Dienstag, 3. April 2018

Rezension: Gesellschaftsrecht

Grunewald, Gesellschaftsrecht, 10. Auflage, Mohr Siebeck 2017

Von Dipl. iur. Andreas Seidel, Göttingen



Drei Jahre nach der Vorauflage hat Prof. Dr. Barbara Grunewald nun die zehnte Auflage des mittlerweile zum Klassiker avancierten Lehrbuchs zum Gesellschaftsrecht herausgebracht. Inhaltlich wurde dabei an das bestehende Konzept angeknüpft, das sich mittlerweile bewährt hat, und es wurden nur kleinere Neuerungen eingefügt. Insbesondere wurde im Rahmen der Aktualisierung die Rechtsprechung auf den neuesten Stand gebracht, die neue Literatur ausgewertet und die gesetzgeberischen Neuerungen eingefügt. Die Gesamtkonzeption hat sich jedoch gegenüber der Vorauflage nicht grundlegend geändert.

Die Entscheidung, die Gesamtkonzeption des Lehrbuchs beizubehalten, ist dabei durchweg zu begrüßen. Sowohl die recht ausgeglichene Besprechung des Personengesellschaftsrechts (ca. 190 Seiten) und des Körperschaftsrechts (ca. 250 Seiten), als auch die inhaltliche Tiefe der Darstellung sind ausgesprochen gelungen. Insbesondere sei auch auf die Erläuterungen abseits der einzelnen Gesellschaftsformen hingewiesen: Neben einer kurzen Einführung in die Materie (S. 1 ff.) und dem Abschnitt über die Gesellschaften ausländischer Rechtsform (S. 441 f.) verdient vor allem der letzte Teil des Lehrbuchs Beachtung, der in einer Zusammenfassung die Grundfragen des Gesellschaftsrechts anhand der Formen des Gläubigerschutzes, des Minderheitenschutzes, des Schutz der Gesellschaft vor ihren eigenen Führungspersonen und einer Gegenüberstellung von Körperschaften und Personengesellschaften beleuchtet (S. 443 ff.).

Ebenfalls ist hervorzuheben, dass die Autorin sowohl im Personengesellschaftsrecht als auch im Körperschaftsrecht ausführlich die jeweiligen Grundtypen dargestellt hat. Ohne die Wertungen der BGB-Gesellschaft und des Vereinsrechts, die häufig den Ausgangspunkt für weitergehende Überlegungen und Abgrenzungen bilden, bleibt eine Darstellung anderer Gesellschaftsformen unvollkommen, sodass es Grunewald hoch anzurechnen ist, insbesondere auch dem Verein, der häufig stiefmütterlich behandelt wird, genügend Raum eingeräumt zu haben. Für das Recht der BGB-Gesellschaft ist dies vor dem Hintergrund des Verweises in § 105 Abs. 3 HGB auf die §§ 705 ff. BGB ohnehin geradezu unerlässlich.

In der aktuellen Auflage wurden nicht bloß die neue Rechtsprechung und neue Literatur ausgewertet und berücksichtigt, vor allem wurden auch gesetzgeberische Entwicklungen aufgegriffen. So wurde 2015 etwa das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst erlassen, das in der Darstellung in § 10 Rn. 77 Raum gefunden hat. Hier wird zwar nur kurz auf die Geschlechterquote eingegangen und etwa zur Frage der Verfassungsmäßigkeit nur auf weitergehende Literatur verwiesen, dies ist jedoch vor dem Hintergrund des weiten Spektrums dieses Lehrbuchs durchaus nachvollziehbar.

Im Bereich des dritten Teils zu den Gesellschaften ausländischen Rechts, der zugegebenermaßen recht knapp gehalten ist, wäre es vor dem Hintergrund des Brexit wünschenswert gewesen, zumindest in wenigen Sätzen die aktuelle Diskussion um den Umgang mit britischen Rechtsformen innerhalb der EU vice versa darzustellen, da dies aktuell nicht nur von großer praktischer Relevanz ist, sondern momentan auch häufig im Rahmen des Schwerpunktstudiums thematisiert wird. Insgesamt wirft der dritte Teil, dem kaum mehr Platz als eine Seite zugebilligt wurde, leider mehr Fragen auf, als dass sie beantwortet werden. Hier ist somit der Leser selbst gefordert, den bestehenden und gut ausgewählten Verweisen zu folgen. Jedoch kann diese knappe Darstellungsform (die auch schon in der Vorauflage zu finden war) auch gewählt worden sein, um das Lehrbuch, dass ohnehin schon ein recht weites Spektrum abdeckt, nicht noch zusätzlich auszuweiten.

Auch wenn die Autorin im Vorwort zur aktuellen Auflage meint, dass sich dieses Lehrbuch mit ca. 450 Seiten nur für solche Studierenden und andere Juristen eigne, die an vertieften Kenntnissen interessiert seien, sei an dieser Stelle betont, dass eine kürzere Darstellung der Gefahr ausgesetzt ist, inhaltlich derart verknappt zu werden, dass auch die Darstellung der Grundlagen nicht mehr substanziell gelingt. Immerhin stellt Grunewald hier sowohl das Personen- als auch das Kapitalgesellschaftsrecht dar, die sehr viel kürzer nicht seriös erläutert werden können. Aufgrund dessen wendet sich dieses Werk nach meinem Dafürhalten nicht nur an solche Juristen, die an einer vertieften Kenntnis interessiert sind, sondern an alle Interessierten. Im Zweifelsfall sollten daher lieber Randgebiete dieses Lehrbuchs wie die Darstellung abseitiger Gesellschaftsformen wie der Europäischen Genossenschaft, des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit oder der Abschnitt über Gesellschaften ausländischer Rechtsformen übersprungen werden, als dass auf ein schlankeres Lehrbuch zurückgegriffen wird. Ausnahme kann hier allenfalls die Vorbereitung auf die juristische Staatsprüfung sein; hier sollte ein sorgfältiger Blick in die landesspezifische Regelung zum Prüfungsstoff der Pflichtfachprüfung geworfen werden, um zielorientiertes Lernen zu ermöglichen.

Abschließend ist festzustellen, dass es Grunewald mit diesem Lehrbuch gelungen ist, den Spagat zwischen dem weiten Spektrum der Darstellung von Personengesellschaftsrecht und des Körperschaftsrecht einerseits und dem der nötigen Substantiierung der Darstellung andererseits gelungen ist. Deshalb sei an dieser Stelle dieses Lehrbuch all jenen wärmstens empfohlen, die sich fundiert in das Gesellschaftsrecht einarbeiten wollen.