Platz einnehmen. Genau diese grafischen Darstellungen, die sich etwa zum Prozessrechtsverhältnis oder Zuständigkeit des Einzelrichters finden lassen, machen das Werk aber auch zu etwas Besonderem und heben es von der breiten Masse der Ausbildungsliteratur ab. Die Darstellungen sind großzügig gehalten, was es dem Leser ermöglicht eigene Anmerkungen und Ergänzungen hinzuzufügen, um auf diese Weise eine individuelle Übersicht zum Lernen zu erstellen. Vor allem Personen, die bildliche Darstellungen als hilfreich empfinden, um theoretisch abgefasste Materie zu verstehen und zu verinnerlichen, werden diese Aufbauweise zu schätzen wissen. Zusätzlich sind die Schaubilder dienlich, um sich zivilprozessrechtliche Konstellationen dauerhaft einzuprägen.

Inhaltlich ist das Werk in Teil 1 „Grundbegriffe“ und Teil 2 „Vertiefung“ aufgeteilt. Der erste Teil eignet sich besonders für den Beginn der Zivilstation, da hier grundlegende Begriffe wie Partei, Klage oder Beweis dargestellt und im Kontext des Prozessrechts erklärt werden. Nach der Lektüre dieses Teils hat sich jeder Referendar einen ersten Überblick über die zivilprozessrechtliche Materie geschaffen und den Grundstein gelegt, um diesen Überblick anhand des zweiten Teils zu vertiefen. Im zweiten Teil geht es dann vorwiegend um die prozessrechtlichen Verfahrensweisen, wie Mahn- und Eilverfahren, Versäumnisverfahren oder Beweisverfahren.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass Oberheim großen Wert auf Formulierungsbeispiele legt. Diese lassen sich in allen Abschnitten finden und sind eingerückt und grau hinterlegt, weshalb sie schnell ins Auge springen. Da der Autor Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht in Frankfurt ist und auch selbst dort Arbeitsgemeinschaften leitet, sind diese Beispiele sehr präzise formuliert und beinhalten genau das, was von den Referendaren in der praktischen Ausbildung erwartet wird. Oberheim verzichtet weitestgehend auf die Darstellung ausgedehnter Meinungsstreits, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche und Examensrelevante. Abgerundet werden die Erläuterungen durch zahlreiche Fußnoten, in denen einschlägige Literatur und Rechtsprechung berücksichtigt und bis Mitte 2015, zitiert wird. Hierdurch eröffnet sich dem Leser die Möglichkeit der weitergehenden Recherche zu den einschlägigen Themengebieten.

Als Referendarin kann ich dieses Werk all meinen „Leidensgenossen“ nur wärmstens ans Herz legen. Mit knapp 40 € ist der Oberheim zwar kein Schnäppchen. Allerdings bekommt man ein sehr nutzbringendes Nachschlagewerk, das den gesamten zivilrechtlichen Stoff für das zweite Examen abdeckt. Man kann den Oberheim daher sowohl zu Beginn und während der Zivilstation, als auch in der Examensvorbereitung und nicht zuletzt bei der Vorbereitung für die mündliche Prüfung vertrauensvoll zu Rate ziehen. Der Oberheim ist deshalb nach wie vor ein verlässlicher Begleiter für die gesamte Examenszeit und wird dies sicher auch noch für viele kommende Referendar-Generationen bleiben.