Donnerstag, 12. April 2018

Rezension: Kleine Rhetorikschule für Juristen

Walter, Kleine Rhetorikschule für Juristen, 2. Auflage, C.H.Beck 2017

Von Adrian Thorben Stricker, LL.B., Siegen

  
Auch in der zweiten Auflage der "Kleinen Rhetorikschule für Juristen", die ähnlich wie die erste Auflage Theorie und Praxis auf nun kompakten 327 Seiten miteinander verbindet, soll dem Leser ein psychologisch geschickter Umgang mit der Vortragsweise über die eigentlichen Fakten hinaus vermitteln werden. Gemäß dem Ziel des Werkes schafft es die Lektüre, dem Leser neben den theoretischen Bestandteilen auch mit Hilfe von aktuellen und geschichtlich wertvollen Anekdoten die Grundlagen der Rhetorik näherzubringen.

Der Auseinandersetzung mit einem Thema steht zunächst immer die Erarbeitung des Kontextes voraus. So werden zu Beginn der insgesamt sechs Teile der geschichtliche Aspekt und die Aufspaltung der Rhetorik in ihren einzelnen Facetten beleuchtet. Als zweites (Teil B) folgt die Besprechung der Besonderheiten des mündlichen Vortrags. Walter widmet sich in diesem Abschnitt neben dem Lampenfieber auch der Mimik und Gestik des Redners und den Besonderheiten des Publikums. Um aber eben nicht nur den theoretischen Wert der Rhetorik zu schildern, sondern, entsprechend seiner Intention, die Gesamtheit der Rhetorik zu verbessern, werden im Hinblick auf die Praxis in Teil C auch die wichtigen Bestandteile des Vortrags besprochen. Die Lektüre beschränkt sich aber eben nicht nur auf Darstellung klassischer Aufbauprobleme eines Vortrags, sondern beschäftigt sich auch mit möglichen alternativen Fragen des juristischen Redners, z.B. der Voranstellung einer Vortragsgliederung. Da es sich um eine Lektüre mit Hinblick auf die Rhetorik des Juristen handelt, widmet sich der größte Teil des Werkes (Teil D) der juristischen Methodik und damit der Begründungslehre im Vortrag. Neben Bereichen wie der Vortragslogik werden hier auch die einen oder anderen Tipps und Tricks verraten, um etwa die Gunst der Zuhörerschaft zu gewinnen bzw. nicht zu verlieren. Unter dem Titel "Stilfragen" in Teil E werden dann jegliche Unsicherheiten zu rhetorischen Figuren, der Freiheit der Rede und der kleinen Vortragshelfer behandelt. In Abschnitt F wird dem Redner ein Ausblick auf die in den meisten Fällen entstehende Diskussion nach dem Vortrag gegeben. Ein professioneller Umgang auch mit diesem Teil der Rede muss geübt sein. Zum Ende zeigt Walter in seinen neun rhetorischen Hauptsätzen erneut seine zielgerichtete Arbeitsweise, die eben auch mit Hinsicht auf die spätere Umsetzung des theoretischen Wissens in der Praxis besonderen Wert hat.

Obwohl die Abschnitte zunächst einzelne Aspekte der Rhetorik erleuchten wollen, schafft es das Werk immer wieder, die besonders wichtigen Verweise auf bereits behandelte Gebiete vorzunehmen, um damit im Ergebnis ein umfassendes Gesamtbild der Rhetorik zu zeichnen. Durch Walters klare und direkte Ausdrucksweise sowie die zahlreichen Anekdoten wird aus einem Einführungswerk in die Rhetorik eine unterhaltsame Lektüre, die auch noch nach Feierabend zu genießen ist. Auch die zahlreichen, für die Praxis konzipierten Grundsätze ermöglichen es dem Leser nach bereits vollkommener Lektüre, sich vor einzelnen Anlässen kurz und gebündelt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Unter all diesen Aspekten ist das Werk zum Preis von 22,90€ eine wertvolle Investition.